Mike Bickle und International House of Prayer (Bob DeWaay übersetzt von Georg Walter)

Übersetzt von Georg Walter ( distomos.blogspot.de )

 

Wiederbelebung der Lehren der Spätregen-Bewegung

 

Bob DeWaay

 

Bob DeWaay erteilte freundlicherweise die Genehmigung, diesen Artikel ins Deutsche zu übersetzen und einer deutschen Leserschaft zugänglich zu machen. Bob DeWaay ist seit 28 Jahren Pastor der unabhängigen evangelikalen Gemeinde Twin City Fellowship in Minneapolis, Minnesota (USA). Er studierte am North Central Bible College und am Bethel Theological Seminary. Er ist seit 36 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 1992 publizierte Bob DeWaay über 100 Artikel, in welchen er sich kritisch mit Lehren und Strömungen der Charismatik und des Evangelikalismus auseinandersetzt.

 

Originaltitel: Mike Bickle and International House of Prayer – The Latter Rain Redivivus

 

Quelle: URL: http://cicministry.org/commentary/issue107.pdf.

 

Anfang 2008 veranstaltete International House of Prayer (IHOP) unter dem Motto Passion for Jesus (Leidenschaft für Jesus) eine Konferenz in Kansas City, die sich besonders an junge Leute richtete. Das Ziel der Konferenz war es, in der „Intimität mit Jesus“ zu wachsen. Mike Bickle, Vorsitzender von IHOP, hielt die zweite Predigt auf der Konferenz über das Gleichnis von den zehn Jungfrauen in Matthäus 25. Er allegorisierte dieses Gleichnis (die allegorische Auslegung geht von verborgenen, symbolischen Wahrheiten einer Textstelle aus im Gegensatz zur wörtlichen Auslegung, Anmerkung des Übersetzers) und legte sowohl seine endzeitliche Theologie dar als auch seine „Offenbarung über das Modell der geistlichen Beziehung des Gläubigen als Braut zum Bräutigam Jesu.“ Bickle behauptet, dass Jesus nicht wiederkommen kann, ehe sich die Gemeinde drastisch verändert hat: „Jesus kommt nicht irgendwann. Er kommt erst dann, wenn Gottes Volk auf der ganzen Welt unter der Salbung des Geistes und im Bewusstsein, Braut Christi zu sein, seine Fürbitte durch lautes Rufen vor Gott bringt.“1 Wer dies nicht versteht, hat die Bibel wahrscheinlich wörtlich genommen und nie so etwas wie eine besondere Salbung erlebt, die eine Offenbarung der „geistlichen Beziehung des Gläubigen als Braut zum Bräutigam Jesu“ vermittelt. Tatsächlich werden den meisten Christen Bickles Vorstellungen als fremd und seltsam erscheinen.

 

Mike Bickle
Mike Bickle

 

In diesem Artikel will ich aufzeigen, dass Bickles Bewegung auf der allegorischen Methode der Schriftauslegung, auf der Theologie eines tieferen geistlichen Lebens (deeper life) und Mystizismus beruht; diese Theologie entspricht mit geringen Abweichungen den häretischen Lehren der Spätregen-Bewegung der 1940er Jahre. Bickle behauptet, er habe seinen Dienst begonnen, als er 1983 die Stimme Gottes akustisch vernommen habe; Gott habe ihm aufgetragen, ein 24-Stunden-Gebet im Geiste der davidischen Stiftshütte einzurichten. Bickle berichtet, dass er noch nicht einmal wusste, was Gebet im Geiste der davidischen Stiftshütte war, und dennoch hatte Gott ihm aufgetragen, genau dies ins Leben zu rufen. Es stellte sich später heraus, dass man darunter das „prophetische Singen der Gebete“ verstand.2 Nachdem Bickle und andere Klarheit darüber hatten, was unter dieser Art von Gebet zu verstehen war, wurde IHOP geboren.

 

Die Endzeitlehre der Spätregen-Bewegung

 

Auf der Webseite von IHOP (www.ihop.org) finden sich eine Reihe von Aussagen, die sich scheinbar von den diskreditierten Lehren der Spätregen-Bewegung distanzieren. (In einem früheren Artikel legte ich die Vorstellungen dieser Bewegung dar.3) So leugnen die Vertreter von IHOP beispielsweise, dass sie die Lehre von Joels Armee in irgend einer Weise vertreten;4 diese Lehre war eine der Schlüssellehren der Spätregen-Bewegung, die besagte, dass eine Endzeitarmee von großer Vollmacht aufstehen und die Feinde Gottes in der Zeit der großen Trübsal besiegen würde. Es wurde ferner gelehrt, dass Christus nicht für eine „besiegte“ Gemeinde kommen würde – als eine solche sahen die Vertreter der Spätregen-Bewegung alle anderen Gemeinden der damaligen Zeit an.

 

Wie ich aufgezeigt habe, wurde diese Lehre von Leitern in Schlüsselpositionen der Neuen Apostolischen Reformation – NAR (C. Peter Wagner u.a.) – übernommen. Diese Lehre ist so exzentrisch, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass jemand, der sie vertritt, nicht von jenen Lehrern beeinflusst wurde, die sie als erste propagierten. Dies gilt insbesondere für Mike Bickle, der in der Vergangenheit Kontakt zu dem Propheten Paul Cain hatte, der selbst der Spätregen-Bewegung angehört hatte! Daher komme ich zu dem Schluss, dass Bickle und IHOP von der Spätregen-Bewegung beeinflusst sind, auch wenn dies verneint wird.

 

Bickle lehrt, dass die Gemeinde nicht durch die Trübsal gehen wird, sondern dass sie die Trübsal verursachen wird:

 

„Wir werden der großen Trübsal nicht entgehen. Nun hört genau zu. Die Gemeinde wird die Trübsal auslösen. Was ich damit meine – es ist die Gemeinde, es ist die betende Gemeinde unter der Führung von Jesus, die das Gericht in der großen Trübsal über die Welt bringen wird, so wie Mose durch seinen ausgestreckten Stab und Gebet das Gericht über Pharao brachte. Die Gemeinde in der Trübsal wird die Position eines Mose vor Pharao einnehmen, aber es wird sich nicht um Pharao und Ägypten handeln, sondern es wird der große Endzeit-Pharao, der Antichrist, sein. Und das Buch der Offenbarung ist ein Buch der Gerichte Gottes über den Antichristen infolge der betenden Gemeinde.“

 

Bickles Endzeitlehre besagt, dass die Gemeinde mit ihrer besonderen Art des Gebets den Antichristen besiegen wird. Die Spätregen-Bewegung lehrte, dass nur eine Gemeinschaft von Propheten und Aposteln dies erreichen würde. Beide Lehren vertreten die Anschauung, dass eine elitäre Endzeitgemeinde Gottes Feinde besiegen wird und dass Jesus solange „im Himmel gebunden“ ist, bis dies alles geschehen sein wird. Mitte der 1980er Jahre schrieb Earl Paulk sogar ein Buch unter diesem Titel (Im Himmel gebunden bis… Gottes Strategie für den Planeten Erde).5

 

Dass Christen eine besondere Art des Gebets praktizieren müssen, bevor Christus wiederkommen kann, legt Bickle in seiner Lehre dar:

 

„Derzeit wächst die Gebetsbewegung schnell… sehr schnell! Aber wenn ich sage, sie wächst schnell, dann meine ich, dass aus einem Prozent betender Christen im Leib Christi vielleicht zehn Prozent geworden sind. Sie ist vielleicht zehnmal größer als noch vor einer Generation, aber meine Lieben, so schnell die Gebetsbewegung auch wachsen mag und die Leute daran teilhaben, so gibt es doch immer noch neunzig Prozent, die das nicht auf dem Herzen haben. Jesus wird nicht wiederkommen, ehe der Leib Christi auf der ganzen Welt ruft: ‚Komm Herr Jesus, komm Herr Jesus, komm Herr Jesus;’ es reicht nicht, dass sie sagen: ‚Komm und vergib mir.’ Sie müssen in dem Verständnis und dem Wissen zu Ihm rufen, dass sie von Jesus als seine Braut geliebt sind.“

 

Hier wird der elitäre Charakter deutlich. Bickle bezieht sich auf die Christen, die seiner Bewegung folgen und die folgerichtig die Art des Gebets, wie sie es von der Bibel kannten, hinter sich gelassen haben, weil es ihnen „nutzlos“ erscheint; sie wollen mit der neuen Art von Gebet (im Geist der davidischen Stiftshütte) an der Ausführung von Gottes Plänen auf Erden teilhaben.

 

Als Beweis für diese Vorstellung gilt folgender Bibeltext: „Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und der es hört, spreche: Komm! Und wer da dürstet, nehme das Wasser des Lebens umsonst“ (Offb.22:17).

 

Erstens, es geht nicht eindeutig aus dem Text hervor, ob der Geist und die Brautgemeinde Christus bitten zu kommen oder ob der Geist und die Brautgemeinde die Ungläubigen einladen, zu Christus zu kommen, um bei Ihm Heil zu finden (wie der zweite Teil des Verses vermuten lässt). Ich glaube, dass der ganze Vers ein Ruf zur Errettung darstellt und nicht den Ruf zur Wiederkunft Christi.6

 

Zweitens, ganz gleich, welcher Auslegung wir folgen, der Vers wendet sich jedenfalls nicht ausschließlich an eine elitäre Gruppe von Endzeitchristen, die eine besondere Offenbarung hat, selbst die Brautgemeinde zu sein. Die Gemeinde betete schon von jeher für die Wiederkunft Christi, seit sie das Vaterunser empfangen hatte. Jedes Mal, wenn die Gemeinde das Abendmahl feiert und „den Tod des Herrn verkündigt, bis Er wiederkommt,“ bringt sie ausdrücklich ihr Verlangen zum Ausdruck, dass sie sich nach der Tischgemeinschaft beim Hochzeitsmahl des Lammes sehnt. Es ist unredlich zu behaupten, dass das Gebet der Christen über Jahrhunderte untauglich war, weil sich ihnen Christus angeblich nicht persönlich als Bräutigam geoffenbart hatte – eine Auslegung, die ohnehin nicht aus der Schrift abgeleitet werden kann.

 

Eine weitere Lehre, die Bickle vertritt, ist eine kommende große Erweckung, die zeitgleich mit der Trübsalszeit auftreten wird. Dies lehrte schon die Spätregen-Bewegung – aber wo findet sich dies in der Schrift? Erstaunlicherweise führt Bickle als Beweis Matthäus 24 an: „In diesem Gleichnis (Die Zehn Jungfrauen) gibt es so viele Prinzipien. Es ist ein Gleichnis über die Endzeit, ich sage euch, dass es so ist. Es ist für das Volk und für die Zeit, wenn das Gericht und die Erweckung von Matthäus 24 sich entfalten.“

 

Stopp! Matthäus 24 soll von einer großen Endzeiterweckung berichten? Das Kapitel berichtet genau das Gegenteil: Es wird zu einem großen endzeitlichen Abfall kommen. Hier einige Ausschnitte:

 

„Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen. Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen. Und dann werden viele verleitet werden und werden einander überliefern und einander hassen; und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen; und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe der meisten erkalten; Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen.“

 

Matthäus 24:5,9-12,24

 

Nicht ein Vers in Matthäus 24 spricht von einer großen Erweckung, in welcher die Endzeit-Christen Gottes Feinde besiegen werden. Und auch Bickle kann keinen einzigen Vers anführen. Aber dennoch behauptet er, der Text würde von einer Erweckung sprechen:

 

„Noch sind wir in Matthäus 24, wo es um die Endzeit geht – Matthäus 24 und die drei Gleichnisse (Mt.25). Jesus bereitet die Gemeinde durch diese drei Gleichnisse darauf vor, in der Stunde der größten Erweckung der Geschichte und in einer Zeit der größten Katastrophen der Geschichte – welche man als die große Trübsal bezeichnet – siegreich zu wandeln.“

 

Die Bibel lehrt solch eine Erweckung einfach nicht. Die Bibel lehrt, dass es während der Trübsal Menschen geben wird, die zum Glauben kommen werden, aber die meisten von ihnen werden den Märtyrertod sterben.7 Die Erweckung, von welcher Bickle schreibt, entstammt der Lehre der Spätregen-Bewegung, die alttestamentliche Schriftstellen über die Erntezeit allegorisch auslegte. Bickle bezieht sich mehrmals auf diese nicht existierende Erweckung und macht sie zum Kernstück seiner allegorischen Auslegung des Gleichnisses über die zehn Jungfrauen.

 

Hier liegt eine Wiederbelebung der Lehren der Spätregen-Bewegung vor. Im Unterschied zur Spätregen-Bewegung leugnet IHOP die Lehre der Trinität nicht; Bickle vertritt auch nicht die damalige Lehre der „Offenbarung der Söhne Gottes“ (die Lehre von außerordentlich bevollmächtigten Endzeitchristen, unter denen einige schon auf Erden Unsterblichkeit erlangen würden, Anmerkung des Übersetzers) sowie einige andere Irrlehren, die dazu führten, dass diese Bewegung diskreditiert wurde. Aber die entscheidenden Endzeitlehren der Spätregen-Bewegung wurden wiederbelebt und sind gut belegt. Sowohl IHOP als auch die Spätregen-Bewegung lehren, dass Jesus nicht wiederkommen kann, weil die Gemeinde angeblich „besiegt“ ist oder weil es der Gemeinde vermeintlich an „Offenbarung“ fehlt. Sowohl die Spätregen-Bewegung als auch IHOP vertreten die Lehre, dass es die Gemeinde und nicht Gott selbst ist, der die Feinde in der Trübsal unterwirft und besiegt. In beiden Bewegungen werden viele Christen als solche dargestellt, die keine Erleuchtung haben oder geistlich noch nicht weit fortgeschritten sind. Alleine die eingeweihte Elite (die Anhänger von IHOP) mit ihren geheimen besonderen Offenbarungen und Erfahrungen hebt sich vom gewöhnlichen Christen ab. Beide Bewegungen sagen eine Endzeiterweckung voraus, die alles zuvor Dagewesene weit übertreffen wird.

 

Die allegorische Schriftauslegung

 

Die Lehre von IHOP bezüglich der Gemeinde Jesu als Brautgemeinde des Bräutigams Jesu beruht auf der allegorischen Auslegung des Hohenliedes von Salomo, welche die sinnliche Beziehung zwischen Mann und Frau als Vorbild für die „Intimität mit Jesus“ interpretiert. Aber diese problematische Vorgehensweise der allegorischen Schriftauslegung, welche neben der Förderung einer romantischen Liebesbeziehung zu Jesus verborgene und geheime Bedeutungen einführt, richtet viel Schaden an.

 

Dies wird beispielsweise deutlich an der Art und Weise, wie Bickle das Gleichnis über die zehn Jungfrauen interpretiert. Ohne exegetische Grundlage behauptet er zunächst, dass Matthäus 24 und 25 über „Leiterschaft in der Endzeit“ lehrt. Bickle sagt: „Er (Jesus) redet insbesondere zu Leitern.“ Tatsache hingegen ist, dass Jesus seine Jünger ermahnt, wachsam und treu zu bleiben. Bickle behauptet weiter, dass die beiden Gruppen von Jungfrauen jene Christen darstellen, die Intimität mit Gott haben und solche, die diese Intimität verloren haben:

 

„Er (Jesus) unterscheidet nicht zwischen den Klugen und den Bösen, er spricht über die Klugen und die weniger Klugen; aber sie alle gehören jenen an, die Ja zum Herrn gesagt haben. Das sind Leute, die den Herrn heute lieben, und sie werden ihre Liebe zum Herrn bis zum Ende bewahren; aber eine Menge Leute, die Jesus lieben, verlieren ihre Verbindung des Herzens zu Ihm; ich meine damit, sie verlieren ihre intime Beziehung zu Ihm. Es geht nicht um Leute, die ihr Heil verlieren; es geht um Leute, die während all der Ereignisse in der jetztigen Phase der Geschichte ihre Intimität zu Ihm verlieren.“

 

Aber was für Hinweise gibt es in diesem Kontext, dass es um verschiedene Stufen von „Intimität“ geht? (IHOPs Paradigma von Braut und Bräutigam verbindet den Gottesbezug mit einer sinnlichen Beziehung – die Bibel indes verwendet den Begriff „Intimität“ in diesem Zusammenhang überhaupt nicht.) Im nächsten Abschnitt des Artikels werde ich auf Bickles Zwei-Stufen-Lehre eingehen. Bickle versucht nicht einmal, eine wörtliche Auslegung vorzulegen. Das Gleichnis (Matthäus 25:1-13) lehrt eindeutig, dass die törichten Jungfrauen verloren waren; es lehrt nicht, dass es sich dabei um Christen handelt, die auf einer geringeren geistlichen Stufe als andere waren:

 

„Als sie aber hingingen, zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. Später aber kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen: Herr, Herr, öffne uns! Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht.“
Matthäus 25:10-12

 

Es ist eine ernste Angelegenheit, wenn Jesus die Tür zum Hochzeitsmahl verschließt und sagt: „Ich kenne dich nicht!“ Bickle hingegen sieht in den törichten Jungfrauen, die vor verschlossener Tür stehen, wahre Christen. Aus dem Zusammenhang anderer ähnlicher Warnungen (siehe Matthäus 7:22-23: wo es jene gab, die: „Herr, Herr“ sagten und Matthäus 13:3-9: das Gleichnis vom vierfachen Samen) geht klar hervor, dass Matthäus vor falschen Jüngern warnt, die den Herrn nicht wirklich kennen.

 

Nach Bickle stehen die Lampen für Dienste: „Sie alle hatten Lampen… sie alle hatten eine dienende Funktion. Sie sind wiedergeboren, sie sind Jungfrauen, und sie alle haben einen wirksamen Dienst.“ Bickle geht davon aus, dass sie alle wiedergeboren waren, weil der 1.Korintherbrief die Gläubigen als „Jungfrauen“ bezeichnet. Aber auf diese Weise kann man Gleichnisse nicht auslegen. In diesem Gleichnis verwendet Jesus eine Geschichte, welche konkrete Hochzeitspraktiken der damaligen Juden darstellt, um daraus eine geistliche Wahrheit abzuleiten. In der Geschichte geht es um reales Öl, reale Lampen und reale Jungfrauen. Man kann nicht aus jedem Detail eine besondere Bedeutung ableiten oder Bedeutungen einfach aus anderen Textstellen der Bibel übertragen, wo die gleichen Worte (Öl, Lampe, Jungfrau) Verwendung finden. Die allegorische Auslegung findet indes überall eine verborgene Bedeutung. Für Bickle stellen die Lampen also Dienste dar, und die Jungfrauen repräsentieren wiedergeborene Christen.

 

Da alle dem Bräutigam entgegen gingen, folgert Bickle, dass die zehn Jungfrauen „ihren Messias als den Bräutigam Gottes suchten.“ Die „Offenbarung“ über Gott als den Bräutigam ist jedoch Bickles eigene Erfindung, die er aufgrund der Allegorisierung dieser und anderer Textstellen ableitet. Wenn man jedoch eine Bibelstelle allegorisiert, zieht dies allegorische Auslegungen weiterer Bibelstellen nach sich: „Es gibt nur eine Phase in der Geschichte, einen einzigen Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit, an welchem Gottes Volk auf der ganzen Welt Jesus als Bräutigam und König sehen wird – Gott als einen Bräutigam – und das ist in der Endzeit. Es heißt in der Offenbarung 22:17: ,Der Geist und die Braut sprechen: Komm!’“ Bickle zitiert richtig. Der Geist und die Braut sagen in der Tat: „Komm!“, und sie haben es gesagt, seit Johannes die Offenbarung niederschrieb; diese Einladung gilt schon das ganze Gemeindezeitalter hindurch. Bickles Interpretation entbehrt jeder Grundlage. Folgen wir hingegen Bickles Lehre, dann gibt es heute Leiter, die Offenbarungen haben über Gott als Bräutigam in der Endzeit und über Dienste (Lampen), die auf die Begegnung mit dem Bräutigam vorbereiten sollen.

 

Eine weitere Allegorisierung liegt bei Bickles Interpretation des Öles vor: „Öl – Öl ist das Herz, das mit dem Heiligen Geist verbunden ist. Wenn wir unser verborgenes Leben in Gott pflegen – wisst ihr, dass jeder in diesem Raum ein verborgenes Leben mit Gott hat… es ist das Herz, das sich nach Gott sehnt. Jeder von uns entwickelt eine geheime Geschichte mit Gott – das ist das Öl, die Verbindung mit dem Heiligen Geist.“ Gibt es irgendeinen Hinweis in dem Text in Matthäus, der darauf hinweist, dass Öl „ein geheimes Leben mit Gott“ symbolisiert, das den einen Christen besser als den anderen macht? Gewiss nicht! Der Gegensatz, welcher in Matthäus betont wird, besteht darin, dass zwischen jenen, die wachsam und für die Wiederkunft des Herrn bereit sind, und jenen, die dies nicht sind, unterschieden wird: „So wacht nun! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde“ (Mt.25:13). Aber die Schlussfolgerung des Matthäus wird in Bickles Auslegung überhaupt nicht berücksichtigt.

 

Warum sollte Bickle sie auch berücksichtigen, da sie schließlich nicht in die Endzeitlehren der Spätregen-Bewegung passt, welchen Bickle folgt; er ignoriert den Ruf zur Wachsamkeit einfach und sagt, dass wir ohnehin nicht wissen, wann der Herr wiederkommt. Bickle lehrt, dass der Herr nicht wiederkehren kann, ehe die gesamte Gemeinde eine Offenbarung über Gott als Bräutigam empfangen und alle Feinde unterworfen hat, um daraufhin Jesus aus dem Himmel herabzurufen. Wenn sich dies bei der Wiederkunft alles so ereignen würde, dann wäre offenkundig die gesamte Gemeinde identisch mit den fünf klugen Jungfrauen und könnte vom Zeitpunkt seiner Wiederkunft gar nicht überrascht werden. Auf der Grundlage des Gleichnisses der zehn Jungfrauen in Matthäus ergibt Bickles Auslegung nicht nur keinen Sinn, sondern Bickle widerspricht sich sogar selbst, folgt man seiner eigenen exzentrischen Lehre der Endzeit.

 

Der allegorische Ansatz der Schriftauslegung verletzt das Prinzip, dass die Schrift in erster Linie das aussagen will, was die damaligen Schreiber unter ihren Worten verstanden, die sie unter der Inspiration des Geistes niederschrieben. Der einfallsreiche Allegoriker wird aber stets seine eigene Auslegung finden. Daher kann grundsätzlich gesagt werden, dass der Ausleger, welcher der allegorischen Auslegungsmethode folgt, immer seine eigene Meinung über die Bedeutung einer Bibelstelle in einen Text hineinliest. Gott, der die Schrift inspirierte, hatte diese Methode nie gewollt. Für den Allegoriker wird die Bibel zu einem Berührungspunkt, zu einer Grundlage für Kreativität und Ideenreichtum, welche sich vom Text selber löst und neue Interpretationen inspiriert.

 

Das tiefere Leben und charismatische Frömmigkeit

 

In einem früheren Artikel habe ich verschiedene Arten von Frömmigkeit beschrieben, welche zwei Stufen in einem Christenstand unterscheiden – den gewöhnlichen und den elitären Christen.8 Wie die Spätregen-Bewegung vertritt Mike Bickles IHOP eine völlig neue Auffassung über das geistliche Leben; und seine Botschaft über das Gleichnis der zehn Jungfrauen verdeutlicht dies. Er vertritt eine Form von (charismatischer) Frömmigkeit, welche zwei Stufen von Frömmigkeit unterscheidet: Die klugen Jungfrauen symbolisieren Christen, die eine bessere, verborgene Verbindung mit Gott haben, und die törichten Jungfrauen versinnbildlichen Christen, die eine minderwertigere und schwächere Verbindung mit Gott haben. Diese Art (charismatischer) Frömmigkeit ist unbiblisch, und Bickle deutet das Gleichnis der zehn Jungfrauen um, damit er seine Vorstellungen untermauern kann. Die „törichten Jungfrauen“ waren keine Christen! Jesus sagte zu ihnen: „Ich kenne euch nicht.“ Dies wird auch durch das Gleichnis, das vorangeht (Der treue und der untreue Knecht, Mt.24:43-51) und durch das Gleichnis, das folgt (Die Talente, Mt.25:14-30), bestätigt: die Untreuen werden als Nichtchristen identifiziert (die an dem Ort enden werden, wo Weinen und Zähne-knirschen sein wird!). Im ersten Gleichnis heißt es: „So wird der Herr jenes Knechtes kommen an einem Tag, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn entzweischneiden und ihm sein Teil festsetzen bei den Heuchlern; da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein“ (Mt.24:50-51). Auch hier ist das Thema das gleiche wie bei dem Gleichnis der zehn Jungfrauen: Der Herr kommt unerwartet. Und das Gleichnis über die Talente endet: „Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußere Finsternis; da wird das Weinen und das Zähne-knirschen sein“ (Mt.25:30). Das Gleichnis der zehn Jungfrauen hat nichts mit zwei Arten von Christen (Christen mit einer besseren, tieferen Beziehung mit Gott oder Christen mit einer schlechteren, oberflächlicheren Beziehung zu Gott) zu tun, wie Bickle es lehrt.

 

 

Bickle verwendet mehrere Begriffe für zwei Arten von besseren und schlechteren Christen. Er bezeichnet sie als Christen, die mit dem Herrn „verbunden“ oder „nicht verbunden“ sind. Er sagt: „Er (Gott) will, dass Du mit Seinem Herzen verbunden bist, nicht, dass Du Gottes Gegenwart den ganzen Tag über fühlst, sondern ich sage Dir, wenn ich den Herrn als meinen Bräutigam brennend suche und mit Ihm verbunden bleibe, dann wird mein Herz weich.“ Soll ich demnach glauben, dass mir noch eine besondere Offenbarung fehlt, wie sie gewisse elitäre Christen nach Bickles Lehre haben, um in die Gegenwart Gottes kommen zu können? Kann ich nicht in die Gegenwart Gottes treten, wenn ich es auf die Weise tue, wie Gott es in seinem Wort dargelegt hat? Ich glaube, dass das Blut Jesu meine Sünde wegnahm und ich durch Gnade aus Glauben vor dem Thron Gottes erscheinen darf. Bickles (charismatische) Vorstellung von Frömmigkeit klingt geistlich, aber sie ist ein Angriff auf das vollkommene Erlösungswerk Christi und die solas der Reformation (die Schrift allein, Christus allein, die Gnade allein, der Glaube allein). Was Gott in Christus getan hat, um unsere Sünden zu vergeben und uns Gott nahe zu bringen, gilt allen Christen in gleicher Weise: „Aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden“ (Eph.2:13).

 

Die elitär gesinnten Leiter von IHOP verführen andere mit ihren Lehren. Sie unterliegen der Täuschung, sie hätten eine höhere geistliche Stufe erreicht, weil sie eine „Leidenschaft für Jesus“ entwickelt haben, die im Grunde auf dem Vorbild sinnlicher Intimität beruht; sie stellen sich auf die gleiche Ebene wie Moses, und sie wähnen sich imstande, wie Mose die Plagen auf die Welt herabzurufen. Sie sind aufgeblasen und glauben, dass sie in der großen Trübsal ihre außergewöhnlichen geistlichen Kräfte zur Schau stellen können.

 

Wirklich gefährlich wird es, wenn IHOP christliche Eltern dazu aufruft, ihre Teenager nach Kansas City zu schicken, damit sie dort diese „Leidenschaft“ empfangen. Genau das geschieht derzeit, also seien Sie wachsam. Diese jungen Menschen werden neu in die Version der elitären Spätregen-Theologie eingeführt. Wenn die Teenager Mike Bickle glauben, werden sie nach Hause kommen und überzeugt sein, dass der Glaube ihrer Eltern völlig inadäquat ist. Bickles Lehre ist ein Angriff auf die Schrift allein, Christus allein, die Gnade allein, den Glauben allein und die Ehre Gottes allein. Sie werden irregeführt zu glauben, man müsse eine „Offenbarung über Gott als Bräutigam“ haben. Ihnen wird vermittelt, dass Jesus ein sinnlicher Liebhaber ist; und wenn sie diesen „Jesus“ nicht haben, dann gehören sie zu den törichten Jungfrauen, von denen der Herr sagt: „Ich kenne euch nicht.“ Die törichten „Jungfrauen“ sind gewissermaßen alle, die Bickles Irrlehre nicht glauben.

 

Neben den Begriffen „verbunden mit dem Herrn“ und „nicht verbunden mit dem Herrn“ gibt es weitere Ausdrücke dieser Art von (charismatischer) Frömmigkeit, welche einen Unterschied zwischen jenen andeuten, die eine besondere Stellung „haben“ und jenen, die diese Stellung „nicht haben.“ Da gibt es jene, die „Intimität mit Gott“ erleben und solche, die keine Intimität mit Gott erleben. Bickle sagt: „Die Braut Christi zu sein, ist eine privilegierte Stellung, in welcher man Gottes Herz erfahren kann.“ Daher sind die privilegierten Christen, die über diese besonderen Offenbarungen verfügen, näher am Herzen Gottes als die gewöhnlichen Christen. Der Hebräerbrief schreibt an mehreren Stellen darüber, wie man in Gottes Gegenwart treten kann, aber kein Vers bezieht sich auf eine elitäre Gruppe mit einer besonderen Offenbarung. Es gibt im Hebräerbrief ferner keine Bibelstelle, die von Gott als Bräutigam spricht. Hier sollen einige Bibelstellen angeführt werden:

 

„Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe!… Daher kann er die auch völlig retten, die sich durch ihn Gott nahen, weil er immer lebt, um sich für sie zu verwenden… So lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und damit gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.“

 

Hebräer 4:16; 7:25; 10:22

 

Gott zu nahen, geschieht gemäß der Schrift nicht unter der Bedingung, dass man einer gewissen elitären Gruppe von Christen angehört, sondern die Grundlage ist das, was Gott in Christus für uns getan hat. Unsere Herzen sind durch sein Werk der Gnade an uns gereinigt, und durch Glauben empfangen wir dies. Wir empfangen Heilsgewissheit, weil wir wissen, dass wir Sünder sind und Gott heilig ist. Unser Trost ist, dass Jesus für uns Fürbitte tut und dass Er für uns den Weg bereitet hat, damit wir Zugang zum Thron haben, weil Er unsere Sünden vergeben hat. Wir nahen uns Gott aufgrund dessen, was Christus für uns getan hat, und nicht weil wir über eine angeblich verborgene Intimität mit Gott verfügen, was in der Schrift nicht gelehrt wird.

 

Bickles Version der Schrift stellt den Menschen in den Mittelpunkt, denn sie räumt den „tieferen“ Erfahrungen, die gewisse Christen machen, einen zentralen Stellenwert ein. Er definiert das „verborgene Leben“ so: „Dein Herz erreicht Gott.“ Dies wird offenbar dadurch bewirkt, dass wir etwas tun. Er stellt die Frage: „Was machst Du aus deinem verborgenen Werdegang mit Gott? Entwickelst Du ihn mit ganzer Kraft oder vernachlässigst Du ihn?“ Er schafft in seinen Zuhörern Schuldgefühle; sie glauben, dass ihnen etwas fehlt, und sie müssen sich durch ihre eigenen Anstrengungen darum bemühen, den Mangel auszugleichen, indem sie seine Offenbarungen umsetzen. Der Hebräerbrief hingegen ermutigt uns, Gott zu nahen aufgrund dessen, was Christus für uns getan hat und aufgrund des Weges, den Er für uns bereitet hat. Was wir brauchen, ist der Glaube an Christus und nicht der Glaube an die eigene Frömmigkeitsleistung oder an unseren „persönlichen Werdegang mit Gott.“ Ich weiß gewiss, dass ich ein gottloser Sünder bin, der durch Gottes Gnade seinen barmherzigen Erlöser gefunden hat.

 

Das Hochzeitsmahl des Lammes

 

Was es für die Gemeinde bedeutet, Braut Christi zu sein, werden wir erst genau wissen, wenn Jesus wiederkommt und wir am Hochzeitsmahl des Lammes teilnehmen werden. Bickles „Offenbarung von Gott als Bräutigam“ beansprucht, etwas bereits zu wissen, was erst noch geoffenbart werden wird. Was wir über den Bräutigam Christus wissen, finden wir ausschließlich in der Bibel. Und was wir wissen, zeigt eindeutig, dass eine Beziehung zu Ihm als Bräutigam nicht einer elitären Gruppe von Endzeitchristen vorbehalten bleibt, die eine „Leidenschaft“ für Jesus hat, welche anderen Christen vermeintlich fehlen soll.

 

Jesus beschreibt das endzeitliche Festmahl auf diese Weise: „Ich sage euch aber, dass viele von Osten und Westen kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tisch liegen werden in dem Reich der Himmel“ (Mt.8:11). Die alttestamentlichen Heiligen nehmen mit allen Erlösten der Geschichte, die durch ihren Glauben errettet wurden, teil an diesem Fest. Die Teilnahme hängt nicht von einer „Offenbarung Gottes als Bräutigam“ ab, sondern lediglich davon, ob wir gemäß der Schrift Glauben an Ihn haben.

 

Als Jesus das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern feierte, bezog er sich auf einen „Kelch“, den er wieder am Ende der Zeit erheben würde:

 

„Er nahm einen Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Wahrlich, ich sage euch, dass ich nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde bis zu jenem Tag, da ich es neu trinken werde im Reich Gottes.“ Markus 14:23-25

 

Beim Passahmahl gab es vier Kelche, die man mit vier Verheißungen aus 2. Mose 6:6-7 in Verbindung brachte. Der dritte Kelch wurde mit der Verheißung der Erlösung identifiziert. Als Jesus den dritten Kelch erhob, sagte er: „Dies ist mein Blut des Bundes.“9 Aber den vierten Kelch wird er erst erheben, wenn alle Erlösten zum Hochzeitsmahl des Lammes versammelt sind. Interessanter-weise war der vierte Kelch mit der vierten Verheißung aus 2. Mose 6:7 verbunden: „Ihr werdet mein Volk und ich werde euer Gott sein.“ Diese Bundesaussage zieht sich durch die ganze Bibel und wird am Ende der Offenbarung wiederholt: „Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott“ (Offb.21:3). Wenn Jesus für seine Gemeinde wiederkommt, werden die Toten in Christus zuerst auferstehen, und alle wahren Gläubigen werden Ihm in der Luft begegnen (1.Thess.4:7). Dann wird Er den vierten Kelch mit uns teilen.

 

Um dies noch deutlicher zu machen, nennt Paulus den Kelch, den wir beim Hochzeitsmahl teilen werden, den „Kelch des Segens“ (1.Kor.10:16). Dies ist ein Hinweis auf den Kelch, den der Herr beim letzten Abendmahl gesegnet hatte.10 Sodann in 1. Korinther 11:26 sagt Paulus, dass wir bei jedem Abendmahl „den Tod Christi verkünden, bis dass er wiederkommt.“ Also teilen wir den Kelch des Segens, den dritten Kelch, um uns daran zu erinnern, dass Jesus sein Blut für unsere Erlösung vergossen hat; und wir tun das solange, wie Jesus abwesend von dieser Erde und im Himmel ist. Aber wir tun dies auch im Glauben daran, dass er seine Verheißung erfüllen und mit uns den vierten Kelch teilen wird, wenn wir Ihn beim himmlischen Hochzeitsmahl am Ende der Tage begegnen werden. Und an diesem Mahl werden alle Erlösten teilnehmen.

 

Das Hochzeitsmahl des Lammes wird stattfinden, wenn wir diesen vierten Kelch teilen werden; dann wird die Verheißung („Ihr werdet mein Volk und ich werde euer Gott sein“), die mit dem vierten Kelch verbunden ist, erfüllt sein. Dies ist eine der Hoffnungen, welche die Christen seit Jahrhunderten teilen. Bickle beraubt viele Christen dieser Hoffnung, wenn er sie ausschließlich einer kleinen Elite mit einer besonderen Erleuchtung am Ende der Heilsgeschichte vorbehält.

 

Schlussfolgerung

 

Durch die Autorität des Wortes biete ich folgende Gewissheit an: Jesus Christus, Fleisch geworden, starb für unsere Sünden und wurde am dritten Tag von den Toten auferweckt. Im Leib wurde er in den Himmel aufgenommen, und er hat verheißen, dass er leiblich wiederkommen würde. Wenn Sie wirklich Buße getan haben und dem Evangelium glauben, sind Ihre Sünden vergeben, und Sie sind ein Teil des Leibes Christi. Wachsam zu sein, bedeutet, im Glauben auszuharren und sich nicht von der Hoffnung des Evangeliums abbringen zu lassen. Wenn Sie Jesus als Herrn bekennen und in Ihrem Herzen glauben, dass er von den Toten auferstanden ist (Rö.10:9), dann sind Sie errettet. Diese ewige Hoffnung ist die Wahrheit auf der Grundlage dessen, was Christus für Sie getan hat durch sein vergossenes Blut – und nicht aufgrund dessen, was Sie getan haben.

 

Im Gegensatz hierzu lehrt Mike Bickle eine Hoffnung, die jenen vorbehalten bleibt, die „lntimität mit dem Bräutigam,“ einen „verborgenen Werdegang mit Gott,“ „Leidenschaft für Gott,“ „eine Offenbarung darüber, was sie Jesus bedeuten“ oder andere fromme (charismatische) Erfahrungen ihr Eigen nennen. Bedenken Sie jedoch, wie brüchig eine Gewissheit ist, wenn sie auf der eigenen frommen Leistung (oder eigene Offenbarungen) beruht. Bickle indes lehrt: „Niemand kann ermessen, wie stark oder wie schwach dieser verborgene Werdegang mit Gott ist; niemand weiß dies wirklich. Du kannst dies nie ganz erfassen, aber Gott kann es.“ Folgt man der Lehre von IHOP und Mike Bickle, dann bedeutet dies letztlich, dass man sich seines geistlichen Standes nie sicher sein kann und möglicherweise nicht zu den klugen Jungfrauen gehört. Tatsächlich würde man jene für anmaßend halten, die sich ihres verborgenen Werdegangs mit Gott gewiss sind und sich als „Bewährte“ betrachten.

 

Bickle lehrt, dass es nicht so schlimm ist, wenn man zu den törichten Jungfrauen gehört. Aber ist es wirklich erstrebenswert zu wissen, dass Jesus die Türe vor einer Person verschließt und sagen muss: „Ich kenne dich nicht.“? Nach Bickles Definition sind es die meisten Christen, die zu dieser Gruppe der törichten Jungfrauen gehören (90%).

 

Weil die allegorische Auslegung Bickles aus seinen eigenen Vorstellungen kommt und nicht auf der Grundlage der biblischen Autoren steht, muss man zu dem Schluss kommen, dass jeder der ihm folgt, auch seine Hoffnungen auf Bickles Phantasien setzt. Ich hingegen biete Ihnen die Hoffnung des Evangeliums an, die sich durch Gottes Heilstat in der Geschichte erwiesen hat und die auf der Grundlage einer wörtlichen Auslegung der Autoren der Bibel beruht (im Gegensatz zur subjektiven allegorischen Auslegung). Wer an den Herrn Jesus glaubt, wird errettet werden und am Hochzeitsmahl des Lammes teilnehmen. Wer Bickle folgt, sollte sich ernsthaft damit auseinandersetzen, dass er einer falschen Hoffnung folgt, die einer individuellen mystischen Offenbarung und persönlicher Frömmigkeit entspringt.

 

Setzen Sie stattdessen Ihre Hoffnung auf Christus und sein vollendetes Erlösungswerk.

 

Anmerkungen

 

1. Mike Bickle Audio-Botschaft Nr.2, 6. März 2008.
2. Alle weiteren Zitate sind der Audio-Botschaft aus Fußnote 1 entnommen, sofern keine andere Quelle angegeben wurde.
3. URL: http://cicministry.org/commentary/issue103.htm.
4. URL: http://www.ihop.org/Publisher/Article.aspx?ID=1000010501.
5. Earl Paulk, Held In The Heavens Until… God’s Strategy for Planet Earth, Atlanta: K Dimension Publishers, 1985.
6. Sowohl George Eldon Ladd A Commentary on the Revelation, (Eerdmans: Grand Rapids, 1972) als auch John Walvoord, (Moody Press: Chicago, 1966) interpretieren die Textstelle als eine Einladung, das Heil anzunehmen, und nicht als einen Ruf für die Wiederkunft Christi.
7. Nach Offenbarung 7:4 wird es 144000 jüdische Gläubige geben, und es werden sich Menschen zu Christus bekehren. Aber die meisten Berichte der Offenbarung, in welchen von großen Scharen von Gläubigen gesprochen wird, beziehen sich auf den Himmel und oftmals auf Märtyrer. IHOP lehrt ein gänzlich anderes Szenario.
8. URL: http://cicministry.org/commentary/issue103.htm.
9. William Lane, “The Gospel of Mark” in The New International Commentary of the New Testament, Eerdmans: Grand Rapids, 1974, S.508,509.
10. Gordon Fee “The First Epistle to the Corinthians” in The New International Commentary of the New Testament, Eerdmans: Grand Rapids, 1987, S.468.