Buchrezension: „Der Griff zur Macht“ von Dr. Martin Erdmann (Sebastian Gruner)

Martin Erdmann: „Der Griff zur Macht“

Die Heilige Schrift wird zurückgedrängt und damit zerstört man die eigene Grundlage

Buchrezension von Sebastian Gruner (Erlbach-Kirchberg)

Das Buch von Martin Erdmann beschäftigt sich mit einer Thematik, über die bisher im deutschsprachigen Raum nur wenig oder kaum publiziert wurde. Man kann sein Buch „Der Griff zur Macht“ (Betanien 2011) durchaus als Augenöffner in Bezug auf Hintergründe von Entwicklungen im neoevangelikalen Bereich bezeichnen. Der Frage, warum heute manche Dinge so sind, wie sie eben sind, wird auf den Grund gegangen.

Der Autor studierte Theologie an verschiedenen Hochschulen und promovierte in England in Moderner Kirchengeschichte. Nach einem kurzen Pastorendienst, war er an der STH in Basel Dozent für Neues Testament. Ebenso an der ART in Hannover, wo er auch Moderne Kirchengeschichte unterrichtete. Von 2003-2010 lehrte er als Professor für Apologetik und Theologie in Purcellville (Virginia). In Basel forschte er am Universitätsspital als Senior Scientist (Ethik der Klinischen Nanomedizin).

Der Untertitel des Buches lautet: „Dominionismus – der evangelikale Weg zu globalem Einfluss“. Der Autor erklärt, angefangen von früheren sakralen Gesellschaftsformen (Rom, Ägypten), was mit dem Begriff „Dominionismus“ überhaupt gemeint ist.

Es folgt ein kurzer Abriss über die Geschichte des (Neo)evangelikalismus. Bereits hier kommen beunruhigende Tatsachen ans Licht. So zeigt Erdmann die sich schleichend vollzogene Öffnung vieler Evangelikaler wie etwas Billy Graham und anderer in Richtung Ökumenismus auf. Erschreckend ist auch, dass die Akzeptanz (extrem)charismatischer Gruppen immer stärker zunahm und als konfessionsübergreifendes Bindeglied eine wichtige Rolle spielte. Man kann ohne Übertreibung von Infiltration und Unterwanderung sprechen.

Erdmann weist nach, dass führende amerikanische Evangelikale seit Jahrzehnten Kontakte zu New Age-Vertretern und Esoterikern unterhalten. Er zeigt auf, dass sich hinter Begriffen wie „Ganzheitliche Mission“ oder „Globale Transformation“ ein Streben nach Macht verbirgt. Dasselbe gilt für Programme wie Rick Warrens „Leben mit Vision“ oder dem „PEACE-Plan“. Auch die Herkunft und der ideologische Hintergrund von benutzerfreundlichen Gemeindekonzepten wie Willow Creek oder Saddleback, wird dargelegt. Der Leser erfährt Details über die zugrundeliegenden Managementmethoden und die personellen Querverbindungen leitender Gemeindewachstumsstrategen mit Werbeexperten und Fachleuten aus Wirtschaft und Politik.

Das Ergebnis dieses „Paradigmenwechsels“ ist eine Auflösung biblisch reformatorischer Lehre. Überhaupt hat sich der Schwerpunkt im Neoevangelikalismus in den letzten Jahren/Jahrzehnten weg von objektiv aus der Bibel ableitbaren Tatsachen hin zu Subjektivismus und Mystizismus verlagert. Die Emerging Church-Bewegung spielt hierbei eine Vorreiterrolle.

Das Buch bezieht sich in erster Linie (nicht nur) auf die Entwicklungen in den USA. Wünschenswert wäre es, den deutschsprachigen Raum in Bezug auf diese Entwicklungen genauer zu untersuchen. Nicht zu leugnen ist nämlich, dass all die von Erdmann genannten Entwicklungen und Strategien auch in unserem Land seine Spuren hinterlassen haben und auch weiterhin immer mehr an Einfluss gewinnen. Man arbeitet auch im deutschen Evangelikalismus seit einigen Jahren an einem Prozess des Umdenkens. Pseudofromme Sätze wie „Lehre trennt – Liebe eint“ hört man immer häufiger. Damit rechtfertigt man eine Einheit, die aber auf Kosten der biblischen Wahrheit geht. Und genau das ist das Kernproblem – die Heilige Schrift wird zurückgedrängt und damit zerstört man die eigene Grundlage.

Schlimm ist vor allem, dass kaum jemand diese Entwicklungen bemerkt. Und so ist es mein Wunsch, dass das Buch „Der Griff zur Macht“ nicht nur von ein paar wenigen „Experten“ aus dem bibeltreuen Lager gelesen wird, sondern gerade auch in neoevangelikalen Gemeinden Verbreitung findet.

Martin Erdmann: Der Griff zur Macht Dominionismus – der evangelikale Weg zu globalem Einfluss, Betanien 2011; 13,90 EUR, Paperback, 287 Seiten.

(Quelle: distomos.blogspot.de – Georg Walter )

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