Sollen Christen die Welt verändern? (IDEA Spektrum)

Was ist die erste Aufgabe von Christen – für das Seelenheil zu sorgen oder die Gesellschaft zu verändern und soziale Ungerechtigkeit zu bekämpfen? Über diese Frage ist eine neue Debatte unter Evangelikalen entbrannt. Die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) lud zwei Theologen zum Streitgespräch ein: den Gründer und Leiter des Schweizer Verax Instituts, Martin Erdmann (Beatenberg), und den Leiter des Studienprogramms Gesellschaftstransformation am Marburger Bildungs- und Studienzentrum, Tobias Faix.

Erdmann ist Autor des Buchs „Der Griff zu Macht. Dominionismus – Der evangelikale Weg zu globalem Einfluss“. Er kritisiert darin das „Weltverbesserungsstreben“ evangelikaler Gemeinden als „Irrweg“. Nach seinen Worten hat die Gemeinde vor allem den Auftrag, das Heil in Jesus Christus zu verkündigen. Alles andere sei zweitrangig. Die Versöhnung zwischen Gott und Mensch lasse sich nicht auf gesellschaftliche Strukturen übertragen. Erdmann: „Ein Christ wird sich in der Kraft Gottes selbstverständlich auch der sozialen Nöte seiner Mitmenschen annehmen. Aber es ist nicht die Aufgabe der Gemeinde, weltliche Strukturen zu ändern, Regierungen auszutauschen oder soziale Ungerechtigkeiten zu bekämpfen.“ Erdmann sieht in der evangelikalen Szene ein „erschreckendes Machtstreben“. Dort gebe es ein Programm, die Gesellschaft zu „transformieren“, also umzuwandeln. Erdmann: „Die Evangelikalen unterscheiden sich heute kaum noch vom liberalen Christentum.“

Kontra: Persönliches Heil nicht vom sozialen Einsatz trennen

Diesen Aussagen widersprach Faix. Er ist Mitherausgeber des Buches „Die Welt verändern. Grundfragen einer Theologie der Transformation“. Darin setzt er sich für den Einsatz von Christen in der Gesellschaft ein. Laut Faix ist das persönliche Heil nicht vom Einsatz gegen soziale Ungerechtigkeit zu trennen. Einer der Gründe für die derzeitige Krise der Christenheit sei die einseitige Betonung der Verkündigung. Christen müssten jedoch auch den Armen dieser Welt helfen. Wer auf den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit verzichte, nehme dem Evangelium einen wichtigen Teil. Faix: „Gemeinden sollten das Evangelium leben und sich fragen: Wo besteht an meinem Ort die größte Not? Für diese Not sollten wir Verantwortung übernehmen und versuchen, den Menschen ganz praktisch zu helfen.“ Ein völlig unpolitisches Evangelium sei ebenso gefährlich wie ein Evangelium, das sich in der Politik auflöse.

Foto: Tobias Faix (links) und Martin Erdmann (idea/Bannach).
(Quelle IDEA-Spektrum)

7 Kommentare

    1. Lieber Bruder Michael, ich spreche von den seelischen Momenten angesichts großen Leides … sicherlich möchte auch ich nicht Gott “spielen”, aber diesen menschlichen Wunsch etwas ändern zu können haben wir glaube ich Alle hin und wieder.

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