Die systematische Verführung durch die evangelikale Machtelite (Dr. Martin Erdmann)


Die systematische Verführung durch die evangelikale Machtelite

(Quelle: Dr. Martin Erdmann http://veraxinstitut.ch)

Einleitung

Jeden Februar wiederholt sich seit fast 60 Jahren das Spektakel: einflussreiche Personen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus der ganzen Welt fühlen sich hoch geehrt, wenn sie zum Nationalen Gebetsfrühstück nach Washington eingeladen werden. Initiator dieses Anlasses ist eine Organisation, die den wohlklingenden Namen „The Family“ – „die Familie“ hat. Auch unter dem Namen „Fellowship“ – „Gemeinschaft“ tritt diese Organisation auf. Bislang ist das Nationale Gebetsfrühstück das einzige Ereignis, bei dem sie öffentlich in Erscheinung tritt, denn sie zieht es vor, im Hintergrund zu handeln. In diesem Artikel wird ihr Anliegen und ihre weltweite Ausrichtung beschrieben sowie ihr Einfluss auf die Evangelikalen aufgezeigt.

Punkt 1: Evangelikale öffnen sich anderen Weltreligionen Punkt 2: Evangelikale arbeiten mit anderen Weltreligionen zusammen Punkt 3: „The Family“ – die Hauptakteurin in der Zusammenarbeit

Wenden wir uns Punkt 1 zu:

1. Evangelikale öffnen sich anderen Weltreligionen 3500 Personen aus aller Welt versammeln sich jährlich Anfang Februar im „International Ballroom“ des Washingtoner Hilton Hotels, um am Nationalen Gebetsfrühstück teilzunehmen. Die anwesenden Regierungsbeamte, Industriekapitäne und Personen jeder Couleur repräsentieren 160 Nationen der Welt. Sie folgen der Einladung von Freunden in der Erwartung, alte und neue Bekanntschaften zu machen. Jedes Mal aufs Neue ist es ein einzigartiges Ereignis. Dwight D. Eisenhower ließ sich 1953 als erster amerikanischer Präsident dazu überreden, diese Zusammenkunft einzuberufen, obgleich er zunächst Bedenken hatte, wie sich das Prinzip der Trennung von Staat und Religion mit der Zielsetzung dieses Gebetsfrühstücks vereinbaren ließe. Um diesem Dilemma aus dem Weg zu gehen, untersagte er die Direktübertragung der Festrede im Radio und Fernsehen. Die Gastgeber sind abwechselnd entweder zwei Abgeordnete des Repräsentantenhauses oder des Senats. Am Programm der Veranstaltung selbst nehmen jedoch bis zu zehn Senatoren und Repräsentanten sowie der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten und hohe Würdenträger anderer Nationen teil. Trotz seines moslemischen Glaubens ließ sich König Abdullah II von Jordanien nicht davon abhalten, einmal die Festlichkeit mitzugestalten. Peinlichst genau wird darauf geachtet, dass unter den eingeladenen Gästen eine ausgeglichene Anzahl von Demokraten und Republikanern anwesend ist, damit der Veranstaltung keine parteipolitische Voreingenommenheit nachgesagt werden kann. Der Höhepunkt ist die Ansprache einer oder mehrerer prominenten Persönlichkeiten. In der Vergangenheit trat meistens Billy Graham als Hauptredner auf, mittlerweile werden berühmte Personen aus Politik, Showbusiness und Wohltätigkeit eingeladen, die Festansprache zu halten. Beim 42. Nationalen Gebetsfrühstück 1994 stand beispielsweise Mutter Teresa mit ihrem Anliegen für die Linderung der Armut in der Welt im Mittelpunkt. Tony Blair, der ehemalige Premierminister von Großbritannien, sprach 2009 über die Zielsetzung seiner Stiftung TonyBlairFaithFoundation . Ihm war es wichtig, dass sich junge Anhänger der Weltreligionen gegenseitig respektieren und mit dem nötigen Verständnis über andere Religionen aufeinander zugehen. Dieses Jahr teilte Präsident Obama interessante Gedanken über die Rolle des Glaubens in seinem persönlichen Leben und in der Gesellschaft mit. Obgleich das Nationale Gebetsfrühstück den Anstrich einer christlichen Veranstaltung trägt, verwandelte sich sein religiöser Charakter seit einigen Jahren in eine Art Ökumene der Weltreligionen im Kleinen. Würdenträger aus den drei Hauptreligionen Islam, Judentum und Christentum treffen sich zum gemeinsamen Essen und Gebet. Beobachter der Szene behaupten deshalb zu Recht, dass dieses Frühstück nicht mehr eine Zusammenkunft allein von Christen sei, sondern ein Ort der Begegnung von Glaubensanhängern der wichtigsten Religionen. Die Veranstalter fördern dieses sich Öffnen und Zugehen auf Personen mit unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen, bestehen aber weiterhin darauf, dass alles Dargebotene und Gesprochene im Namen Jesu geschehen müsse. Das Nationale Gebetsfrühstück ist ein Beispiel für die Öffnung der Evangelikalen gegenüber anderen Religionen. Wenn Evangelikale mit anderen Religionen zusammenarbeiten, gehen sie einen wesentlichen Schritt weiter. Das beleuchten wir im zweiten Punkt:


2. Evangelikale arbeiten mit anderen Weltreligionen zusammen Im Mai 2006 fand das „Forum der Religionen“ in San Francisco, Kalifornien, statt. Es nahm auch der Dalai Lama teil. Der geistliche Führer des Tibetanischen Buddhismus kam der Bitte des prominenten Imams Seyed Mehdi Khorasani nach, ihm bei der Gründung der „Vereinten Nationen der Religionen” zu helfen. Das Ziel dieser Organisation ist es, der extremistischen Gewalt in der Welt entgegenzutreten. Ein Aufruf der Zusammenarbeit erging an die Führer aller Religionen, um mit der moslemischen Glaubensgemeinschaft eine Lösung für den Frieden zu finden. Die gemeinsame Grundlage ist der Wunsch nach Frieden. Auch Tim Timmons beteiligte sich als Repräsentant des Christentums an diesem Forum . Er nutzte die Gelegenheit, um die Chancen einer Arbeitsgemeinschaft mit dem Dalai Lama und anderen Religionsvertretern auszuloten. Mit Nachdruck rief er christliche Führungskräfte auf, sich zusammen mit Würdenträgern anderer Religionen für den Weltfrieden einzusetzen. Es gebe noch viel zu tun, um alle Religionen zu vereintem Handeln zu bringen. Denn nur im Finden einer gemeinsamen geistlichen Grundlage könnten die Weltprobleme gelöst werden. In der Heiligen Schrift lehrte Jesus Christus eine Botschaft der Exklusivität, indem er sich selbst als einzigen Weg zu Gott ausgab (Joh. 14, 6). Doch die angeblich „christliche” Botschaft, die Tim Timmons auf dem Forum in San Francisco den Vertretern der Weltreligionen im Namen Jesu zurief, ist eindeutig vom Universalismus gekennzeichnet. Universalismus bedeutet, dass alle Wege zum Heil führen. Timmons ist als Repräsentant der evangelikalen Christenheit Amerikas vielerorts eine wohl bekannte Größe. Sein Anliegen ist, als „Christ” mit Buddhisten, Muslime, Hindus und orthodoxen Juden zusammenzuarbeiten, um den Weltfrieden zu bewahren. Gleichzeitig empfiehlt er den Christen, die Anweisungen des Dalai Lamas bereitwillig zu befolgen. Sich selbst bezeichnet er als einen „unnachgiebigen Nachfolger von ‚ Jesus und nichts weiter‘ [englisch: Jesus Plus Nothing]“. Seine Glaubensüberzeugung umschrieb er folgendermaßen: „Da Jesus nicht [alleiniger] Besitz der Christen oder des Christentums ist noch an irgendein System des Erlaubten und Verbotenen gebunden ist und in seiner Zuwendung allen Menschen gegenüber niemanden ausschließt, sondern sie alle miteinbezieht, ist es angebracht, Grüße in seinem Namen bei dieser Veranstaltung auszusprechen.“ Die bei diesem interreligiösen Forum versammelten Gäste waren erstaunt, als sie hörten, dass die Welt nicht mehr Liebe benötige, sondern mehr Täter der Liebe – Liebe in Aktion. Timmons sagte, dass diese Erkenntnis die wichtigste Lektion gewesen sei, die er seit seiner Hinwendung zu Jesus gelernt habe. Anschließend übermittelte Timmons Grüße von Doug Coe. Dank seiner Vermittlung sei es möglich gewesen, ein umfangreiches Bauprojekt von Häusern in der Residenz des Dalai Lama durchzuführen, sodass nun mehr als 1200 der Ärmsten aller Armen im nördlichen Indien eine Behausung haben. Timmons betonte, dass dieses Projekt an keine Bedingungen geknüpft war. Es sei ein gutes Beispiel für ein Projekt der Liebe gewesen. Im Namen Jesu habe es die Organisation „The Family“ durchgeführt. Doug Coe, dem Leiter dieser christlichen Organisation, wollte Hand in Hand mit der buddhistischen Gemeinde vor Ort zusammenarbeiten. Timmons machte den Forumsteilnehmern mit Nachdruck deutlich, dass sie sich eifrig in der Verbreitung von Frieden, Liebe und Mitmenschlichkeit einsetzen sollten. Er bedankte sich beim Dalai Lama und dem Imam für deren Mut, eine persönliche Beziehung des Friedens und Verständnisses aufgebaut zu haben. Ihrem herausragenden Beispiel müsse Folge geleistet werden. Seine Ansprache beendete Timmons mit folgendem Segen: „Möge Jesus eure Herzen und Sinne mit seinem Frieden, seiner Freude, seiner Liebe und seinem Mitleid erfüllen [… ], und möge er uns in solch einer Weise zusammenbinden, dass wir [in unserer gegenseitigen Akzeptanz] ansteckend sind.“ Ein Reporter fragte Timmons im Anschluss an die Veranstaltung, ob es nicht ein wenig ungewöhnlich sei, den Namen Jesu bei einer interreligiösen Veranstaltung zu erwähnen. Befürchte er nicht, die Vertreter anderer Religionen damit vor den Kopf zu stoßen? Timmons erwiderte: „Jesus ist weder das Haupt irgendeines religiösen Systems noch konkurriert er mit irgendeiner Kultur oder Religion. Jesus steht weit über all diesem! Er nimmt in der Geschichte eine einzigartige Stellung ein, als der einzige, der vollkommen das vorlebte, was er predigte. Selbst der Dalai Lama gestehe ein, nicht würdig zu sein, mit Jesus verglichen zu werden […] Die Ursachen aller Probleme innerhalb der religiösen Systeme der Welt sind die religiösen Extremisten, ob nun Muslime, Hindus, Juden oder Christen.“ Im Bestreben, dem Frieden in der Welt zu dienen, sind auch Evangelikale bereit, mit anderen Religionen zusammenzuarbeiten. Dabei werden sie von einer Organisation unterwandert, die eine Weltregierung mit scheinbar christlichem Vorzeichen anstrebt. Darauf gehen wir im nächsten Punkt ein:

3. „The Family“ – die Hauptakteurin in der Zusammenarbeit 3.1. Die Gründung der „Family“ Eine in der Öffentlichkeit kaum bekannte religiöse Vereinigung in Washington, D.C., die sich “The Family” (Die Familie) oder schlicht “Fellowship” (Gemeinschaft) nennt, unterhielt enge Beziehungen zu den Organisatoren beider Konferenzen. Das Auftreten von Tim Timmons, einem prominenten Mitglied der „Fellowship“, als Schlussredner auf dem Forum der Religionen in San Francisco war keineswegs zufällig. „The Family“ ist für viele interreligiöse Bemühungen in den vergangenen 50 Jahren verantwortlich. Darüber hinaus engagieren sich viele der zirka 20.000 Mitglieder dieser Organisation mit großem Elan in der Politik und Gesellschaft in fast allen Nationen der Welt. Ihre globale Perspektive wird in ihren Initiativen deutlich, die einen wesentlichen Beitrag zur Einrichtung einer Weltregierung leisten. Vermutlich haben Mitglieder der „Fellowship“ auch die sogenannte „Neue Apostolische Reformation” konzipiert und verwirklichen nun diese Idee systematisch, indem sie Christen ermutigen, einflussreiche Positionen in Regierung und Geschäftswelt zu besetzen. Der norwegische Einwanderer und methodistische Wanderprediger Abraham Vereide gründete die Organisation 1935 in Seattle, Washington State. Es standen ihm eine Anzahl einflussreicher und wohlhabender Geschäftsleute zur Seite, die der Politik des „New Deals” von Franklin D. Roosevelt mit Abscheu gegenüberstanden. Sie unterstellten dem demokratischen Präsidenten die Absicht, eine sozialistische oder gar kommunistische Gesellschaftsform in Amerika einführen zu wollen. Auslöser waren vorangehende Streiks in San Francisco und Seattle, die in den Augen von Abraham Vereide und seiner reichen Sympathisanten von „gottlosen linken Kräften” initiiert wurden. Vereide stand zu jener Zeit unter dem Einfluss von Frank Buchmans Idee der „Moralischen Wiederaufrüstung” . In vielerlei Hinsicht war Abraham Vereide in der Umsetzung dieser Idee noch extremer als Buchman. Eine mögliche Lösung für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme der USA sah er in einer Neuerweckung der christlichen Religion, die von der Regierung unterstützt werden sollte. Roosevelts Maßnahmen zur rigorosen Kartellbildung beziehungsweise Verstaatlichung wichtiger Industriezweige, die unter der Bezeichnung „New Deal” bekannt wurden, sollten auf jeden Fall rückgängig gemacht werden. Als Ziel schwebte ihm die politische Herrschaft einer Elite von „Gott geführten” Männer vor, die sich in einem Netzwerk von Gebetszellen organisierten. Nur so konnte seiner Meinung nach die Gesellschaft in Amerika nach den ethischen Vorgaben des Christentums regiert werden. Die gesellschaftliche Kontrolle sollte ausschließlich in den Händen von Funktionären liegen, die sich in ihrem Denken und Handeln an der Bibel orientieren. Die Massen dürften jedenfalls nicht konsultiert werden, wie es in einer demokratischen Staatsform vorgeschrieben ist. Regierungsbeamte müssten sich direkt von Jesus leiten lassen, so wie er sich ihnen offenbarte.

3.2 Die Strategie der „Family“ Abraham Vereide meinte, dass sich sein technokratisches Konzept einer idealen Regierungsform mit einem biblisch begründeten Glauben an die freie Marktwirtschaft und dem Kapitalismus vereinen ließe. Seine Strategie war darauf ausgerichtet, besonders führende, antikommunistisch gesinnte und gewerkschaftsfeindliche Personen aus der Geschäftswelt anzusprechen und für seine Sache zu gewinnen. 2003 erschien in einem Zeitschriftenartikel eine Beschreibung über die Identität und Zielsetzung der „Fellowship“. Der Autor griff ihren Slogan auf „Jesus Plus Nothing” – „Jesus und nichts weiter“ und meinte, dass das damit verbundene Gedankengut dem Buddhismus näher stehe als dem Christentum. Ein weiterer nebulöser Slogan der Gruppe lautet „in the name of Jesus“, zu Deutsch: in dem Namen Jesu. Timmons erklärt unverhohlen, welche Bedeutung die Redewendung „Jesus Plus Nothing” hat: Ein moslemischer Geschäftsmann könne durchaus Moslem bleiben und gleichzeitig „ein neuer Gläubiger und Nachfolger Jesu” sein. Das Problem, dass dadurch die Religionen vermischt werden, hat für Timmons keinerlei Bedeutung. Wir sehen, dass der Name „Jesus” in den Reihen der „Fellowship“ nicht die Bedeutung besitzt wie im traditionellen Christentum. In Amerika ist es leicht, diesen Namen im Munde zu führen, um bei echten Christen Eindruck zu machen. Doch was steht wirklich dahinter? „The Family“ verwendet die Redewendung „im Namen Jesus“ nur als ein Markenzeichen, sie ist nur ein Aushängeschild. Sie ist eifrig dabei, die Vokabel „Jesus“ in die Beschreibung ihrer verschiedenen Programme und Projekte irgendwo einzuführen. Alle Mitglieder der „Fellowship“ berufen sich auf Jesus, um ihre Treue gegenüber einem nebulösen Messias auszudrücken. Beachtenswert ist, dass es sich bei diesem „Jesus“ nicht um den in der Bibel vorgestellt Erlöser handelt, der am Kreuz für die Sünden seiner Gemeinde gestorben ist. In der Ölbergrede warnte der wirkliche Jesus Christus seine Jünger davor, dass sich in der Endzeit viele aus unlauteren Motiven auf seinen Namen berufen würden. Selbst wenn sie Wunder in seinem Namen tun würden, seien sie Verführer, die er von sich weisen wird. Die Organisation „The Family“ ist eine internationale Bewegung und orientiert sich nach eigenen Aussagen am Leben und den Lehren von Jesus Christus. Die im Hintergrund wirkenden Mitglieder treten nur als Organisatoren des Nationalen Gebetsfrühstücks in den USA öffentlich in Erscheinung; ein Ereignis, bei dem seit Eisenhower jeder amerikanische Präsident aufgetreten ist. Die bedeutendsten Führungspersönlichkeiten waren neben dem Gründer Abraham Vereide der US-Senatskaplan Richard C. Halverson und der bereits oben erwähnte Douglas Coe, der früher auch für die Missionsgemeinschaft Navigatoren arbeitete. Zu verschiedenen Zeiten und Anlässen verwendet „The Family” auch folgende Bezeichnungen für sich selbst, die teilweise Namen von ehemaligen oder noch bestehenden Unterorganisationen sind: „The Fellowship Foundation”, „National Fellowship Council”, „Fellowship House”, „The International Foundation”, „National Committee for Christian Leadership”, „International Christian Leadership” (ICL) und „National Leadership Council”. Ein deutscher Ableger nannte sich „Christen in Verantwortung”. Auch wenn diese Organisation nicht mehr besteht, gibt es genug Indizien dafür, dass „The Family“ weiterhin in Deutschland als Organisation tätig ist.

3.3. Das Anliegen der „Family“ Das innenpolitische Anliegen der „Fellowship“ war also die Etablierung der USA als ein christliches Land. Christliche Prinzipien sollten als Grundlage von gesetzlichen Bestimmungen im sozialen, politischen und ökonomischen Leben der Nation dienen. Es gibt einige Beispiele, wie dieses Anliegen konkret umgesetzt wurde: • Beispiel 1: Auf Initiative der republikanischen Senatoren Homer Ferguson und Clement Stone, beide Mitglieder von „The Family“, wurde 1954 der Begriff „Under God” – zu Deutsch: unter der Herrschaft Gottes – in das amerikanische „Gelöbnis zur Treuepflicht“ der Staatsbürger eingefügt. • Beispiel 2: Der dem inneren Kreis der „Fellowship“ angehörende Clement Stone und der Kongressabgeordnete Charles E. Bennet setzten sich dafür ein, dass man den Münzen und Papierscheinen der US-Währung die Aufschrift „In God We Trust” – zu Deutsch: Wir vertrauen Gott – hinzufügte. • Beispiel 3, das für ein unerreichtes Ziel steht: Ein im Jahr 1954 vom republikanischen Senator R. E. Flanders eingebrachter Verfassungszusatz „Diese Nation anerkennt feierlich die Autorität und das Gesetz von Jesus Christus” konnte sich im US-Kongress jedoch nicht durchsetzen. Flanders, der ebenfalls zur „Fellowship“ gehört, beabsichtige, dass die USA offiziell als ein christliches Land bezeichnet wird. • Beispiel 4: Als ein für die weitere Entwicklung bedeutender Erfolg gilt, dass es Abraham Vereide in Zusammenarbeit mit Billy Graham gelang, nach Eisenhowers Amtseinführung das „Presidential Prayer Breakfast“, später „National Prayer Breakfast“ genannt, auf die Beine zu stellen. Eisenhower stimmte dem Vorschlag eines Nationalen Gebetsfrühstücks deshalb zu, weil er sich als republikanischer Präsident nur dann politisch durchsetzen könnte, wenn ihn die Neo-Evangelikalen unter der Führung von Billy Graham öffentlich unterstützen würden. Der neue Präsident galt nämlich in den Augen vieler Christen als unglaubwürdig, weil er zum Zeitpunkt seiner Kandidatur selbst keiner Kirche angehörte.

3.4. Die internationale Ausrichtung der „Family“ Neben der Einführung von religiösen Ritualen im politischen Bereich war auch das Nationale Gebetsfrühstück für „The Family“ von Vorteil. Durch diese jährliche Veranstaltung bekam sie Zugang zu hochrangigen nationalen als auch internationalen Persönlichkeiten. Der enge Kontakt zu führenden Politikern Amerikas und anderen Ländern förderte die Internationalisierung der Organisation. „The Family“ konnte während des Kalten Krieges ihrer extrem antikommunistischen Überzeugung in den höchsten Führungsetagen westlicher Regierungen Geltung verschaffen. Virtuos zog sie alle Register und spielte im politischen Machtkampf zwischen Ost und West im Hintergrund ihre Rolle. Stets war Vereide daran interessiert, den Einflussbereich des amerikanischen Imperiums soweit wie möglich auszuweiten. Seine Reise nach Europa im Jahr 1946 sollte sich als Schlüsselereignis späterer Erfolge herausstellen, die westlichen Demokratien noch stärker unter die Vormacht der Vereinigten Staaten zu stellen.

3.5. Der Einfluss der „Family“ in Europa In Deutschland gewann Abraham Vereide den lutherischen Pfarrer Otto Fricke als Organisator eines Ablegers der „Fellowship“, der unter dem Namen „Christen in Verantwortung“ an die Öffentlichkeit trat. Viele Mitglieder des deutschen Ablegers waren zwar mit dem Nationalsozialismus verstrickt, dies war jedoch kein Hinderungsgrund für deren Aufnahme. Eine gehörige Portion feindseliger Bemerkungen schüttete Abraham Vereide über die Gegner des Nationalsozialismus aus. Gegenüber der amerikanischen Militärregierung beklagte er sich, dass diese in unverantwortlicher Weise linksgerichtete Personen in einflussreiche Verwaltungspositionen in der deutschen Politik und Wirtschaft stellen würde. In seinen Augen waren Sozialisten und Kommunisten „Atheismusverehrer” oder „Atheismusgläubige“ . Auf der Suche nach zuverlässigen Personen, die bereit waren zu schwören, dem Christentum treu zu sein, so wie sie zuvor dem Nationalsozialismus hörig waren, besuchte er alliierte Gefängnisse im besiegten Deutschland. Für ihn war es selbstverständlich, dass ein guter Christ Amerika Sympathien entgegenbringen würde. Otto Fricke hatte als Befürworter des Nationalsozialismus die Feuerrede bei der Frankfurter Bücherverbrennung gehalten, wechselte aber nach der Sportpalastrede Joseph Göbbels von den regimefreundlichen „Deutschen Christen“ zur „Bekennenden Kirche“. Somit bekundete er unmissverständlich seine Ablehnung des NS-Regimes. Manfred Zapp war eine weitere zentrale Figur im deutschen Family-Netzwerk. Der Gestapo-Mann wurde von 1938 bis 1941 in die USA abkommandiert, wurde aber dort wegen Spionage und Sabotageakten beschuldigt und verhaftet. Zapp wurde 1941 mit anderen Spionen, wie zum Beispiel Ulrich von Gienanth, gegen zwei von der Gestapo in Deutschland verhafteten US-Reporter ausgetauscht. Der SS-Mann Ulrich von Gienanth hatte während des Zweiten Weltkrieges als Leiter der Gestapo in Amerika agiert und wurde später Mitglied von „Christen in Verantwortung“. Hermann Josef Abs, einer der wichtigsten Bankiers Hitlers, übernahm als Vorstandssprecher der Deutschen Bank in den Nachkriegsjahren den Posten des Vizepräsidenten von „Christen in Verantwortung“. In der Bundesrepublik übte er als erfahrener Finanzexperte einen immensen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung seines Landes aus. Andere Mitglieder der Organisation mit einer Nazi-Vergangenheit waren der Geistliche und Ehrenpräsident des deutschen CVJMs, Gustav-Adolf Gedat, der Chemiewaffenfabrikant Gustav Schmelz und der Nationalist Paul Rohrbach. Weitere Mitglieder waren Baron von der Ropp, Hans von Eichen, Rudolf Decker und Hans Speidel; letzterer war einer der Mitverschwörer des Attentats vom 20. Juli 1944, obgleich er nicht alles, was Hitler tat, für falsch hielt. Von 1957 bis 1963 hatte er das NATO-Kommando der Infanteriestreitkräfte inne. Ernst von Weizsäcker pflegte ebenfalls Kontakt zu „Christen in Verantwortung“. Abraham Vereide nützte stets Gelegenheiten, bei den Befehlshabern der amerikanischen Militärregierung ein gutes Wort für Personen einzulegen, die zwar als Kriegsverbrecher angeklagt waren, aber als aufrichtige Christen galten. Seine direkten Beziehungen nach Washington kamen ihm auch immer wieder zugute. Zum Beispiel trug er zur Befreiung von Oswald Pohl aus der Gefangenschaft bei, der ein SS-Kommandant eines Konzentrationslagers war. Im Fall von Konstantin von Neurath, dem ersten Außenminister Hitlers, gelang ihm das gleiche Kunststück. Ab 1949 veranstaltete der deutsche Ableger der „Fellowship“ Versammlungen im Schloss des Deutschen Ordens auf der Insel Mainau. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem Vertreter der großen deutschen Banken, der Firmen Bosch, Krupp und Standard Oil sowie auch Kabinettsmitglieder der Bundesregierung. Bei seiner Reise durch Europa organisierte Vereide auch eine Gebetszelle mit Schweizer Bankiers. Der Generaldirektor der Schweizer Nationalbank, Alfred Hirs, war eine der wichtigsten europäischen Schlüsselfiguren der Organisation. Während des Zweiten Weltkriegs war er mitverantwortlich für die Goldankäufe der Schweizer Nationalbank bei der deutschen Reichsbank. Andere Hauptakteure in Europa waren der ehemalige belgische Premier und Außenminister Pierre Harmel und der Franzose Edmond Michelet, der unter De Gaulle mehrere Ministerposten bekleidete. In Spanien dienten während der Franco-Ära die dortige US-Botschaft und die Firmenniederlassung von Standard Oil als Treffpunkte der „Fellowship“-Mitglieder.

Zusammenfassung Der aus Norwegen in die USA eingewanderte Prediger Abraham Vereide gründete 1935 die Organisation „The Family“, um die angeblich sozialistisch oder gar kommunistisch ausgerichtete Politik von Präsident Franklin D. Roosevelt zu bekämpfen. Im Kreis von wohlhabenden Sympathisanten setzte er sich für die politische Herrschaft einer Elite von „Gott geführten” Männern ein. Dass er jedoch nicht auf dem Boden des Evangeliums stand, zeigte sich unter anderem, dass er sich nach dem Zweiten Weltkrieg persönlich für die Rehabilitierung von ehemaligen Nazi-Größen einsetzte. In den vergangenen 50 Jahren initiierte „The Family“ viele interreligiöse Bemühungen. Sie handelt mit großem Elan in der Politik und Gesellschaft in fast allen Nationen der Welt und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Errichtung einer Weltregierung. Sie engagiert sich im prestigeträchtigen „Nationalen Gebetsfrühstück“ der amerikanischen Regierung und in interreligiösen Kongressen. „The Family“ verkündet, dass viele Wege zum Heil führen und ignoriert die Aussage von Jesus Christus, dass er allein der Weg zu Gott ist. Mit christlich klingenden Worten gewinnt sie auch die Evangelikalen für ihr Anliegen. Im scheinbaren Engagement für den Weltfrieden lassen sich viele Christen von der Philosophie der „Family“ mitreißen und verlassen den Pfad des Evangeliums.r. Erdmann´s newsletter mit exklusiven Informationen seiner Forschungstätigkeit)