Buchauszug aus “Zerstörerisches Wachstum”: Die falschen Reichgotteslehren (Rudolf Ebertshäuser)

Die falschen Reichgotteslehren und der Ruf nach weltveränderndem Engagement der Kirche

(Quelle: Rudolf Ebertshäuser www.das-wort-der-wahrheit.de)

Die Vertreter der falschen Reichslehren betonen immer wieder, die Gemeinde habe die Aufgabe, sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren und für die „Transformation“ der Gesellschaft im Sinne christlicher Werte oder Reichgottesprinzipien zu wirken. Dabei versuchen sie den Eindruck zu erwecken, als sei das schon von dem Herrn und den Aposteln so gelehrt worden. Das ist aber eindeutig nicht der Fall; diese Lehren vom notwendigen sozialpolitischen Wirken im Sinne von „Gerechtigkeit“ und „Frieden“ kommen aus der Liberaltheologie und dem falschen „sozialen Evangelium“.

Wir wollen zunächst kurz ansprechen, was das Wort Gottes über unsere guten Werke an unseren Mitmenschen sagt. Das ist ja durchaus ein wichtiges Thema im Neuen Testament – nur, daß die Aussagen der Bibel dazu in deutlichem Gegensatz zu den Überzeugungen der modernen Sozialaktivisten stehen.

a) Was die Bibel über das Zeugnis guter Werke sagt

Die Bibel zeigt in der Apostellehre für die Gemeinde, daß es Gott wohlgefällig und gut ist, wenn Gläubige Gutes tun und sich hilfsbedürftiger Menschen annehmen. Solche „guten Werke“, insbesondere materielle Hilfe für Arme, Witwen und Waisen, Anteilnahme an Notleidenden und Kranken, sind den Gläubigen ausdrücklich geboten (vgl. Gal 6,10; 1Thess 5,15; 1Tim 5,3-16; Tit 2,7; 9-10; 14-15; Tit 3,1-2; 8+14).

Es muß allerdings betont werden, daß solche „guten Werke“, ganz vergleichbar den Geboten des Alten Testaments für Israel, zuallererst an den Angehörigen des Volkes Gottes getan werden sollten. Bestimmte Aussagen, etwa in Jakobus 2 oder 1Joh 3,16-18 sind ausdrücklich auf notleidende Kinder Gottes bezogen.

Aber es wird an verschiedenen Stellen deutlich gemacht, daß solche guten Werke auch an notleidenden ungläubigen Menschen in unserer Lebensumgebung getan werden sollten. Das zeigt auch schon das Wort des Herrn in Mt 5,16: „So soll euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“. Wir sollen „wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens“ (Gal 6,10).

Das soll ein Zeugnis für die Heiden sein, das sie zur Annahme des Evangeliums leiten kann: „… und führt einen guten Wandel unter den Heiden, damit sie da, wo sie euch als Übeltäter verleumden, doch aufgrund der guten Werke, die sie gesehen haben, Gott preisen am Tag der Untersuchung“ (1Pt 2,12).

Dementsprechend hatten die Gläubigen schon in der Apostelzeit und danach einen guten Ruf unter den Heiden, weil sie sich um ihre eigenen Armen und Bedürftigen vorbildlich kümmerten, aber auch um arme und notleidende ungläubige Menschen. Und auch in späteren Zeiten war Wohltätigkeit ein ganz natürlicher Bestandteil des Lebens und des Zeugnisses der Gemeinden, und dieses Zeugnis bewirkte immer wieder, daß Seelen das Evangelium annahmen und sich zu dem Herrn bekehrten.

Hilfe für Notleidende als Unterstützung biblischer Evangelisation

Wir finden jedoch an keiner Stelle, wo das NT von der Ausbreitung des Evangeliums und biblischem Gemeindebau redet, ein Gebot, darin soziale Aktivitäten einzubeziehen, geschweige denn, diese gleichwertig mit der Evangeliumsverkündigung voranzutreiben, wie dies die modernen Evangelikalen lehren.

Biblische Evangelisation (oder „Mission“) beinhaltet einfach das Zeugnis und die Verkündigung des Evangeliums und die Gründung biblischer Gemeinden. Das Gebot guter Werke an den Ungläubigen wird überall zunächst den einzelnen Gläubigen gegeben, nicht den Gemeinden oder den Evangelisten (an der Unterstützung bedürftiger Gläubiger waren die Gemeinden sehr wohl als Ganzes beteiligt; vgl. 1Kor 16,1-3; 2. Korinther 8 u. 9).

Weder wird etwas davon gesagt, daß diese notwendig wären, um unseren Auftrag des Evangeliumszeugnisses zu erfüllen, noch sagt die Bibel, die Menschen würden sich erst dann bekehren, wenn sie unsere materielle Hilfe empfangen hätten. Auch das Vorbild des Apostels Paulus und der anderen Diener Gottes im NT läßt nirgends eine Verquickung von sozialpolitischen Aktionen mit der Evangelisation erkennen.

Dort wo in der bibeltreuen, klassisch-evangelikalen Evangeliumsverkündigung späterer Jahrhunderte materiell bessergestellte Gläubige zu Bevölkerungsgruppen kamen, die in großer äußerer Not waren, da haben sie es als richtig angesehen, auch in diesen Nöten (Hunger, Krankheit, soziales Elend von Witwen und Waisen) zu helfen, wo es möglich war. Gott hat dieses Zeugnis vielfach auch gebraucht, um Menschen für den Glauben aufzuschließen.

Das war als ergänzendes Zeugnis zur Verkündigung des Evangeliums gewiß im Sinne der Gedanken Gottes, auch wenn es dafür kein ausdrückliches Gebot gab – solange die Diener des Herrn dies in dem Bewußtsein taten, daß die absolut oberste Priorität die Errettung von Seelen aus dem ewigen Verderben war und nicht die Linderung zeitlicher Nöte.

Alle bibeltreuen Missionare und Evangeliumsverkündiger waren sich dessen klar bewußt, daß der Auftrag des Herrn lautet, das Evangelium von der ewigen Errettung aus Sünde und Gericht zu verkündigen und Menschen zum rettenden Glauben an den Herrn Jesus Christus zu führen. Für diese Diener Gottes war alle Hilfeleistung – medizinische Versorgung, Hilfe bei Verarmung, Drogensucht und Hunger, die Fürsorge für Waisen z.B. – eine untergeordnete, flankierende Maßnahme, die dazu diente, die Menschen auf ihre eigentliche Not hinzuweisen, ihre Trennung von Gott durch die Sünde.

Dies nicht, wie heute oft böswillig unterstellt wird, weil sie die Hilfe kaltherzig als bloßen „Köder“ benutzt hätten, um Menschen anzuwerben. Vielmehr gründete diese Unterordnung in der Lehre der Bibel, daß das zeitliche Wohl unendlich weniger wiegt als die ewige Errettung, und daß man den Menschen nicht wirklich liebt, wenn man ihm nicht zuallererst die ewige Heilsbotschaft bringt.

Es ist andererseits auch eine immer wieder gemachte Erfahrung, daß dort, wo Menschen sich zu Jesus Christus bekehrt hatten, ihr neuer Glaube sich auch in der Behebung sozialer Nöte und Mißstände auswirkte, ohne daß dies irgendein bewußtes sozialpolitisches Ziel war. Dort wo Menschen in größerer Anzahl zum Glauben kamen, war eine der zeitlichen Früchte Fleiß und Arbeitsamkeit, das Aufhören von sündhafter Verschwendung, die Linderung von Armut und oft auch ein Rückgang verderblicher Sitten und Laster. Soziale Hilfe ohne Bekehrung und Wiedergeburt verpufft dagegen sehr oft, weil die von Sünde gefangenen Menschen sie vergeuden und ihre zerstörerischen Gewohnheiten nicht ändern können.

b) Der liberale Irrtum der sozialpolitischen Verantwortung der Gemeinde

Erst die einbrechende liberale Theologie des 19. Jahrhunderts hat die klare biblische Lehre und Praxis der evangelikalen Missionstätigkeit auf den Kopf gestellt. Für die Liberaltheologen war die ewige Errettung der Seelen aus dem Zorngericht Gottes kein Ziel mehr, sondern ein einziges Ärgernis; sie glaubten weder an ein ewiges Gericht und Verlorensein, noch an die herrliche Person des Retters Jesus Christus, an Seine Göttlichkeit, Seine Jungfrauengeburt, Sein blutiges Sühnopfer am Kreuz und Seine Auferstehung.

Diesseitige Heilsverwirklichung statt biblischer Heilsverkündigung

Alle die Grundelemente des biblischen Evangeliums wurden von diesen „gelehrten, fortschrittlichen“ Verführern verleugnet und bestritten. Für sie war das „Heil“ eine ganz und gar diesseitige Sache; es bedeutete die freie Selbstentfaltung und glückliche Selbstverwirklichung des autonomen, im Kern guten Menschen. Sie waren in diesem Sinn verfinsterte Humanisten, die an die evolutionäre Selbstvervollkommnung des Menschen mit der freundlichen Hilfe eines gütigen höheren Wesens glaubten.

Aus diesen Kreisen kam die Neuauflage der alten katholischen Irrlehre, daß die Gemeinde hier und jetzt schon das Reich Gottes verwirklichen müsse, und zwar durch die allmähliche Durchdringung der Kultur und Gesellschaft mit „christlichen Werten“, durch sozialpolitisches Engagement und politischen Protest gegen die bestehende Ordnung. Dabei wurden in verführerischer Weise die Aussagen der alttestamentlichen Propheten über Israel hinzugezogen, die ja in eine völlig andere Situation sprachen.

Israel war ein besonderes Königreich, in dem Gott Seine Herrschaft auf Erden verwirklichen wollte – deshalb hatten die Propheten auch eine klare „sozialpolitische“ Botschaft. Gott legte im mosaischen Gesetz Seine Grundsätze für das menschliche Zusammenleben nieder, die von Gottesfurcht und Nächstenliebe bestimmt waren. Sie waren aber ausschließlich für das heilige Volk des Bundes bestimmt, die das Königreich Gottes auf Erden verwirklichen sollten. Als die Israeliten hierin versagten, ermahnte Gott sie durch Seine Propheten, den Armen im Bundesvolk Israel nicht zu bedrücken und auszunutzen; daher die vielen Aufrufe der Propheten zu sozialer Gerechtigkeit.

Die Gemeinde befindet sich als ein recht- und heimatloser Fremdling in dieser Welt. Diese Welt ist nicht Israel, ist nicht der Ort, wo die Königsherrschaft Gottes heute regieren soll. Sie steht vielmehr unter der Macht des Bösen; hier herrscht der gottlose Mensch unter der Leitung Satans, und Gott läßt das ausdrücklich zu. Gott selbst läßt die Bosheit und Gesetzlosigkeit dieser Welt zur Ausreifung kommen bis hin zum Antichristen – erst dann greift Er von oben durch blutiges Gericht ein und wird darauf dann Sein Reich auf Erden aufrichten – durch den Messias, nicht durch die Gemeinde!

Gottes Reich auf Erden ist nach der Botschaft des AT wie des NT eindeutig zukünftig und an das zweite Kommen Jesu Christi gebunden. Die Gemeinde ist nicht berufen, hier und jetzt das Reich Gottes auf Erden zu verwirklichen; sie hat den Auftrag, durch das Zeugnis des Evangeliums Seelen aus dem ewigen Verderben zu erretten, damit sie der auserwählten Minderheit der Brautgemeinde hinzugefügt werden. Diese Welt kann die göttlichen Ordnungen und prophetischen Aufforderungen des Alten Bundes nicht verwirklichen, weil die sündigen Menschen dazu unfähig und unwillig sind. Das wird erst im Friedensreich des Messias verwirklicht.

Die Irrlehre des „sozialen Evangeliums“, wir erwähnten das schon, wuchs auf dem Boden der falschen Reichslehren, die den Christen vormachten, Gott würde hier und jetzt schon sein Reich bauen, und zwar durch sozialpolitische Bewegungen und kulturelle Entwicklungen. In diesem Sinne waren die Bildung von Gewerkschaften und sozialistische Bestrebungen, die Abschaffung der Sklaverei oder bessere Bildung für die Unterschichten ein „Vormarsch des Reiches Gottes“.

Auch in der „Mission“ sahen diese Kräfte die Aufgabe in der Vermittlung von Bildung und „Kultur“, in sozialen Reformen und interreligiösem Dialog, nicht in der klaren Verkündigung der göttlichen Rettungsbotschaft, an die sie selbst ja nicht glaubten. Das Ergebnis war ein schlimmer Niedergang und die Entartung der liberal geleiteten Missionswerke.

c) Die modernen Evangelikalen übernehmen das soziale Evangelium

Jahrzehntelang befanden sich die modernen Evangelikalen in einer zwiespältigen Stellung gegenüber den sozialpolitischen Theorien der ökumenischen Theologen. Einerseits waren sie im freundlichen Dialog mit ihnen, andererseits hielten sie doch noch an der klassischen Missionsauffassung früherer Zeiten fest, wenn auch zunehmend verunsichert; wir haben das an John Stotts Äußerungen nach dem Berliner Kongreß 1966 gesehen.

Seit dem Lausanner Kongreß für Weltevangelisation 1974 jedoch haben führende Evangelikale im Grunde die Irrtümer des „sozialen Evangeliums“ und des „gegenwärtigen Reiches“ übernommen; allerdings nicht in der inzwischen anstößig gewordenen lupenreinen Urfassung der Liberaltheologen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Im Anschluß an Barths falsche Auffassungen vertraten sie ein ebenso verwirrendes wie verführerisches „Sowohl – als auch“.

Von da an verkündeten sie, die Gemeinde habe zwei Aufträge – den Auftrag zur Evangelisation (aber mehr und mehr kontextualisiert und als Dialog) und den Auftrag, sich sozialpolitisch im Sinne von Gerechtigkeit und Armutsbekämpfung, Frieden und gesellschaftlichem Fortschritt, Antirassismus und Anti-AIDS zu engagieren.

Diese Theorie von den „zwei Mandaten“ (dem sozialpolitischen Kulturmandat und dem Evangelisationsmandat) ist inzwischen vielfach der noch weitergehenden Verführungslehre von der „Missio Dei“ und der „holistischen Mission/Evangelisation“ gewichen, die beide Aufträge zu einem vollends unbiblischen Einheitsbrei vermischt und im Endeffekt besagt, daß die Gemeinde gar nicht mehr von Christus reden dürfe, wenn sie nicht auch Armut und soziale Mißstände bekämpfe. Das Evangelium selbst ist zum „Evangelium des Reiches“ verfälscht worden, und die ewige Rettungsbotschaft geht im sozialpolitischen Diesseits unter.

Damit haben die heutigen modernen und postmodernen Evangelikalen endgültig das geistliche Erbe ihrer Vorväter aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert verraten. Sie sitzen nun in einem Boot mit dem abgefallenen Ökumenischen Weltrat der Kirchen, dessen Lehren sie fast vollständig übernommen haben, und mit der babylonischen römischen Kirche, die ähnliche Lehren schon seit vielen Jahrhunderten vertritt.

Die Irrlehre vom nötigen sozialpolitischen Engagement und die damit verbundenen Irrtümer vom gegenwärtigen Reich Gottes sind ein raffinierter Schachzug des Widersachers, der die christliche Weltevangelisation zerstören und geistlich auf die Mühlen des Antichristen umleiten möchte. Sie sind ein geschickter Schlag gegen alle Bemühungen, das wahre, unverfälschte Evangelium in aller Welt zu verkündigen. Sie werden dieses Ziel nicht erreichen – aber der Schaden, den sie angerichtet haben und noch anrichten, ist groß.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch von R. Ebertshäuser, Zerstörerisches Wachstum.

 

Kommentar verfassen