“Evatholische Allianz” – oder, der gewollte Identitätsverlust der Evangelikalen (Siegfried Schad)

Liebe Leser, wenn der ranghöchste deutsche Repräsentant des Evangelikalismus, dem “Stellvertreter Jesu Christi” in dieser Weise huldigt, dann bleibt mir persönlich nur noch die Wahl zwischen Entsetzen oder Sarkasmus:

(Quelle pro-medienmagazin s. Artikel)

[Zitat] Über die Rolle, die die Evangelische Allianz in Rom mittlerweile spiele, zeigte Schirrmacher sich erfreut: “Die Weltweite Evangelische Allianz wird in Rom und Genf ganz natürlich als Vertretung von 600 Millionen Christen wahr- und ernst genommen. Das ist nicht die Folge irgendeiner theologischen Veränderung der Evangelikalen, die auch niemand erwartet, sondern ganz einfach die Folge unserer Existenz und Größe.” [Zitat Ende – Hervorhebung durch S.Schad]

Was möchte uns Prof. Dr. theol Dr. phil. Thomas Schirrmacher weismachen? Einen Einfluss auf den Katholizismus, der sich aus der Bedeutsamkeit zahlenmässiger Stärke des Evangelikalismus ableitet und nicht etwa die fortgesetzte Beugung der biblischen Wahrheit, den gewollten Substanz- und Identitätsverlust der Evangelikalen zur Voraussetzung hat um am “Katzentisch” der grossen Ökumene teil zu haben?

Schirrmacher lässt uns des weiteren erfahren: [Zitat] Auch die Machtdistanz habe sich mit dem neuen Papst deutlich verringert, schildert der Theologe seinen Eindruck. So habe  der Papst beispielsweise nicht wie üblich zwei Stufen über den anderen  Anwesenden gesessen, sondern auf einer Ebene. Auch sei der rotgoldene  Stuhl, der normalerweise zu diesem feierlichen Anlass genutzt werde, im  Nebenraum geblieben. [Zitat Ende]

Das klingt ja nach wahrhaftiger Augenhöhe was uns Thomas Schirrmacher hier goutiert – nach dramatischer Verschiebung in den Symbolen der Macht … man höre, der rotgoldene Stuhl blieb in der Requisitenkammer(?) … so klingen Satrapen oder Hofschranzen, aber nicht die wahren Erben der Reformation und der Wahrheit des Evangeliums Jesu Christi!

Jedem aber auch wirklich jedem ernsthaften Evangelikalen sollte aufgegangen sein, dass der sogg. Evangelikalismus der DEA (Deutschen Evangelischen Allianz) bzw. WEA (Weltweite Evangelischen Allianz) mit wehenden Fahnen der Gegenreformation mit 500-jähriger Verspätung zum Sieg verhilft – Ignatius von Loyola, der auch zunehmend von neo-evangelikalen wohlwollend zitiert wird, hätte sich erstaunt die Augen gerieben.

Ignatius von Loyola
Ignatius von Loyola

Sehen wir den Fakten ins Angesicht: Evangelikale Positionen wurden Stück für Stück abgeräumt, im ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) sitzt man ohnehin schon länger vertraut beisammen und um dem Vorwurf eines Etikettenschwindels zu entgehen, wäre es jetzt an der Zeit, so denke ich, der wahren Identität auch den angemessenen Namen zu verleihen – mein schlichter Vorschlag wäre da  “Evatholische Allianz”, damit auch der letzte Zweifler das purpurene Leuchten der Kardinals-Roben vor Augen hat.