“IRRLEHRER!” so erschallt es … (Siegfried Schad)

Vor ca. 10 Jahren hörte ich einen Euch Allen bekannten Bruder und Publizisten folgendes beten:” … und HERR JESUS, das Beste was Du durch mich vollbringst ist dennoch besudelt von meiner menschlichen Schwachheit.” Bei einem weiteren Bruder, ebenfalls ein Publizist der Euch ebenso bekannt ist, lese ich stets dass er sich gerne an Hand des WORTES GOTTES belehren lassen würde, wenn er mit einer Aussage im Irrtum wäre und mit einem Bruder der in dieser spezifischen Frage eine abweichende Sicht hätte durchaus Gemeinschaft haben könnte. Einen dritten Bruder möchte ich noch im Geiste hinzufügen, der ebenfalls publizistisch tätig ist und dezidierte reformierte theologische Sichtweisen verkündigt, aber dennoch mit Vertretern verschiedener bibeltreuer Strömungen guten Kontakt pflegt. Was ist diesen drei Herren, dreier verschiedener theologischer Kulturen gemeinsam?

Die ungeheuchelte aufrichtige Liebe zu unserem HERRN JESUS, die Bruderliebe und die demütige Erkenntnis der Wahrheit dieser Verse:

Phil 2,2 so erfüllet meine Freude, daß ihr einerlei gesinnt seid, dieselbe Liebe habend, einmütig, eines Sinnes, Phil 2,3 nichts aus Parteisucht oder eitlem Ruhm tuend, sondern in der Demut einer den anderen höher achtend als sich selbst;

1Kor 13,8 Die Liebe vergeht nimmer; seien es aber Prophezeiungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden.1Kor 13,9 Denn wir erkennen stückweise, und wir prophezeien stückweise;

“Irrlehrer!” so erschallt es aus manchem Forum in dem sich auch der Hobby-Apologet endlich einmal äussern darf und mal seinen Dampf ablassen möchte – wen wundert es? Denn auch Bücherautoren sehr wertvoller Bücher und gleichzeitig auch von manchem Buch das besser ungeschrieben wäre, vergessen zuweilen dass weder ein Johannes Calvin, noch ein John Nelson Darby, weder John MacArthur, noch Benedikt Peters oder Roger Liebi vollkommene Lehrer sein konnten oder werden können, denn auch ihre Erkenntnis war und ist bruchstückhaft im Gegensatz zu dem einzigen perfekten Lehrer, dem HERRN JESUS selber. Kann es also einen unfehlbaren Lehrer geben? Fehlanzeige! Was soll also der “Sturm im Wasserglas” und das zornige Getöse über manche Frage?

Ich habe als theologischer Laie sicherlich auch meine Präferenzen und lehne beispielsweise die arminianistische Lehre des möglichen Heilsverlusts ab – das ist der derzeitige Stand meiner persönlichen bruchstückhaften Erkenntnis – jedoch hindert mich das daran Brüdern, die in dieser Frage etwas anderes lehren, nicht im Hinblick und unter Würdigung ihres gesamten Werkes grösste Wertschätzung entgegen zu bringen?

Welche können nun die Ursachen und Motive sein, einen bibeltreuen Lehrer wegen einer Detailfrage als Irrlehrer abzustempeln? Man möge mir theologische Indifferenz oder gar Dummheit vorwerfen, jedoch sehe ich da nur zwei mögliche Gründe:

1.) Zum einen das offene oder latente Bekenntnis zu der Irrlehre des Perfektionismus, die besagt dass ein Christ durch fortgesetzte Heiligung in diesem irdischen Leben (christus-gleich) sündlos werden könne … der Arminianer und Begründer des Methodismus John Wesley galt z.B. als einer ihrer Vertreter, während der Freund der Gebrüder Wesley, Mitbegründer der Methodistenbewegung und Calvinist George Whitfield sowohl den Arminianismus, als auch den Perfektionismus entschieden ablehnte. In Benedikt Peters` hervorragendem Buch “George Whitefield – der Erwecker Englands und Amerikas” können wir über diesen Konflikt nachlesen: Diese theologischen Konflikte sind Jahrhunderte alt – also, nichts Neues unter der Sonne.

George Whitefield
George Whitefield

In der Folge dieser Lehre, die vor allem von der Heiligungsbewegung vertreten wurde, aber auch rudimentär in der Charismatik als auch in konservativ evangelikalen Kreisen anzutreffen ist (Pietismus, Brüderbewegung), könnte somit ein sündloser, (christus-gleicher) Lehrer hypothetisch auch unfehlbar sein. In aller Konsequenz wird kein nüchterner bibeltreuer Christ so etwas ernsthaft in Betracht ziehen wollen.

2.) Zum anderen sehe ich da einen sehr menschlichen Mangel, der mir viel eher als Erklärungsmuster zu dienen scheint und in den folgenden Versen angesprochen wird:

Phil 1,15 Etliche zwar predigen Christum auch aus Neid und Streit, etliche aber auch aus gutem Willen.

Phil 1,16 Diese aus Liebe, indem sie wissen, daß ich zur Verantwortung des Evangeliums gesetzt bin;

Phil 1,17 jene, aus Streitsucht, verkündigen Christum nicht lauter, indem sie meinen Banden Trübsal zu erwecken gedenken.

Vergessen wir nicht was der HERR JESUS zu denjenigen sagt, die ihre Brüder diffamieren und hassen:

1Jo 2,9 Wer da sagt, daß er in dem Lichte sei und haßt seinen Bruder, ist in der Finsternis bis jetzt.

Mein schlichtes Plädoyer lautet: Reiche dem Bruder in dem der Heilige Geist wohnt Deine Hand zur Versöhnung und verbünde Dich mit ihm in Bruderliebe zu dem gerechten und heiligen Kampf gegen die Überzahl der wahren Irrlehrer, Wölfe im Schafspelz und Hasser des Evangeliums.

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