Toter Glaube (Georg Walter)

(Quelle: Georg Walter distomos.blogspot.de)

Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot. 

Jakobus 2,26

Man wundert sich schon, dass 81 Prozent der Deutschen “glauben”, Jesus habe tatsächlich gelebt, und  46 Prozent der Befragten “glauben” immerhin, dass Jesus von den Toten auferstanden ist (hier). Dennoch scheint der “Glaube” der Deutschen sich kaum im Handeln niederzuschlagen. Dass der Auferstandene der Herr über den Tod und das gesamte Universum ist und folglich “Herr” sein will über das Leben derer, die seinen Namen für sich beanspruchen (“Christen”), scheinen viele nicht zu wissen oder zu verdrängen.

Die Kirchen werden immer leerer, die Mehrheit der Deutschen folgt eher dem Zeitgeist als dem Geist, der Jesus von den Toten auferweckt hat (Rö 8,11). Der Apostel Paulus schreibt über die wahren Gläubigen: “Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand  Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein” (Rö 8,9).

Über die Gründe leerer Kirchen wird seit Jahrzehnten diskutiert. Und seit Jahrzehnten werden neue Methoden ausprobiert (Willow Creek u. a.), wie man die Kirchenfernen erreicht und die Schäfchen im eigenen Stall zusammenhält – trotz der Erfolgsmeldungen ist die Frucht eher dürftig. Die Kirchen verlieren weiterhin Mitglieder, die Freikirchen stagnieren oder haben allenfalls geringes Wachstum. Urteilt man zudem noch ehrlich und schaut der Realität ins Gesicht, muss man zu dem Schluss kommen, dass die geistliche Substanz, die heute in Kirchen und vielen Freikirchen anzutreffen ist, nicht gerade von tiefer Geistlichkeit charakterisiert ist.

Die heutige Gesellschaft ist säkularer denn je, Kirchen (und zunehmend Freikirchen) hecheln dem Zeitgeist hinterher und sind nicht gerade in einem Zustand, den man als Blütezeit christlichen Glaubens bezeichnen könnte. „Viel Distanzlosigkeit und Gefühlsduselei lassen sich in protestantischen Kanzelreden inzwischen beobachten. Emotionen, subjektive Befindlichkeiten, das Sich-Wohlfühlen rücken ins Zentrum. Das erste Gebot dieses neuen Kults von Einfühlsamkeit und Herzenswärme lautet: Fühle dich endlich wohl!”, so der Protestant Friedrich W. Graf in seinem Buch Kirchendämmerung. Wie die Kirchen unser Vertrauen verspielen (S.38).

Frido Mann spricht aus, was viele denken: Die Kirche hat an Glaubwürdigkeit verloren und “Ich halte es für fatal, biblische Wahrheiten für unumstößlich zu halten. Der Begriff des Unumstößlichen [allein die Schrift] gehört ins Mittelalter” (hier). Dass die Glaubwürdigkeit und die Anziehungskraft des Christentums gerade in einer Rückbesinnung allein auf die Schrift (sola scriptura) und in einer vom Geist gewirkten konsequenten Nachfolge wiederhergestellt werden könnte, will und wird man nicht wahrhaben wollen. Denn dies würde bedeuten, das Kreuz auf sich zu nehmen und als “mittelalterlich” zu gelten.

Die Anpassung der Kirchen (und Freikirchen) an den Zeitgeist wird weitergehen. Selbst die katholische Kirche kann im neuen Papst Franziskus einen Mann präsentieren, der zumindest vordergründig mehr “Weltoffenheit” (hier) symbolisiert. Der Apostel Paulus beschrieb die letzten Tage als “schwere Zeiten”, denn “denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldliebend, prahlerisch,  hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, Verleumder, unenthaltsam, grausam, das Gute nicht liebend, Verräter, unbesonnen, aufgeblasen, mehr das Vergnügen liebend als Gott,die eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft aber verleugnen” (2Tim 3,1-5).

“Und von diesen wende dich weg” (V.5) rät Paulus dem Timotheus, seinem Kind im Glauben. Glaube ohne Geist und ohne Wort ist tot. Wo aber der Geist und das Wort ist, dem geglaubt und das getan wird, dort ist lebendiger Glaube.

siehe auch:

Journalist räumt mit frommen Lügen auf.

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