Buchauszug: Ist Gesellschaftstransformation ein biblisches Konzept? (Johann Schoor)

(Quelle: Johann Schoor www.prophetie.at)

[Buchauszug: „Die Dämonen der Moderne – Die Apokalyptischen Reiter der

Johannesoffenbarung“ (Johann Schoor) Rezensionen siehe hier]

 

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Zurzeit wird viel von „gesellschaftsrelevantem Gemeindebau“ gesprochen,
und ich habe die Sorge, dass es sich dabei um genau jenes Konzept
handelt, vermeintlich verloren gegangenes Terrain zurückzuerobern.
Wie gesellschaftsrelevant war denn die Missionsarbeit eines Apostel Paulus
in Ephesus, möchte ich da fragen? So relevant, dass es beinahe eine
Revolte gab, die voll und ganz gegen die Gemeinde gerichtet war. Paulus
musste sogar fliehen. Die etablierte Gesellschaft fühlte sich bedroht, und
das sogar zu Recht. Kompromisse waren ausgeschlossen. Ist es das, was
man mit gesellschaftsrelevantem Gemeindebau meint? Wohlan, dann
lasst uns nur lautstark das Evangelium mit all seinen Konsequenzen
verkündigen, und wir werden bald das gleiche Ergebnis haben.
Aber so viel ich verstanden habe, geht es darum eben nicht. Die
Absicht ist vielmehr, eher durch Taten als durch Worte die Gesellschaft
so zu beeindrucken, dass man damit signalisiert, dazuzugehören.
Vielleicht, so denkt man, kann man dann mittelfristig Erfolg haben
und die Kirchenbänke wieder füllen. Dazu gibt es die verschiedensten
Vorschläge. Diese kommen aber nicht aus der Schrift. Jesus sagte: „Mein
Reich ist nicht von dieser Welt!“ (Joh. 18:36), und Jakobus sagte: „Wer
ein Freund der Welt sein will, der macht sich Gott zum Feind“ (Jak. 4:4).

Ist Gesellschaftstransformation ein biblisches Konzept?

Das Ganze ist natürlich deshalb so bestechend, weil man weiß, dass die ersten Christen mit ihrem diakonischen Wirken eben diesen Erfolg hatten. Im zerfallenden Römischen Weltreich war man bei den Christen immer besser aufgehoben als bei den zunehmend der Dekadenz verfallenden heidnischen Kommunitäten. Die Christen sorgten für ihre Armen. Die Christen hatten teils strenge Regeln, zum Beispiel, dass niemand essen sollte, der nicht auch arbeitet, doch das bedeutete für sie im gleichen Atemzug, dass sie den Armen Arbeit geben mussten. Die christlichen Gemeinden waren so die ersten Arbeitsämter. Bei den Christen gab es geordnete familiäre Verhältnisse. Sie ließen ihre Sklaven frei oder behandelten sie wie Familienmitglieder.

Das alles machte die Christen beliebt in der Gesellschaft, durch ihre Diakonie verfügten sie bald über eine eigene Infrastruktur, die über das ganze römische Reich verbreitet war.

Daran konnten schließlich auch die Kaiser nicht mehr vorbei gehen, und sie begannen mehr und mehr dieser moralisch stabilsten Kraft der römischen Gesellschaft zu vertrauen. Es ist aus ihrer Sicht verständlich, dass sie diese schließlich ganz im Boot haben wollten. Christen sollten nun auch bald für den Kaiser kämpfen, nur der Klerus war ausgenommen. Von da aus gesehen war es nur ein kleiner Schritt zur Vereinnahmung der Gemeinde durch die Mächtigen. Vorbei war es mit dem allgemeinen Priestertum, und statt evangelisiert wurde nun, oft genug mit Gewalt, christianisiert. Dieser Schritt hätte nicht getan werden dürfen. Es war die entscheidende Weichenstellung zur Machtentfaltung der katholischen Kirche im Mittelalter, mit allen negativen Begleiterscheinungen in der Geschichte der Christenheit.

Wenn man diesen Weg wieder gehen will, ohne in die gleiche Falle zu tappen, dann muss man eines verstehen und daran unbedingt festhalten: Die ersten Christen taten nichts aus Berechnung oder in der Absicht, die Gesellschaft zu transformieren, alles, was sie taten, geschah rein aus persönlicher Nächstenliebe. „Die Liebe Christi drängt uns“, so sagte es der Apostel Paulus und so galt es auch in den ersten Jahrhunderten. Es wäre ja auch widersinnig gewesen, angesichts der Naherwartung der Wiederkunft Jesu aus einem anderen Motiv heraus zu handeln. Wozu Einfluss auf eine Gesellschaft nehmen, deren Ende vorprogrammiert erschien. Es war Liebe und sonst nichts, was sie bewegte, den Armen zu helfen. Denn wie sollte man an der Not der Armen vorbeigehen, gerade wenn man ihnen doch das Evangelium verkünden will? Das Heil sollte ganzheitlich angeboten werden, denn einem Hungernden kann man kein Evangelium erklären, er denkt nur an eines, nämlich daran, wo er die nächste Mahlzeit herbekommt. Ebenso ist ein arbeitsloser, besorgter Familienvater kaum in der Lage, geistlicher Argumentation zu folgen. Also muss man der Not der Menschen begegnen, wenn man sie erfolgreich evangelisieren will. Nicht nur in den ersten Jahrhunderten, auch sonst kann man sicher nachweisen, dass viele soziale oder, wie sie genannt wurden, caritative Unternehmungen von Kirchen und Gemeinden aus Nächstenliebe geschahen. Sie möchte ich nicht in Frage stellen, auch nicht wenn es sich
um größere Unternehmungen handelt. Es geht nicht darum, was man
macht, sondern darum, warum man es macht. Alleine das zu prüfen,
möchte ich hier anregen.
Es gibt nämlich auch andere Motive als reine Nächstenliebe, gerade
auch in der Diakonie. Nicht umsonst sagt Paulus in 1. Kor. 13 unter
anderem:
Wenn ich alles, was ich besitze, den Armen geben und sogar meinen
Körper opfern würde, damit ich geehrt würde, aber keine Liebe hätte,
wäre alles wertlos.
Kann man wirklich alles den Armen geben, ohne Liebe? Doch, das
geht, aus Berechnung kann man das machen. Es gibt etwas, das noch
attraktiver ist als Besitz, und das ist Macht. Der Wille, die Gesellschaft
zu verändern, ist ein Wille zur Macht, denn ohne Macht ist das nicht
möglich. Aber so dürfen wir nicht denken. Alles, was wir tun, sollte in
der Liebe geschehen. Das einzige Motiv unserer Diakonie sollte sein,
den Menschen selbstlos helfen zu wollen, weil wir sie lieben und nicht,
um selbst von der Gesellschaft geliebt und geehrt zu werden. Durch
diese Liebe zeichnete sich Christus aus, und nichts anderes darf einen
Nachfolger Christi antreiben. Man muss allerdings dazusagen: Wenn
die Geschwister einer Gemeinde nicht gelernt haben, sich gegenseitig
zu lieben, wird auch ihr diakonisches Werk keine Früchte zeigen. Es
wird von der Welt vereinnahmt werden, absorbiert. Tausende ehemals
christliche Institutionen haben das vorexerziert. Christlich sind sie zumeist
nur noch dem Namen nach. Dabei ist die Liebe der Geschwister
untereinander das einzige Erkennungsmerkmal, das uns Jesus zugesteht:
Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander lieben sollt, damit, wie
ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt.
35 Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn
ihr Liebe untereinander habt. (Joh. 13:34-35)
Halten wir uns auch vor Augen, dass uns in Zeiten der Anfechtung
und Verfolgung nichts bleibt als die Liebe untereinander. Erst wenn
die Liebe weg ist, wird es krass. Wenn die Liebe erkaltet und die Ungerechtigkeit überhandnimmt (Math. 24:12), dann ist das Gericht auch
über das Haus Gottes hereingebrochen, wie Petrus es vorausgesagt hat
(1. Petr. 4:17). Als Jesus das gesagt hatte, dass die Liebe erkalten wird,
sprach er von der Agape-Liebe, also der Gottesliebe, von der wir gesagt
haben, dass sie vom Heiligen Geist kommt. Also kann er dann auch
nur die Gläubigen gemeint haben, denn die Agape-Liebe ist den Ungläubigen
nicht verfügbar. Wir sind es also, die erkalten können, indem
wir die Liebe verlieren und dadurch das Gericht Gottes auf uns ziehen,
wie Petrus es sagt. Wenn wir aber nicht erkalten, was liegt näher als zu
glauben, das Gott uns mitten im Gericht bewahren wird, wie das Haus
Israel im Lande Gosen, als ganz Ägypten von den Plagen getroffen war,
außer das Volk Gottes, das auf seinen Auszug wartete.

Vielleicht sagt mir hier jemand, dass es doch egal ist, aus welchen
Motiven man Armen hilft, Hauptsache, es wird geholfen. Rein rechnerisch
mag das stimmen, und ich will auch gar nichts dagegen sagen,
aber die Nachhaltigkeit einer Hilfsaktion ist mit Sicherheit wesentlich
höher, wenn das Motiv christliche Nächstenliebe ist.
Auch wenn sich infolge vieler Bekehrungen eine Gesellschaft transformiert,
und ich sage nicht, dass das nicht schon der Fall war, dann ist
das lediglich ein willkommenes Nebenprodukt der Verkündigung des
Evangeliums, von dem wir wissen, dass es nur vorübergehend genossen
werden kann. Denn das Prophetische Wort sagt uns deutlich, dass die
negativen Kräfte in der Gesellschaft in dieser Zeit, bis zur Wiederkunft
Christi, nicht überwunden werden können. Wenn wir dieser Erkenntnis
zuwiderhandeln und falsche Bündnisse schließen, dann werden wir von
diesen negativen Kräften auch vereinnahmt werden. Das hat die Kirchen-
und Missionsgeschichte oft genug bewiesen, und es sollte nicht
so sein. Nicht umsonst haben gerade Christen in der amerikanischen
Verfassung auf eine strikte Trennung von Kirche und Staat gedrängt.
Lieber zig Konfessionen und Religionen im Lande – ja, sogar Freiheit
für Atheisten hatte man sich auf die Fahnen geheftet, weil man schon
wusste, dass dies besser wäre als eine Denomination oder Religion im
Bunde mit staatlicher Macht. Davon hatten die aus Europa gekommenen
Gläubigen die Nase voll. Leider scheinen das viele Amerikaner heute schon vergessen zu haben. Mit Sorge kann man die zunehmende Politisierung sogar Evangelikaler Gemeinden betrachten. Traurigstes Beispiel der jüngsten Geschichte ist dieser angebliche Pastor Terry Jones109, der meint mit einer Koranverbrennung das
Abendland retten zu müssen (21. März 2011). Wie kann man einen solchen Menschen Bruder nennen? Nach meiner Sicht der Dinge ist er ein Werkzeug, nicht des dritten, sondern schon des vierten Apokalyptischen Reiters. Er und seine Anhänger sind mitverantwortlich für den Terror künftiger Jahrzehnte, der jetzt schon entfacht wird. Dies ist das exakte Gegenteil von christlichem Machtverzicht und hat mit geistlicher
Haltung nicht das mindeste zu tun. Die Mitglieder dieser Gemeinde, mdie wie ihr Pastor bewaffnet in den Gottesdienst gehen, tun gut daran sich selber zu schützen, denn mit einem göttlichen Schutz brauchen sie nicht zu rechnen. Das ist wahrhaft antichristlich; nicht einmal die Geistlichen der mittelalterlichen katholischen Kirche hatten sich bewaffnet und hier soll es sich angeblich um eine evangelikale Freikirche handeln.
Da ist eine deutliche Distanzierung mehr als angebracht.

Wie schon gesagt: der Antichrist heißt nicht so, weil er gegen
Christus ist, sondern weil er ein „Gegenchristus“ sein will. Er wird sich
mit Macht als „der eigentliche Christus“ anbieten, der die Gesellschaft
über die Machtmittel der Gesellschaft erretten will. Dazu braucht er
aber ein Christentum, das sich von der Politik hat vereinnahmen lassen,
ein ideologisches Christentum, und wir haben gesehen, wie sich die
Dämonen der Moderne auf Politik und Ideologie verstehen. Wenn
wir aber auch nur im Ansatz mit den Mitteln der Dämonen kämpfen
wollen, werden wir den Kampf verlieren, sie werden uns direkt in seine
Arme treiben.
Unsere Waffen sind die des Geistes und der Liebe. Liebe aber lebt
aus persönlichen Beziehungen. Einander achten, einander tragen,
Ehrlichkeit und Offenheit, Geduld und Glaube, das sind die Strategien
der Liebe, mit der kein Dämon etwas anfangen kann. Bei aller Kunst,
sich zu verstellen und der Menschheit vorzugaukeln, das Beste für sie
zu wollen, echte Liebe kann der Teufel nicht geben, diese Maske wird ihm immer wieder vom Gesicht fallen und seine Fratze sichtbar werden
lassen. Das Friedensreich des Antichristus wird die alte verlogene
Pax Romana sein, die auch zur Zeit Jesu herrschte, mehr kann und
will er auch gar nicht geben. Als Preis verlangt er jedermanns Leben,
wie alle seine Vorläufer, für die jemals Menschen in den Krieg gezogen
sind. In Glaube, Hoffnung und Liebe liegt aber unsere Zuflucht nach
1. Kor. 13, das sollten wir sehr ernst nehmen.

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