newsletter: Verax Institut Informationsbrief 12.02.2014 (Dr. Martin Erdmann)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann www.veraxinstitut.ch + www.auraria.eu 12.02.2014)

Themen:

°  Bemerkungen zu den Ringvorlesungen an der STH Basel
°  Text der Ringvorlesungsbroschüre

Liebe Freunde des Verax Instituts

° Bemerkungen zu den Ringvorlesungen an der STH Basel

Wie sich die Zeiten ändern können!

Als ich Herrn Thiessen Ende 2006 darum bat, mich bei einer Protestaktion gegen die
Propagierung der Transformationstheologie (Anlass war der Willow Creek Kongress
in Bremen unter Beteiligung von Rick Warren) mittels eines kurzen Text, den ich
auf meiner Webseite veröffentlicht hätte, zu unterstützen, meinte er, dass dies
für ihn von keinerlei Interesse sei und er sich lieber die Zeit nehmen möchte,
seine Studenten im NT zu unterrichten. Anscheinend ist dieses Thema nun doch
nicht ganz so uninteressant, wie er noch vor etwas mehr als sieben Jahren
meinte.

Im März und April lädt die STH Basel zu Ringvorlesungen im Fachbereich Religions- und Missionswissenschaft über die Transformationstheologie  und -missiologie ein. Zwei Gegnern dieser Theologie bzw. Missiologie, Prof.Dr. Rolf Hille und Prof. Dr. Peter Beyerhaus, stehen drei Befürworter gegenüber. Es handelt sich um folgende Dozenten: Dr. Stefan Schweyer, Dr. Mathias Burri und Dr. Andreas Loos. Interessant an den an dieser Veranstaltung teilnehmenden Referenten ist, dass Prof. Dr. Beyerhaus erst durch die Lektüre meines Buchs Der Griff zur Macht auf die Problematik der
Transformationstheologie gestoßen ist und daraufhin den größtenteils
hervorragenden Tübinger Aufruf verfasste, den er mir vor Veröffentlichung in
mehreren Rohfassungen zur Korrektur vorgelegt hatte. Es überrascht etwas, dass
Prof. Dr. Rolf Hille, der ehemalige Rektor des Abrecht-Bengel-Hauses in Tübingen
und jetzt Honorarprofessor in Gießen, sich gegen die Transformationstheologie
ausspricht, zumal er als Direktor für ökumenische Angelegenheiten der Weltweiten
Evangelischen Allianz eigentlich von Theologen umgeben ist, die dieser Theologie
nahestehen bzw. sie mit voller Überzeugung vertreten. Dr. Stefan Schweyer ist
Dozent an der STH Basel. Dr. Loos und Dr. Burri kommen von zwei weiteren
einflussreichen theologischen Seminaren in der Schweiz (IGW Zürich und
Theologische Seminar St. Chrischona). Dass diese ihr positives Votum für die
Transformationstheologie abgeben werden, dürfte mittlerweile keine Neuigkeit
mehr sein.

Als ich selbst vier Jahr an der STH Basel als Dozent tätig war, erschien mir oberflächlich betrachtet, die theologische Orientierungslosigkeit der theologischen Hochschule ein Problem zu sein. In meinen Vorlesungen über den Römerbrief vertrat ich die Reformatorische Theologie („Gnadenlehre“) während nebenan im zweiten Vorlesungssaal zur gleichen Stunde Dr. Urs Schmid in seinem Kurs über evangelistische Methoden die reine Pelagianische Theologie („Selbsterlösungslehre“) eines Charles G. Finney seinen Studenten vermittelte. Bei näherer Betrachtung und im Gespräch mit den Studenten zeigte sich jedoch relativ schnell, dass eine theologische Grundposition von den Studenten eingenommen wurde, die sich deutlich von der Reformatorischen Theologie abhob, ja sich dieser widersetzte; soweit sogar, dass man mir vonseiten der Studenten den Vorwurf machte, in der Vergangenheit – sprich:
Reformationszeit – stecken geblieben zu sein und nicht begriffen zu haben, dass
sich die Theologie mit der Zeit gewandelt habe. Es überraschte mich deshalb
nicht, dass damals vor mehr als zehn Jahren einer der kurz vor der Absolvierung
stehenden Studenten ein 45-minütiges Referat hielt, in dem er sich für die These
aussprach, dass der Mensch durch Werke vor Gott gerecht werden könne. Als ich
diesen Vorfall Prof. Külling meldete, sagte dieser nur, dass der Student das
Evangelium noch nicht ganz verstanden hätte und ich es ihm noch einmal erklären
müsse. Ich fragte mich, wieso dieser Student überhaupt sein Studium an der STH
Basel anfangen durfte, wenn ein klares Bekehrungszeugnis Voraussetzung der
Aufnahme war. Und was hat er in den knapp fünf Jahren des Theologiestudiums an
der STH Basel über das Evangelium gelernt? Was würde er als angehender Pastor
seiner zukünftigen Gemeinde an Theologie vermitteln?

Seit einiger Zeit hat die jetzige Leitung der STH Basel versucht, über die Durchführung von Studientagen und Ringvorlesungen ihren Studenten und einem interessieren
Publikum diametral gegenüberstehende theologische Position vorzustellen, um dann
anschließend in einer Podiumsdiskussion zu einem wenn möglich gegenseitig
akzeptablen Konsens zu kommen. Das mag nach außen hin den Eindruck vermitteln,
dass man sich objektiv zwei gegensätzlichen Positionen in der evangelikalen
Theologie stellt und den Studierenden und anderen Zuhörern die Freiheit lässt,
sich auf die eine oder andere Seite zu stellen. Meiner Meinung nach trügt dieser
Eindruck einer vermeintlichen Objektivität gegenüber zwei oder mehreren
Sichtweisen, die zwar in den weitgesteckten Rahmen evangelikaler Theologie – so
sagt man – hineinpassen, aber doch gegensätzliche Auffassungen vertreten. Doch
selbst dann, wenn es tatsächlich so wäre, erscheint mir diese Vorgehensweise
weniger hilfreich zu sein. Ein in der Öffentlichkeit klar geäußerter Hinweis auf
die höchst bedenklichen Aspekte der Transformationstheologie wäre meines
Erachtens viel hilfreicher, als Referenten einzuladen, die Befürworter von zwei
sich grundsätzlich widersprechenden theologischen Ansichten sind, wobei gerade
die von STH-Dozent Dr. Schweyer favorisierte Position, die Reformatorischen
Theologie in ihren Kernaussagen verwirft (zumindest sehe ich dies so). Die Frage
drängt sich auf: Wieso wird ihm dies gestattet, wenn sich die Hochschule in
ihrem Leitbild als eine Institution darstellt, die wissenschaftliche Forschung und Lehre auf evangelisch-reformatorischer Glaubensgrundlage betreibt und weiterhin als
bibeltreu gelten möchte?

Ich für meinen Teil scheue mich nicht, die Transformationstheologie und –missiologie als nicht bibelkonform zu verwerfen und mich positiv für die Reformatorische Theologie
auszusprechen.

° Text der Ringvorlesungsbroschüre

Ringvorlesung im Fachbereich Religions- und Missionswissenschaft

In der öffentlichen Diskussion der letzten Jahrzehnte ist mitunter der Eindruck
entstanden, dass Mission der Vergangenheit angehöre und durch das
interkulturelle Gespräch der Religionen ersetzt werden kann. Evangelikale und
klassische reformierte Missionstheologie haben demgegenüber an der
Unverzichtbarkeit von Mission in heilsgeschichtlicher Perspektive und gemäss dem
biblischen Zeugnis hingewiesen. Die neuere missionale Richtung evangelikaler
Missionstheologie legt den Akzent stark auf die Transformationsprozesse durch
christliche Verkündigung, die Verwandlung der Gesellschaft in Richtung auf das
Reich Gottes schon in dieser Welt. Demgegenüber meldete sich reformatorischer
Widerspruch, namentlich in der von Peter Beyerhaus initiierten «Tübinger
Erklärung»: Die Aussendung des Wortes Jesu Christi dürfe nicht durch soziale
Transformationsprozesse überlagert werden. Diese Differenz ist unverkennbar. Die
Vorlesungsreihe dient der Orientierung über die Grundlagen von Mission. Sie soll
zu einer umfassenden und gerechten Würdigung beider Seiten beitragen, wobei zu
bedenken ist, dass Mission längst nicht mehr nur ein Thema der sogenannten
«Dritten Welt» ist, sondern auch den Gemeindebau in Europa betrifft.

Jeweils Mittwoch 18.00 bis 19.30 Uhr an der STH Basel,
Mühlestiegrain 50, 4125 Riehen, Hörsaal I und II

Einführung und Diskussionsleitung: Prof. Dr. Harald Seubert

19. 3. 2014 Prof. Dr. Rolf Hille (Heilbronn/Gießen): Die Kontroverse um die Transformationstheologie im Horizont der gegenwärtigen ökumenischen Missionstheologie

26. 3. 2014
Prof. Dr. Peter Beyerhaus (Tübingen): Die Position des Tübinger Appells
im Licht des trinitarischheilsgeschichtlichen Missionsverständnisses

2. 4. 2014 Dr. Stefan Schweyer (STH Basel): Kurzreferat: Salziges Salz – Welche
Kirche braucht die Welt?

Dr. Mathias Burri (IGW Zürich): Kurzreferat:
Auf dem Weg zu einer missionalen theologischen Ausbildung? Impulse aus
ökumenischer und evangelikaler Perspektive

Dr. Andreas Loos (Theologisches Seminar St. Chrischona): Kurzreferat: Unerledigte Aufgaben missionaler Theologie aus dogmatischer Sicht

Mit anschliessender Podiumsdiskussion

Herzliche Grüsse,
Dr. Martin Erdmann

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