Der endzeitliche Taumelkelch (Alexander Seibel)

(Quelle: Georg Walter distomos.blogspot.de)

Wer sich also an der Schrift orientiert, wird wenig Schwierigkeiten haben, diesen Geist zu durchschauen.

Alexander Seibel

Traumkelch

Die Bibel erklärt mehrmals, wie das Gericht Gottes mit Berauschung einhergeht: »So spricht der Herr, der Gott Israels: Alle Krüge werden mit Wein gefüllt. Und wenn sie zu dir sagen: Wer weiß denn nicht, daß alle Krüge mit Wein gefüllt werden? so antworte ihnen: So spricht der Herr: Siehe, ich will alle, die in diesem Lande wohnen, die Könige, die auf dem Thron Davids sitzen, Priester und Propheten und alle Einwohner Jerusalems mit Trunkenheit füllen … und sie ohne Mitleid verderben.« (Jer. 13, 12-14). »Du ließest deinem Volk Hartes widerfahren, du gabst uns einen Wein zu trinken, daß wir taumelten.« (Ps. 60, 5).

Der falsche Geist wirkt wie ein Taumelkelch und führt zu einem berauschten Zustand, verbunden mit mangelnder Selbstkontrolle. »Starret hin und werdet bestürzt, seid verblendet und werdet blind! Seid trunken, doch nicht vom Wein, taumelt, doch nicht von starkem Getränk! Denn der Herr hat über euch einen Geist des tiefen Schlafs ausgegossen . . .« (Jes. 29, 9-10). Der Herr Jesus ermahnt uns gerade in seinen Wiederkunftsreden, besonders wachsam zu sein. In Erinnerung der spiritualistischen Gebetspraktiken von Agnes Sanford, erhält der 4. Vers von Jes. 29 eine geradezu verblüffende, endzeitliche Aktualität: »Dann sollst du erniedrigt werden (das Gericht beginnt bekanntlich am Hause Gottes, Anm.) und aus dem Staube mit deiner Rede murmeln, daß deine Stimme sei wie die eines Totengeistes (!) aus der Erde, und deine Rede wispert aus dem Staube.«

»Denn so sprach zu mir der Herr, der Gott Israels: Nimm diesen Becher mit dem Wein meines Zorns aus meiner Hand und laß daraus trinken alle Völker, zu denen ich dich sende, daß sie trinken, taumeln und toll werden vor dem Schwert, das ich unter sie schicken will. . . Trinkt, . . . dass ihr niederfallt und nicht aufstehen könnt vor dem Schwert, das ich unter euch schicken will« (Jer. 25, 16-17 u. 27).

Reinhard Bonnke, der auch auf dem charismatischen Treffen von Volkhard Spitzer in Berlin »Olympia 81« sprach, berichtet in seiner Schrift »Revival Report« (Erweckungsbericht Vol. 11, Nr. 3/4, 1981), wie in einem Stadion in Südafrika 3500 Menschen nach vorne kommen, um die Geistestaufe zu empfangen. Innerhalb von fünf Sekunden werden sie von einer Kraft, die leider, wie so oft in unseren Tagen, mit Gott verwechselt wird, zu Boden geschlagen, wobei sie in Zungen reden. Die meisten liegen bezeichnenderweise wiederum auf dem Rücken und etliche können erst wieder aufstehen, wenn sie die Seelsorgehelfer von Reinhard Bonnke angerührt haben. Welche eine beklemmende vorschattende Erfüllung von Jer. 25, 27 ist doch dies bereits. Wir leben wirklich in den letzten Tagen.

»Macht es trunken; denn es hat sich gegen den Herrn erhoben!« (Jer. 48, 26). Kaum eine Generation hat so die Gebote abgeschafft und sich gegen Gott erhoben, wie die gegenwärtige. Es sollte nicht überraschen, daß wir berauscht werden.

Die Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg hat ein Buch mit dem Titel »Jugend in Trance?« herausgebracht. Es wird klar gezeigt, wie diese Generation immer mehr einem Rausch verfällt und es wird festgehalten: »Trance nennen wir einen Zustand, in dem der Mensch nicht mehr die vollständige Kontrolle über sich selbst besitzt. Um in Trance zu verfallen, genügt schon das Starren in eine mit Wasser gefüllte Glaskugel oder das konzentrierte Betrachten eines weißen Kreidekreises auf einem schwarzen Fußboden. Es bedarf dazu also keineswegs unbedingt der Anwesenheit eines Hypnotiseurs. Der Effekt der Autosuggestion oder Selbsthypnose ist allgemein bekannt. . . Was besagt dies für die Diskothek? Dort sind zumindest die äußeren Umstände für Trance oder leichte Hypnose gegeben: ekstatischer Tanz, hilfreiche Gruppenatmosphäre und Musik mit einem stetig stampfenden, betäubenden Rhythmus. Denken wir an die Äußerungen der Jugendlichen: >Wenn ich die Diskothek verlassen hab, so ist mir nach einiger Zeit, als wenn ich aus irgendeinem Traum erwache< .« (»Jugend in Trance?«, Quelle & Meyer, Heidelberg, 1979, Seite 77-78). Ein Berauschter erkennt gewöhnlich nicht die Gefahr, die auf ihn zukommt, er überschätzt sich und ist nicht mehr imstande, seinen eigenen Zustand richtig zu beurteilen. Sehr oft gibt es ein schlimmes Erwachen. »Denn der Kelch wird auch zu dir kommen, daß du trunken wirst und dich entblößest.« (KL. 4, 21). Die. Gruppendynamik führt zur Entblößung der Seele. Die sexuelle Revolution und Enthemmung unserer Tage aber hat zu einer Entblößung des Leibes geführt, wie selten nur in der Geschichte der Menschheit jemals zuvor. Im Buch der Offenbarung sehen wir dann, wie Babylon die große den Taumelkelch allen Völkern gereicht hat (17, 2). Es wurde kurz erwähnt, wie die römische Kirche viele babylonische Züge trägt. Von daher überrascht es auch nicht, daß Charismatiker immer mehr mit dieser Kirche sympathisieren und sich zu Rom hingezogen fühlen. So berichtet David du Plessis, der sogenannte Mr. Pentecost, in »Christian News«: »Die katholische Kirche ist für mich von ungeheurem Interesse geworden und ich frage mich manchmal ob ich nicht katholischer als manch ein Katholik bin.« (Zitiert in einer unveröffentlichten Arbeit von Stan Motherwell, »The modern Tongues Movement, where is it headed?«). Man hat von dem bezaubernden, vernebelnden Taumelkelch der Kirche Roms in Form dieser Zungengeister getrunken. Über seine Geistestaufe berichtet David du Plessis: »Doch ehe ich mich versah, begann ich zu lachen wie noch nie in meinem Leben. Niemand stoppte mich … Ich hielt mir den Bauch und sagte: Herr, mehr ertrage ich nicht. Hilf mir… hilf mir auszudrücken, was ich fühle!; Und wieder wollte ich ;Halleluja; zu rufen beginnen, aber ich brachte nur das ;Hallt; heraus, . . . dafür begann ich, in neuen Zungen zu sprechen, Worte, die ich nie zuvor vernommen hatte.« (Bob Slosser, »Man nennt ihn Mr. Pentecost«, Rhema Verlag, Seite 37). Dies erinnert nun tatsächlich mehr an unnüchterne, seelische Berauschung, als an die ernste Heiligkeit des Geistes Gottes. Mehr und mehr werden wir heute berauscht durch Sex, Droge, laute Musik (besonders harteRockmusik hat physiologisch die gleiche Auswirkung wie die Droge), Alkohol, Fernsehen, Astrologie, Okkultismus und Mystizismus. Im Spiegel war ein Leitartikel über Astrologie mit der Überschrift »Mode-Droge Astrologie« und es wird berichtet, daß 54% der Deutschen bereits regelmäßig das Horoskop lesen (»Der Spiegel«, Nr. 49, 1981). Babylon, die große, zu deren Urweisheit ja die Astrologie gehört, ist tatsächlich wieder im Erstehen. Man hört von Sterbeerlebnissen, von »Unheimlichen Begegnungen der dritten Art«, UFOs, Krieg der Sterne, PSI, Hellsehen, Yoga, Schweben durch TM, Akupunktur, Autogenem Training. Es wird einem Pendeln ebenso vorgeschlagen wie die magische Kraft der Hexenkunst, Tischrücken, Hypnose und Kontaktaufnahme mit Toten sind in Amerika, und nicht nur dort, zu beliebten Partyspielen geworden. Es sollte, im Soge dieses mystischen Endzeitsgefälles, von daher nicht überraschen, wenn Thomas Molnar in »Zeitbühne« zum Thema »Das Okkulte; Wahrheit und Schwindel« folgendes schrieb: »Ein im Augenblick erfolgreiches amerikanisches Buch, Shaman’s Doorway;, zählt unter den modernen Kulten und >Trips< die folgenden auf: Zen, Macrobiotics, Weltraumreisen, Zauberei, ;Tarot;, Yoga, Voodoo, Astrologie, Handlinienlesen, ;In Zungen sprechen; und andere ;außerpersönliche Psychologien;.« George Tarleton erwähnt in seinem Büchlein »The Occult Mushroom« (Revelation Press, 1973, Seite 14), daß ein Jugendarbeiter in England 80000 Schulkinder im Alter zwischen 13 und 15 Jahren befragt hat. Er fand heraus, daß 80% (!) von ihnen praktische Erfahrung mit dem Ouija- Brett (Psychograph, eine Geisterbefragung) oder mit Levitationsexperimenten haben. Es überrascht von daher gesehen nicht, daß in den dortigen Gemeinden das Zungenreden sehr verbreitet ist. Solche spiritistischen Praktiken sind der ideale Nährboden für die Zungenbewegung. An anderer Stelle seines Buches klagt er darüber, daß sein Land (England) dabei ist, auf einen psychischen Trip zu gehen. Dabei schrieb er dies schon 1973. Die Berauschung ist aber in der Zwischenzeit nicht geringer, sondern nur noch schlimmer geworden. So beklagt ein weltliches Blatt: »Jeder hat über ;Yoga;, ;transzendentale Meditation;, ;Ying-Yang;, Sufismus und dergleichen Kulte gehört; viele sind in irgendeiner Weise direkt damit in Kontakt gekommen. Man hört und liest über Biorhythmen, Telepathie, außersinnliche Wahrnehmung, Telekinese, Astrologie, UFOs, Zeitreisen und was der Spinnereien mehr sind. Jeder kennt aus den Massenmedien oder aus dem Bekanntenkreis Fälle, wo jemand mit verschiedensten chemischen Substanzen ;kosmische Erfahrung; und Bewußtseinserweiterung anstrebt, und niemanden ist es entgangen, daß die Welt zur Zeit die schwerste Rauschgiftepidemie erlebt.« (»Kommt jetzt das Zeitalter des Wassermanns?«, Krieg dem Rauschgift, August 1980). »Und ich habe die Völker zertreten in meinem Zorn und habe sie trunken gemacht in meinem Grimm…« (Jes. 63, 6). Der mystische Trend ist unheimlich und es ist erschreckend, wie sehr er auch schon die Gläubigen erfaßt hat. Jemand hat einmal festgestellt, daß wir in einem nachliterarischen Zeitalter leben. Früher war das größte Machtmittel das Wort, heute ist es über das Fernsehen das erlebnishafte Bild geworden. Ähnlich verläuft die Entwicklung in den Gemeinden. Früher: Es steht geschrieben. Heute: Ich habe erlebt. Man hört von Visionen, Stimmen, Heilungen, Zeichen, Wundern, Engel- und Jesuserscheinungen, Weissagungen, Zungenbotschaften, Sterbeerlebnissen; die Gläubigen haben nun auch ihre berauschende Musik, – nachdem Musik ja angeblich wertneutral sei, können wir ruhig diese heißen Rhythmen auch den Gemeinden vorsetzen – man liest von Totenauferweckungen, Leute behaupten vom Paradiese zurückgekommen zu sein, man wird eingeladen zu passiven Bildmeditationen und Betrachtungen, kreativem Malen von Gebeten usw. Tatsächlich, diese Generation der letzten Tage hat, Gläubige wie Ungläubige, in tiefen Zügen vom Gerichtskelch Gottes getrunken, wie die zunehmende charismatische Woge so eindrücklich zeigt. So stellt auch John MacArthur, Jr. fest: »Leute werden vom Geist >erschlagen< (umgeworfen). Eine Frau berichtet, einen neuen Nabel erhalten zu haben. Ein Mann namens Marvin Ford bezeugt, wie er tatsächlich im Himmel und zurück gewesen ist. Erstaunliche Erfahrungen dieser Art scheinen an der Tagesordnung zu sein, da Gott, in einem offenbaren hyperkinetischen Aufbruch eine übernatürliche Show abzieht, übertroffen nur noch durch die Sechstage-Schöpfung und die ägyptischen Plagen!« (»The Charismatics«, Zondervan, 1980, Seite 11).

Die Väter richteten noch Schutzwälle auf und suchten diese trügerischen Fluten einzudämmen. Martin Luther erklärte sogar: »Diejenigen, welche Offenbarungen und Träume im Munde führen und suchen, sind Gottesverächter, da sie mit seinem Wort nicht zufrieden sind. Ich erwarte in geistlichen Dingen weder eine Offenbarung noch Träume; ich habe das klare Wort; deshalb mahnt Paulus (Gal. l, 8), man solle sich daranhängen, auch wenn ein Engel vom Himmel anders lehrte.« (»Tischreden 5«, 6211, Fausel, Bd. II, S. 195).

Im Zuge der heutigen geistlichen »Entspannungspolitik« ist es aber üblich, klare Fronten abzubau-en. Der Zeitgeist verlangt Pluralismus, ist folglich ökumenisch und synkretistisch ausgerichtet. Viele Gemeinden und Gläubige sind heute einem Simson vergleichbar, der friedlich im Schoß seiner Henker eingeschlafen war und die Person liebte, die seine schlimmste Feindin war. Heute verteidigen Christen Strömungen und Phänomene, die sie in Wirklichkeit gerichtsreif machen.

So muß auch Dave Hunt konstatieren: »Bis vor kurzem haben die meisten Gemeindeleiter Hellsehen, Psychokinese, Exkursion der Seele und andere parapsychologischen Phänomene als okkult bezeichnet. Diese Einstellung ändert sich rasch. Im Jahre 1977 ist Morton Kelsey, ein bekannter Episkopal-Priester, der an der Notre-Dame-Universität lehrt, öffentlich für die Entfaltung parapsychischer Erfahrungen eingetreten. In seinem Buch ;The Christian and the Supernatural; (;Der Christ und das Übernatürliche;) beschreibt Kelsey Jesus als vergleichbar mit einem Schamanen (parapsychisch) und ermutigt Christen solche parapsychischen Kräfte wie Hellsehen, Vorherwissen und Telepathie zu entwickeln. Obwohl er zugibt, daß hierin einige Gefahren enthalten sind, glaubt Kelsey, daß die Entfaltung von ESP (außersinnlicher Wahrnehmung) innerhalb der christlichen Kirche dazu beitragen würde, die Wunder hervorzubringen, die in der Bibel verheißen sind.« (»The Cult Explosion«, Harvest House Publishers, 1978, Seite 7-8). Bei diesem Hintergrund überrascht es natürlich nicht, daß sich Kelsey für das Zungenreden stark gemacht hat.

Exkursion der Seele wird tatsächlich heute mehr und mehr als Wirken Gottes in christlichen Büchern angeboten. Wir haben es schon bei Demos Shakarian erwähnt. Roland Buck erfährt es: »Ich fühlte mich die ganze Zeit, während ich im Thronsaal war, sehr wohl, aber das Erlebnis war zu schnell vorbei. Plötzlich kam ich in mein Büro zurück und konnte mich selbst vornübergebeugt im Gebet sitzen sehen« (»Begegnungen mit Engeln«, Leuchter-Verlag, 1980, Seite 56-57).

Bilquis Sheikh machte solche Erlebnisse: »Ich ruhte mich eines Nachmittags aus und dachte an meinen Herrn, als ich plötzlich das Gefühl hatte, aus dem Fenster zu schweben. Ich war sicher, daß ich nicht schlief; ich schwebte durch das Filigran-Holzwerk (!) des Fensters und erblickte unter mir die Erde. Ich erschrak so sehr, daß ich entsetzt aufschrie, und da fand ich mich plötzlich wieder in meinem Bett. Mir war schwindlig, ich wagte kaum zu atmen« (»Allah mein Vater?«, Sonderausgabe des Orientdienstes, 1980, Seite 62).

»Rückkehr von Morgen« gehört ebenso dazu wie die anderen christlich verpackten Sterbe- und angeblichen Paradieseserlebnisse. Es ist unheimlich, wie sehr dieser Taumelkelch die Christenheit schon erfaßt hat.

In diesen endzeitlichen Sog, wo der Mensch immer mehr übernatürliche Eigenschaften entwickelt und sich apostolische wie göttliche Kräfte anmaßt, – sich dabei immer mehr zu Gott macht und aus dieser Überhebung heraus meint, über den souveränen Gott verfügen zu können – gehören auch die pantheistisch, magischen Lehren des Yonggi Cho. Sein Buch »Die vierte Dimension« ist voller Anleitungen, die über die Kraft positiven Denkens letztlich zur Selbsterlösung führen. »Darum ist das Sprechen in anderen Zungen das Anfangszeichen der Taufe im Heiligen Geist. . . Darum denke daran, daß Christus von dir abhängig ist und von deinem gesprochenen Wort (!), um Seine Gegenwart freizusetzen. Was wirst du tun mit diesem Jesus, der auf deiner Zunge liegt? Wirst du ihn freilassen zum Segen anderer oder wirst du ihn einsperren mit einer stillen Zunge und einem geschlossenen Mund?« (»Die vierte Dimension«, Verlag Missionswerk Der Weg zur Freude, 1978, Seite 75-76).

Bei solchen Ausführungen wird man nun tatsächlich an die erste Lüge in der Menschheitsgeschichte erinnert: »Ihr werdet sein wie Gott!«

Während der Heilige Geist eine Abhängigkeit von dem persönlichen Gott bewirkt, die gewöhnlich über Zerbruch läuft, wird in diesen Strömungen der angebliche Geist zu einer unpersönlichen Kraft, die nur zu oft körperlich wahrgenommen wird, über die der »Charismatiker« nach Belieben verfügen kann und die er gewöhnlich über Handauflegung weitergibt. Dies gilt natürlich nicht für jeden, der diesen Bewegungen angehört, doch diese Tendenzen sind erkennbar.

Zwar redet man heute viel von der Gabe der Unterscheidung der Geister, doch dürfte Paulus von diesem Charisma bei den Korinthern, die ja angeblich alle Gaben hatten, nicht zu viel gehalten haben. Muß er ihnen doch sagen: »Denn wenn einer zu euch kommt und einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfanget, den ihr nicht empfangen habt, … so ertragt ihr das recht gern!« (2. Kor. 11, 4).

Wer sich nur etwas Unterscheidung bewahrt hat, dem kann man solch einen Vorwurf wohl kaum machen. Doch sieht es heute im Prinzip leider ähnlich aus, besonders in den Kreisen, wo man sich bevorzugt auf die Korintherbriefe beruft.

Es entspricht also diese Bewegung wörtlich der Mystik und den medialen Strömungen der Endzeit. Insofern ist es rein vom historischen Standpunkt erwähnenswert, daß sich Goethe, als Mystiker hohen Grades, positiv zum Zungenreden geäußert hat. Also auch hier eine gleiche oder ähnliche Resonanz. »Die göttlichste Empfindung strömt aus der Seele in die Zunge, und flammend verkündigt sie die großen Taten Gottes in einer neuen Sprache, und das war die Sprache des Geistes. Das war jene einfache, allgemeine Sprache, die aufzufinden mancher große Kopf vergebens gerungen. In der Einschränkung unserer Menschlichkeit ist nicht mehr als eine Ahnung davon zu tappen . . . Die Fülle der heiligsten, tiefsten Empfindung drängte für einen Augenblick den Menschen zum überirdischen Wesen (!); er redete die Sprache der Geister (!), und aus den Tiefen der Gottheit flammte seine Zunge Leben und Licht … Mehr als Pantomime, doch unartikuliert, muß die Sprache gewesen sein.« (Zitiert bei Max Seiling, »Goethe und der Materialismus «, Verlag Oswald Mutze, Leipzig, 1094, Seite 138).

Es ist tatsächlich heute die Sprache der Geister (Goethe sieht das nicht negativ, für ihn war die Geisterweit sehr real). Es wurde bereits erwähnt (Seite 217), wie die Anhänger der »Munsekte« den Aufbruch dieser Gaben als ein Wirken von Lebensgeistern aus dem Paradies auslegen. Einezum Teil erheblich geistlich verblendete Christenheit sieht darin das Wirken des Heiligen Geistes. Doch wer noch von Gottes Wort her geprägte Sinne hat und sich nicht vom Zeitgeist hat vernebeln lassen, der kann erkennen, was sich hier wirklich abspielt, was von dieser charismatischen »Erweckung« tatsächlich zu halten ist.

Entsprechen doch diese Strömungen in verblüffendem Maße dem Zeitgeist. Die Korinther waren in ihrem Wachstum begrenzt (Kinder), in ihrem Wandel zuchtlos, sie tolerierten das Böse, sie waren in ihrer Praxis charismatisch und in ihren Lehren häretisch. Dies ähnelt zu sehr dem Zeitgeist dieser letzten Tage, in denen mehr und mehr die Gemeinde von der Welt geprägt wird, daß wir heute prompt die gleichen Zustände finden. So schreibt Gardiner: »Aber nicht nur ähnelte die Stadt (Korinth) in tragischer Weise unserer Zivilisation, auch die Gemeinde zu Korinth war ebenso tragisch ähnlich einem großen Teil des Christentums unserer Tage… Es ist gesagt worden, daß die Briefe an die Korinther die zutreffendsten Schriften des Neuen Testaments für die letzte Hälfte des 20. Jahrhunderts sind. Niemals wurde Wahreres gesagt« (»The Corinthian Catastrophe «, Kregel Publicarions, Grand Rapids, 1976, Seite 11).

Wer sich also an der Schrift orientiert, wird wenig Schwierigkeiten haben, diesen Geist zu durchschauen.

Auch hat es sich schon herumgesprochen, daß wir in einer ziemlich neurotischen Zeit leben und immer mehr Leute beim Psychiater landen. Manch einer meint nun in dem Streben und Ringen nach außergewöhnlichen Erlebnissen und Gaben und Praktizieren derselben, dadurch seine Minderwertigkeitsgefühle kompensieren zu können. Gerade solch psychisch labilen Menschen fällt der Wandel im Glauben oft schwer. Dafür sind sie um so anfälliger für Emotionen, Zeichen und Wunder und das total beseligende Erlebnis. Diese Zusammenhänge erklären auch, warum der größte Teil derer, die vor ihrer Bekehrung in Drogen verstrickt waren, in charismatischen Strömungen sich wiederfinden, sind es doch die gleichen Geister.

A. E. Ruark schreibt: »Der Leib ist der einfachste Einstiegsbereich für Dämonen . . . Aus diesem Grund drängen die Dämonen die Person, die Zungengabe anzustreben. Wenn ein Eingang einmal gewonnen ist, unternehmen sie Schritte für weitere böse Pläne, die zu nervösen Problemen und sogar Geisteskrankheiten führen. Statistiken zweier großer psychiatrischer Kliniken in den Vereinigten Staaten zeigen, daß zwischen achtzig und neunzig Prozent der Patienten von Gemeinden stammen, in denen Zungenreden praktiziert wird« (»Falsities of Modern Tongues«, Prairie Bible Institute, Seite 3-4).

(Eingestellt von S.Schad www.der-ruf.info 28.02.2014)

Alexander Seibel, 1982.

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