Gebetsaufruf: Christen in deutschen Gefängnissen (A. Eckermann)

(Quelle: Newsletter Dr. Lothar Gassmann www.l-gassmann.de)

Betreff: SchuzH-Info – Im Gefängnis

Liebe Freunde,

Am 24.04.2014 wurde Frau Anna Wiens festgenommen. Sie muss 8 Tage
Erzwingungshaft in der Justizvollzugsanstalt Gelsenkirchen absitzen. Grund:
Ihr Sohn weigerte sich, am staatlichen Sexual-Unterricht teilzunehmen; sie
und ihr Mann wollten ihren Sohn nicht zur Teilnahme zwingen, sie
respektierten das Persönlichkeitsrecht ihres Sohnes.

Wie Väter und Mütter vor ihr, die die Rechte ihrer Kinder und ihre
Erziehungsverantwortung (Art. 6 II Satz 1 GG) wahrnahmen, lernt Frau Wiens
das Gefängnis kennen. Dazu ein paar Eindrücke derer, die die Erzwingungshaft
bereits durchlitten:

Im Gefangenentransport geht es, wenn man Glück hat, direkt in die JVA, in
der die Erzwingungs­haft abzusitzen ist. Das ist für Frauen aus dem Großraum
Paderborn in der Regel Gelsenkirchen. Hat man Pech, geht der Transport über
mehrere Stationen, zunächst nach Bielefeld. Dort kommt man mit
Schwer-Kriminellen zusammen. Der Transport von Bielefeld über Hamm nach
Gelsenkir­chen kann einen ganzen Tag dauern. Mit zwei bis vier Gefangenen
zusammengepfercht in käfig­ähnlichen Zellen, werden Gefangene an
verschiedenen Orten aus- und eingeladen. Die einen schimpfen, fluchen,
rauchen, andere sind stumm; wenige erzählen ihre Lebensgeschichte. Der
Ver­lust der Freiheit und der Selbstbestimmung wird einem bewusst.
Aussteigen, weggehen zurück in seine Welt, in seinen Alltag, gibt es nicht
mehr – gefangen im Gefangenentransport.

Nach Kontrollen und ärztlicher Untersuchung in der Haftanstalt bekommt man
sein Essgeschirr, alle notwendigen Toilettenartikel und seine Bettsachen.
Was einem bleibt – wenn man Glück hat kampflos –, sind seine private
Kleidung und Lektüre. Dann geht es in die Zelle – kein Zimmer.
Zigarettenrauch empfängt einen, frisch oder abgestanden. Hier darf jeder
rauchen, solange er Ziga­retten hat, kaufen oder eintauschen kann. Fehlen
sie, ist der Nichtraucher zwar vom passiven Mitrauchen befreit, aber
unbefriedigte Nikotinsucht treibt die Zellengenossinnen unruhig hin und her.
In einem Fall wurde nach dem Aufseher gerufen und gerufen und um Zigaretten
gebettelt. Aber es gab keine. Dem Aufseher wurde es dann zuviel, und er
führte die Gefangene in den Aufenthaltsraum der Bediensteten. Dort konnte
sie sich aus den Kippen den Resttabak holen und sich „eine drehen“.

Entzugserscheinungen, nicht nur bei Nikotin-, sondern auch bei Alkohol- und
Drogensüchtigen gehören dazu. Bereits bei der ärztlichen
Eingangsuntersuchung wird nach der Drogenabhängigkeit gefragt und
gegebenenfalls die Menge an Methadon festgelegt. Beim Freigang finden
Tauschge­schäfte aller Art unter den Gefangenen statt; sogar echte Drogen
finden auf irgendwelchen Wegen auch immer in die Gefängnisse.

Als Erzwingungshäftling hat man Anspruch auf eine Einzelzelle; aber wenn
eine solche nicht frei ist, geht es auch – gesetzwidrig – in eine
Mehrbettzelle. Rauchen ist da selbstverständlich, und der Fernseher läuft 24
Stunden – ohne Kopfhörer!

In der Zelle befindet sich auch die Toilette – manchmal lediglich durch eine
schmale „spanische Wand“ abgetrennt. Schirmt man sich von der Mitinsassin
ab, ist man nicht geschützt vor dem Gefängnispersonal, das plötzlich durch
die Tür eintreten kann. Tastet hier nicht der Staat die Würde des Menschen,
des Gefangenen, an? Die Würde des Menschen ist unantastbar, so heißt es in
Art. 1 I GG.

Die Zellen sind von den Insassen in Ordnung zu halten. Da gibt es ganz
unterschiedliche Vorstel­lungen von Sauberkeit – auch beim
Gefängnispersonal. So muss man schon mal warten, bis man die
Reinigungsutensilien bekommt.

Erzft

Aber auch in der Einzelzelle ist das Gefängnis keine Oase der Ruhe und
Erholung. Aus den Nach­barzellen tönen Radio und Fernseher, über die Fenster
werden Gespräche geführt oder einfach sei­nem Frust freien Lauf gelassen.
Fällt die Zellentür ins Schloss, wird einem spätestens jetzt bewusst, was
der Entzug der Freiheit – die schwerste Strafe, die das bundesdeutsche
Gesetz vorsieht – bedeutet: Verlust der Selbstbestimmung, Verlust jeglichen
gesellschaftlichen Kontaktes, ausgeliefert einer Parallelgesellschaft, die
einem fremd, ja auch unheimlich werden kann. Einsamkeit und Untätigkeit
werden auch Frau Wiens, Mutter von 12 Kindern zwischen einem Jahr und
fünfzehn Jahren, zu schaffen machen.

Fjodor Michailowitsch Dostojewskij schreibt: „Physische Kraft ist im
Gefängnis nicht weniger nötig als moralische, um all die …
Unannehmlichkeiten dieses unseligen Lebens ertragen zu kön­nen.“

Warum das alles?

Nach dem Gesetz muss Erzwingungshaft nicht angeordnet werden. Die
Erzwingungshaft kann abgebrochen werden, wenn sich zeigt, dass sie nicht zum
Ziel führt. Bei allen Eltern, die wegen der Nichtteilnahme ihrer Kinder an
der schulischen Sexualerziehung in Erzwingungshaft genommen wurden, hat
selbst mehrfache Erzwingungshaft, sogar bis zu 40 Tagen, nicht zum Ziel
geführt.

Warum also die Erzwingungshaft?

Es bleibt das Geheimnis der Regierung von NRW, warum sie gegen Gesetz und
Recht unbeschol­tene Bürger, die ihre Elternverantwortung auf Pflege und
Erziehung ihrer Kinder ernst nehmen, mit der schwersten Strafe belegen, die
das deutsche Gesetz kennt – Entzug der Freiheit –, nur weil sie ihre Kinder
vor ein paar Stunden umstrittener staatlicher Sexualerziehung schützen.
______

Wer Frau Wiens schreiben möchte, hier ist die Adresse:

JVA Gelsenkirchen
z. Hd. v. Fr. Anna Wiens
Aldenhofstr. 99-101
45883 Gelsenkirchen

A. Eckermann
Schulunterricht zu Hause e.V.

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twitter AntiDominionist youtube AntiDominionist 29.04.2014

Ein Kommentar

  1. Liebe Geschwister im Herrn,
    Sagt man mir doch nach dass ich eine starke Christin sei, aber da kamen mir die Tränen, das ist zuviel. Ja wo stehen wir? Ich wünsche diesen Gläubigen Eltern viel Mut und Kraft, wir beten für Euch.
    Unser Herr Jesus sieht es Er hat es verheissen und Er lässt Euch nicht fallen, Er ist bei Euch, Er ist Sieger und lebt.
    Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst du mich. Psalm 138,7

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