Narzissmus (S.Schad) / Anbetung des Selbst (Georg Walter)

Narzissmus (S.Schad)

Hieß es bei dem Kirchenlieddichter Gerhard Tersteegen (1697-1769) noch in  seinem Kirchenlied “Gott ist gegenwärtig”  “…Gott steht in der Mitten, alles in uns schweige…”  so lärmt der moderne Zeitgeist-“Lobpreis” sinngemäß “Der Mensch steht in der Mitte und die Party dröhne und lärme“. Ist das wieder einmal komplett überzogen von mir?

worshipIch bedauere, es ist weder polemisch gemeint noch überzogen, wenn ich wie der nachfolgende Autor, Georg Walter, der die Anbetung des Selbst aufs Korn nimmt, behaupte, daß der sogg. christliche Lobpreis, worship, die Hillsong-Massenproduktion dem Narzissmus, der bösartigen Eigenliebe der modernen Pop-Kultur entspringt.

worship-3Michael W. Smith

Alleine der selbstherrliche Gestus, des “Lobpreis-Titanen”, Michael W. Smith erinnert mehr an den “Pop-Titanen” Dieter Bohlen, als an eine Anbetung Gottes in Heiligkeit. Viele dieser sogg. “Lobpreis”-Künstler, leben weltlich, so wie Xavier Naidoo, in unreinen Beziehungen und z.T. auch mit Drogen und haben häufig als weltliche Künstler begon-nen bis sie den christlichen Markt entdeckten. Der Produzent von Michael W. Smith produziert bekanntermaßen auch okkulte Künstler und verschiedene okkulte Symbole und Piktogramme zieren auch häufig die Cover der sogg. “christlichen Künstler”.

worship2Als ich mich 1997 durch die Gnade unseres HERRN JESUS bekehrte war ich zu Beginn sehr verwundert und verunsichert über die christliche Pop-Kultur. Es schien alles so ähnlich, wie im weltlichen  Pop-Business. Bands wie DC Talk, Delirious? oder P.O.D. klangen kaum anders als die weltlichen Rocker w.z.B . Nirvana oder The Cure … nur mit dem Unterschied, daß sie nicht von Sex, Drugs & Rock ´n Roll sangen, sondern anscheinend von Jesus Christus. Mir kam etwas faul vor … jedoch konnte ich nicht sagen was es war … ich spürte mehr einen falschen Geist, als daß ich hätte konkret sagen können, worin dieser falsche Geist besteht. Diese Erkenntnis dauerte auf Grund meiner weltlich geprägten Ohren und meiner Zugehörigkeit zu zeitgeistlich geprägten oder pfingst-charismatischen Gemeinden auch noch weitere Jahre, ehe ich mich klar vom christlichen Pop-Business mit seinen z.T. wunderschönen Liedchen verabschieden konnte.

Anbetung des Selbst (Georg Walter)

(Quelle: Georg Walter distomos.blogspot.de)

Wahrer Lobpreis: Gott verherrlichen und den Namen Jesus und Gottes Werk der Schöpfung und des Heils erheben

Was für ein verdrehter Geist sich in Teilen der charismatischen Lobpreisszene zeigt, wird deutlich an der charismatischen “Erweckung,” die unter dem Namen Toronto-Segen Anfang der 1990er Jahre in einer kanadischen Gemeinde der Vineyard-Bewegung John Wimbers ihren Anfang nahm, sich rasend schnell weltweit ausbreitete und bis heute in vielen pfingstlich-charismatischen Kreisen nachwirkt. Der “Heilige Geist” soll in jener Zeit auf die charismatische Gemeinde im kanadischen Toronto gekommen sein und ekstaseartige Rauschzustände bei Christen hervorgerufen haben, was man bis heute als den “Wein des Heiligen Geistes” bezeichnet. Menschen fielen um, lachten hysterisch, schüttelten sich oder gaben Tierlaute von sich – all dies soll das Wirken des “Heiligen Geistes” gewesen sein.

Katheryn Riss schrieb passend zu den Ereignissen jener Zeit, in der die Menschen den “Neuen Wein des Heiligen Geistes tranken” und “trunken vom Geist” unter eine “Lachsalbung” gerieten und sich wohl wie Menschen aufführten, die “von Sinnen waren” (1Kor 14,23). Es folgen einige Auszüge aus dem Lied The New Winos Drinking Song Number One, die den Leser ahnen lassen, was sich auf den “Erweckungsveranstaltungen” jener Zeit zugetragen hat (und sich bis heute gelegentlich beobachten lässt):

„… Komm einfach zur Party, die Gott gerade schmeißt. … Jetzt hat mich der Heilige Geist und ich bin außer Kontrolle. … Nun bin ich einfach ein Party-Tier, das am Trog Gottes weidet. Ich bin ein Jesus-Junkie und kann nicht genug kriegen! Ich bin ein Alkoholiker, süchtig nach diesem tollen neuen Wein. … Ich lache wie ein Idiot und belle wie ein Hund. … Ich krähe wie ein Hahn. … Ich lache und schüttle mich, ich schreie wie eine Eule! … So werde ich springen wie ein Hüpfstab und dann zu Boden fallen, weil der Heilige Geist am Wirken ist, und ich will MEHR.”[1]

Sofern es dem Leser nicht aufgefallen ist: Allein in diesem kurzen Auszug finden wir die Worte ich und mich zwölf Mal, Symptom einer ich-zentrierten und erfahrungssüchtigen Generation. Selbst Pfingstlern geht diese Art von “Anbetung” zu weit; der Pfingstler Charles Graves sieht die Ursachen für die Erfahrungen der „Lachsalbung“ in einem veränderten Bewusstseinszustand, der vor allem durch eine aufgeladene emotionale Atmosphäre erzeugt wird. Er verweist auf die Überbetonung charismatischen Lobpreises, die es bereits in der Spätregen-Bewegung (Latter Rain Movement) Ende der 1940er-Jahre gegeben hatte und erläutert, dass Anbetung in vielen christlichen Gemeinden nur noch ein Mittel zum Zweck darstellt, um nach einer möglichst ausgedehnten und emotionalen Lobpreiszeit, wenn es vermeintlich dazu kommt, dass “der Heilige Geist” fällt, wie charismatische Lobpreisleiter so häufig behaupten, eine besondere Erfahrung zu machen: “Dies ist in Wahrheit nichts anderes als Anbetung des Selbst oder geistlicher Narzissmus [Selbsverliebtheit], und unglücklicherweise… endet dies oft mit einem veränderten Bewusstseinszustand und mit der Öffnung für eine okkulte Erfahrung durch einen verführerischen Geist.”[2]

Und auch so manchem Charismatiker wie Clifford Hill (Großbritannien) sind die Fehlentwicklungen der charismatischen Lobpreiskultur nicht entgangen. Er schreibt im Jahre 2004 treffend, dass insbesondere die Anbetung der Charismatiker zu sehr von einem ich-zentrierten Individualismus charakterisiert ist, der das eigene Wohlergehen und die Vorteile, die ihr Glauben in Form von allerlei Segnungen für das eigene Leben mit sich bringt, in den Mittelpunkt rückt. Hill analysiert das charismatische Liedgut und zieht unverhohlen den Schluss, dass die banalen und sich immer wiederholenden Texte “in starkem Gegensatz zu der Erweckung unter Wesley im 18. Jahrhundert stehen, wo die Worte der Kirchenlieder Gott verherrlichten und den Namen Jesus und Gottes Werk der Schöpfung und des Heils erhoben. … Die meist oberflächliche Natur charismatischer Anbetung ist kennzeichnend für eine oberflächliche Theologie, die oftmals lediglich dem pragmatischen Zweck dient, eine geistliche Erfahrung zu stimulieren.”[3]

Persönliche Erfahrungen mit Gott, die emotionale Befriedigung durch ausgedehnte Lobpreiszeiten, das Gefühl, etwas Besonderes in den Augen des Herrn zu sein, die Lehre, Gott erfülle alle Bedürfnisse des Christen in Bezug auf Gesundheit, Finanzen und Wohlergehen und statte ihn mit göttlicher Vollmacht aus – dies alles sind Merkmale des charismatischen Wohlstandsevangeliums, das sowohl in den USA als auch zunehmend im deutschsprachigen Raum an Popularität gewinnt. Gemessen am Gottesbild des traditionellen Evangelikalismus noch vor wenigen Jahrzehnten ist diese Sichtweise vom biblischen Evangelium grundverschieden.

Das Buch Lobpreis, Anbetung, Worship: Die Bibel und die Musik kann bestellt werden: hier (als E-Book: hier).

hier einige Videos über den “Toronto Segen”:

“Manifestationen” des “Heiligen Geistes”: hier

20jähriges Jubiläum, “Prophetin” Stacey Campbell: hier

Alan Morrison, The Toronto Blessing – A different Gospel, hier

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twitter AntiDominionist youtube AntiDominionist 25.05.2014

3 Kommentare

  1. Ich muss leider sagen, dass ich die Kritik an Michael W. Smith nicht teilen kann, sowie auch nicht die pauschale Kritik an christlicher Rockmusik (die ja erst noch zu definieren wäre). Folgender Reffrain von MWSmith ist wohl kaum unter dem Niveau eines Teerstegen. Zumal Teerstegen als Mystiker der er auch war, den heutigen Charismatikern gar nicht so unähnlich war:

    You save me
    Save me from myself
    There is no one else
    I’d lean on
    Save me
    You save me from myself
    There is no one else that sets me free

    Ich finde es immer sehr schade, wenn eine Kritik, die im Grundsatz angebracht ist durch einen Rundumschlag und die Anwendung ungeeigneter Argumente die leicht zu widerlegen sind, für viele unglaubwürdig gemacht wird.

    Christlichen Narzissmus gibt es tatsächlich. Bestimmt ist auch mancher christliche Lobpreis daran mitschuld. Aber Deine Pauschale Verurteilung auf Grund von persönlichen diffusen Erfahrungen sind kein Argument. Das Christentum hat in seinem Liedgut immer Anleihen an der zeitgenössischen Musik gemacht, also wenn Du so willst dem Zeitgeist gehuldigt. Ist das grundsätzlich falsch? Dann wäre auch Tersteegen und viele andere mit ihm dessen angeklagt. Doch es ist in Wirklichkeit so, dass es das paulinische Gebot für Missionsarbeit: dem Juden ein Jude, dem Griechen ein Grieche zu sein, einfach erfordert, im den Menschen nicht nur in seiner Sprache sondern auch in seiner emotionalen Befindung anzusprechen. Musik ist die Sprache des Herzens sagt man und das ist auch Multiligual.

    1. Lieber Johann,
      ich muß gestehen, daß dieser Artikel etwas oberflächlich geschrieben ist. Ich hatte eine Quelle im Hinterkopf, die ich (wegen Verdächtigungen, daß u.a. John MacArthur Freimaurer wäre) nicht unterstütze, jedoch in diesem besonderen Fall auch weitergegeben hätte. Auf der Seite diewahrheitistnochda.de war ein Artikel eines Musikbusiness-Insiders der Einzelheiten über die Verbindungen christlichen Pop´s an Hand von Michael W. Smith zu einem okkulten Produzenten aufgeführt hat. Ich habe diesen Artikel gerade gesucht, aber leider nicht mehr gefunden.

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