Lobpreismusik kontra biblische Anbetung (TOPIC)

(Quelle: TOPIC)

Quizfrage: Wo in der Bibel wird zum ersten Mal Musik erwähnt? Eine Antwort darauf findet man im 1. Mose-Buch im Kapitel 4: Ein Nachkomme Kains mit Namen Jubal wird dort als „Vater aller Harfenund Flötenspieler“ erwähnt. Kains Kinder und Kindeskinder werden in diesem 4. Kapitel als verlorene, gottferne Geschöpfe beschrieben. Von daher wird Jubals Musik kaum der Anbetung Gottes gedient haben, sondern eher zur Unterhaltung. Im Zusammenhang mit dieser ersten Erwähnung von Musik in der widergöttlichen Linie Kains wird die erste Anrufung Gottes durch Enosch erwähnt – allerdings ohne instrumentale Begleitung. Ob Gottes Volk in dieser frühen Phase der Geschichte überhaupt Musik in irgendeiner Form gebrauchte, darüber schweigt Gottes Wort. Doch es berichtet uns, dass später Musik im Tempel zur Anbetung Gottes verwendet wurde.

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Der ehemalige Pfingstler Georg Walter macht in seinem Buch „Lobpreis – Anbetung – Worship: Die Bibel und Musik“ auf einen Zusammenhang aufmerksam, der auch für die heutige Anbetung Gottes richtungsweisend sein könnte: Das Alte Testament (AT) unterscheidet klar zwischen Musik zur Anbetung Gottes und weltlicher Musik. In der Tempelanbetung wurden vier Instrumenten-Gruppen benutzt: Zimbeln, Harfen, Zithern und Blasinstrumente. Andere Tonwerkzeuge, wie beispielsweise Schlaginstrumente (Tamburine, Trommeln etc.), werden im AT auch genannt, fanden aber nur bei Festen der Israeliten ihre Verwendung. Laut Walter könnten Evangelikale von heute aus dem Einsatz von Musik im Alten Testament lernen, dass sich „echtes Gotteslob, wahre Anbetung in Melodie und Rhythmus von weltlicher oder profaner Musik unterscheiden muss.“

Wer im Neuen Testament auf die Suche geht, um Hinweise für einen Einsatz von Instrumenten in Gottesdiensten zu finden, wird gänzlich leer ausgehen. Erst in der Offenbarung des Johannes werden Harfen erwähnt, die die 24 Ältesten zur Anbetung „des Lammes“ verwenden werden (Offb. 5,8).

Was wir im Neuen Testament finden können, sind Lobgesänge (Apostelgeschichte 16,25). Von einer instrumentalen Begleitung dieser ist nirgenwo die Rede.
Kann die Analyse des Alten wie des Neuen Testamentes in Bezug auf Musik einen Befund liefern? Walter, der sich 1984 in einer Pfingstgemeinde bekehrte, meint „ja“ und schreibt: „Wo immer wir uns in die Schrift vertiefen, sei es im Alten oder im Neuen Testament, wir stoßen stets auf die gleichen Prinzipien Gottes. Nicht Musik, Melodie oder Rhythmus sind Richtschnur oder Maßstab für biblische Anbetung oder Gotteslob, sondern die göttliche Botschaft – Worte der Wahrheit – und die rechte Herzenshaltung kennzeichnen das Wesen wahrer Anbetung.“

Dieses sieht der gelernte Krankenpfleger mit Bibelschul-Ausbildung auch durch seine weiteren Untersuchungen zum Thema Musik bestätigt – und zwar bei den Kirchenvätern und den Reformatoren. Die Reformatoren verurteilten keineswegs Musik, aber unterschieden streng nach weltlichen Kompositionen und musikalischer Begleitung zur Anbetung Gottes in Gottesdiensten. Wissend um den schlechten Einfluss der Trinklieder der damaligen Zeit, schrieb Luther: „Zusammen mit einigen anderen habe ich im Interesse von jungen Menschen, die eine musikalische Ausbildung erhalten müssen, eine Sammlung von geistlichen Liedern zusammengestellt, wenn wir sie von den fleischlichen und wollüstigen Liedern entwöhnen und ihr Interesse an dem wecken wollen, was gut und gesund ist.“ Dem Reformator Calvin war wichtig, dass Kirchenlieder ihre Grundlage ausschließlich im Worte Gottes haben sollten. Er unterschied streng nach Musik, die nur das Seelische im Menschen ansprechen konnte, und dem wahren Gotteslob, das den Geist nähren sollte. Für Walter ist das genau der Punkt, der heute in vielen Gemeinden falsch gemacht wird. Moderne Lobpreismusik wird bestimmt durch die Musikstile „der Welt“, spricht dadurch zumeist das Seelische im Menschen an und versperrt damit den Zugang von Gottes Wort zum Geist des Menschen.

Als Beispiel für die starke Förderung des Seelischen in der Anbetung Gottes unter den Evangelikalen nennt Walter den verstorbenen Charismatiker John Wimber. Der Amerikaner bekehrte sich als Rockmusiker und begann dann, christliche Inhalte zu Rockmelodien zu texten. Somit unternahm er genau das Gegenteil von dem, wofür die Reformatoren kämpften: Geistliche Texte brauchen auch einen geistlichen Musikstil. Wimber entwickelte fünf Stufen in der Anbetungsmusik, bei der in der letzten eine Trance- und Ekstase-Stufe erreicht werden konnte. Diese Stufe sei die „Heimsuchung Gottes“, so Wimber. Er betonte immer wieder, Gott müsse erfahrbar und fühlbar sein. Walter schreibt dazu: „Die Reformatoren lehnten einen seelischen, von Menschen ersonnenen Gottesdienst ab. All ihr Handeln orientierte sich an Gottes Wort, wie Luther es in seinen Tischreden einmal so treffend sagte: ‚Gott kannst du nicht dienen, du habest denn sein Wort und seinen Befehl. Ist nun sein Wort und sein Befehl nicht da, so dienst du nicht Gott, sondern deinem eigenen Willen …‘“

Walter dokumentiert in seinem Buch auch Aussagen von berühmten Komponisten von moderner Lobpreismusik, die sich mittlerweile kritisch zur Entwicklung der gesamten Lobpreis-Szene äußern. Einer der bekanntesten Lobpreis-Musiker ist der Kanadier Brian Doerksen. Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung seines Albums „Holy God“ (Heiliger Gott) sagte Doerksen zur Triebfeder dieser Produktion: „Die ist einfach darin begründet, weil mir bei der explosionsartigen Verbreitung der modernen Anbetungsmusik etwas große Sorge bereitet – die Oberflächlichkeit, die Menschen-Zentriertheit, die Banalität. Ich wollte etwas tun, was Gott und seine wesentlichen Attribute in den Vordergrund stellt. Ein Lied wie Holy God ist ein Lied an Gott, nicht ein Lied über unsere Gefühle gegenüber Gott … Auf diese Weise wollte ich sagen: ‚Denkt über Gott nach.‘“

Genau einen solchen Denkanstoß möchte Georg Walter mit seinem Buch weitergeben. Er schreibt: „Moderne Musikstile sind nicht an sich schlecht, nur weil sie modern sind. Sie sind in den meisten Fällen abzulehnen, weil sie sinnlich sind und das Seelische im Menschen fördern. Nicht die Emotionalität des Menschen ist gott-los, sondern der Emotionalismus, der nur noch das eigene Wohlempfinden im Blick hat und Gott ausblendet … Die Reformatoren kehrten vielfach zu einem Kirchengesang ohne jegliche musikalische Begleitung zurück. Musik wurde allenfalls dezent eingesetzt. Melodie und Rhythmus sollten einfach sein und durften keinesfalls an weltliche Lieder erinnern. Nach dem Willen der Reformatoren durfte die Musik niemals dazu führen, dass die Seele Oberhand über den Geist gewann. Das gesungene Wort, das in der Wahrheit des Evangeliums verortet war, die Botschaft des Liedes stand im Mittelpunkt der evangelischen Anbetung. Lieder sollten nicht mehr, aber auch nicht weniger als die gesungene Botschaft der Wahrheit des Evangeliums sein … Was die christliche Musikszene der letzten fünf Jahrzehnte angeht, muss man leider feststellen, dass sie besonders anfällig war, dem Zeitgeist zum Opfer zu fallen … Die ‚Musikmacher‘ der neueren Zeit öffneten sich zunächst langsam den weltlichen musikalischen Trends, um sie schließlich in den letzten zwei Jahrzehnten vollends in die Gemeinde zu übernehmen.“

TOPIC Nr. 07/2014

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3 Kommentare

  1. Ich bin auch sehr beeindruckt von den Märtyrerliedern der Täufer (Ausbund) – sie sind zwar nicht besonders gut, was die Lyrik betrifft (etwas “hölzern”), aber aufgrund des unmittelbaren Leidens um Christi Willen oft von einer wunderbaren Kraft und biblischen Orientierung. Ich kann mir vorstellen, dass Märtyrerlieder anderer Zeiten und Länder ähnliche Qualitäten aufweisen.

    Den gegenwärtigen Lobpreis empfinde ich als “Fließbandproduktionen” und “Verlagsprodukte”. Damit will ich nicht den einzelnen Liederschreiber verächtlich machen, der vielleicht wirklich aus einer tiefen geistlichen Bewegung heraus komponierte, sondern meinen Gesamteindruck formulieren. “Banalität” und “Oberflächlichkeit” (wie im obigen Artikel gesagt) kennzeichnen tatsächlich die meisten Lieder.

    Ich war unlängst zu Besuch in einer evangelikalen Gemeinde, und die Musik war derart gestaltet, dass ich mich kaum auf dem Sitz halten konnte (nicht, um zu tanzen, sondern um zu fliehen). Ich bewahrte die Contenance, stellte aber im Gespräch mit anderen danach fest, dass in den fünf Liedern die einzige Aussage über Christus war, dass Er für unsere Sünden gestorben ist. Andere Aspekte wurden gestreift, aber nicht besungen. Ich verwies auf die Psalmen und forderte heraus: “Wieviel steht in diesen Liedern über Gott, und wieviel von diesen Inhalten ist im modernen Liedgut präsent?”

    Die Bibel redet von Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern. Das sind drei “Gattungen” von Liedern, wenn man so will, die allein zur Zeit von Paulus bereits mehr als 1000 Jahre der Sammlung hinter sich hatten. Die frühen Christen schämten sich nicht, Lieder zu singen, die 100e oder gar 1000 Jahre alt waren. Unsere Gemeinden schämen sich oft Lieder zu singen, die über 30 Jahre alt sind.

    Was geht verloren? Der Bezug zu den Vätern im Glauben, deren Glauben wir nachahmen sollen – und dieser Glaube drückte sich unter anderem in ihren Liedern aus. Weiters geht ein großes Maß an Gotteserkenntnis verloren, weil sich die modernen Lieder nicht darum kümmern, sondern vorwiegend die eigene Anbetung (und die eigenen Gefühle) anbeten. Wir aber sollen “aus dem Vollen schöpfen”. Lieder dienen auch der Lehrvermittlung (man denke an die Maskile in den Psalmen), der gegenseitigen Ermahnung und Ermunterung.

    Es bedrückt mich jedesmal, dass man mir zwar zustimmt, wenn ich das einzelnen zu vermitteln versuche, aber dennoch bleiben die meisten Gemeinden beharrlich auf dem falschen Weg. Es fällt mir ausgesprochen schwer, an ihren Versammlungen mit Andacht und Freude teilzunehmen (was ich ohnedies nur falllweise als Gast tue). Ist es nicht schade, dass genau jene Aktivität, welche das Herz zu Gott erheben sollte, ernsthafte Christen besorgt und traurig macht?

  2. ich bin bei den “geschlossenen” Brüdern aufgewachsen, danach habe ich nie wieder
    eine so intensive Anbetung erlebt. Es wird niemand gehindert, einen Gottesdienst
    bei den “geschlossenen” Brüdern zu besuchen, nur am Brotbrechen = Abendmahl
    kann man nicht ohne “Zulassung” teilnehmen. Aber wer wissen will, was wirklich
    Anbetung ist, der sollte die Erfahrung eines solchen Gottesdienstes machen und
    dann vergleichen. – Meine Mutter hat mir beigebracht : Versuch macht klug.

    1. Sehr geehrter Bruder Johannes, gewiß bist Du gewahr, daß Deine persönliche Erfahrung in einer exklusiven Brüdergemeinde nicht unbedingt repräsentativ sein mögen. Ich erinnere mich noch lebendig, wie mir ein Bruder, der heute eine offene Versammmlung besucht, schilderte wie seine ursprüngliche Heimatgemeinde einer Tiefkühltruhe glich, in ihrer erstarrten Frömmigkeit.

      Herzliche Grüsse und Gottes Segen Dir & vielen Dank für Deine sehr geistvollen Beiträge
      Siegfried

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