Meinung: die neue “christliche” Militanz (S.Schad)

Als Benutzer sozialer Netzwerke wie facebook und Abonnent diverser newsletter, stelle ich mit Besorgnis eine zunehmende neue Kreuzzugmentalität und unchristliche Militanz in den Aussagen derer fest, die gleichzeitig ihre Treue zum Wort Gottes betonen.

Auffällig ist auch eine Zunahme sogg. christlicher Profile, die martialisch z.B. in goldenen Rüstungen, mit Schwertern versehen daherkommen … alles selbstverständlich als geistliche Waffenrüstung gemäß Epheser 6 zu verstehen … oder etwa doch nicht?

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Aufgehetzt durch echte oder z.T. auch gefälschte Gräuelfotos mit Geköpften und Gekreuzigten, die man aus Rücksicht gegenüber Minderjährigen und zart besaiteten Gemütern eigentlich gar nicht in Umlauf bringen sollte, steigt der verbale Haß auf den Islam. Daß Schlächter- und Terrorbanden, w.z.B. die afghanischen Taliban, oder ISIS zuerst im syrischen Bürgerkrieg entfesselte Werkzeuge einer rücksichtslosen Kriegs-führung und Schachfiguren im bösen Spiel der USA und Saudi-Arabiens sind, wird dabei häufig übersehen. Ein Bruder, dessen Publikationen hier bekannt sind,  bedeutete mir, daß er glauben würde, daß wir in jedweder Weise durch Propaganda auf Krieg einge-stimmt werden sollten  – ich halte diese Spekulation für plausibel. Wenn wir uns daran erinnern, wie die Begründungen für den ersten und den letzten Irak-Feldzug lauteten, Babys sollten in Kuwait aus Brutkästen gerissen worden sein und der Irak sollte über atomwaffenfähiges Material verfügt haben – alles Propagandalügen, wie wir später erfahren durften. Es gibt keinerlei Grund die dokumentierten Gräueltaten zu  bagatel-lisieren, jedoch das bösartige Spiel das im Hintergrund gespielt wird, zielt auf die Emotionen der Menschen ab und soll sie in eine Vergeltungsstimmung manipulieren.

Kameraschwenk nach Deutschland: Auch hier brodelt es an allen Ecken und Enden. Der Krieg vor unserer Haustüre in der Ukraine besorgt viele Menschen und ein aufflammen- der Anti-Semitismus, teils getarnt als politische Empörung gegen Israels Vorgehen im Gaza, teils blanker Judenhaß maßgeblich artikuliert durch unsere muslimischen Mitbür- ger, denen es wohl entgangen ist, daß ihr Prophet sehr widersprüchliches über das Judentum zu sagen wußte – anyhow, alles direkte Offenbarung die Mohammed durch einen Dschinn (dämonischer Feuergeist aus vorislamischem Glauben) bekam.

Mir fällt dabei, eine Polarisierung der Gesellschaft auf, die sich in immer kleinere Einheiten unterschiedlichster Gruppen paralysieren läßt, andererseits jedoch über Partei- und sonstigen Partikularinteressen hinaus zunehmend die Verteidigung “unserer Werte”, welche das auch immer sein mögen in einer entchristlichten Gesellschaft, auch außerhalb Deutschlands verteidigen möchten, wie ich heute bei einem konservativen Publizisten le- sen durfte. Betroffen macht mich die gleiche  Beobachtung in dem zersplitterten evangeli- kalen Lager, in dem man sich über z.T. schwer überwindbare Grenzen des theologischen Verständnisses und der rechten Auslegung der Bibel, plötzlich völlig einig ist, daß wir wie EIN MANN hinter dem säkularen Israel stehen sollen, sowie uns jetzt endlich gegen die fortschreitende Islamisierung unsres Landes wehren müssen. Folge davon ist, daß mehr und mehr Christen sich von rechts-populistischen Medien (w.z.B. Junge Freiheit) und fragwürdigen Parteien einfangen lassen. Ich verstehe das – ich fühle manchmal auch den Drang aufzuräumen. Ich beneide die Schweizer für ihr Minarettverbot, daß die Burka in Frankreich unter Strafe steht, finde ich gut. Andererseits sehe ich eine unheilige Hetze am Werk, an der ich keinen Anteil haben möchte. So weit meine ganz persönliche Meinung.


Mt 5,44 Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen;

Feindesliebe ist die größte Herausforderung an den seelischen Menschen, der persön- liche Kränkung, Haß oder gar Gewalt die gegen ihn gerichtet ist verabscheut. In nichts werden wir mehr gefordert und geprüft sein, als in der Feindesliebe. Ich habe hierin auch noch manche Lektion zu lernen, auch wenn ich schon die rechte Gesichtshälfte hingehalten hatte,  nachdem die linke bereits geschwollen war (der Schläger entschuldigte sich nach Monaten unter Schluchzen und Tränen bei mir).

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Salafisten-Prediger Pierre Vogel (Mitte)

Ich erinnere  mich an eine Situation vor Jahren als ich bei einer Gruppe junger Marokka- ner saß die sich gerade über  Videos des Haßpredigers Pierre Vogel begeisterten. Da ich äußerlich gewisse südländische Züge aufweise, habe ich den Vorteil, daß ausländische Mitbürger mir als Deutschem unbefangener gegenübertreten – so auch hier. Ich sah mir eine Weile an was dieser geschickte Demagoge zu sagen hatte und wandte dann ruhig ein, daß ich so einer Person in Deutschland Auftrittsverbot geben würde. Alle Augen rich- teten sich auf mich. Ich begründete, daß ich als gläubiger Christ Gewalt ablehnen würde und erwarte, daß Gäste in meinem Land sich so benehmen würden, daß auch ich mich noch wohl fühlen kann. Die jungen Männer waren recht verblüfft, da ich dies alles sehr direkt aber auch freundlich sagte und betonte, daß ich mich selber in einem Gastland streng nach den Landessitten benehmen würde. Ich ergänzte, daß ich gegen eine Reli- gionsausübung in aller Stille und Diskretion keine Einwände hätte, aber schließlich auch nicht erwarten würde, daß ich als Christ in Marokko oder gar Saudi-Arabien öffentlich und sichtbar mein Bekenntnis leben dürfte. Daraufhin entspann sich ein interessantes Ge- spräch über die Unterschiede zwischen dem Koran und der Bibel und da ich Fragen zum Koran gestellt hatte, deren richtige Beantwortung ich genau kannte, aber die jungen Män- ner keine Antwort wußten, verabredeten wir uns zu einem weiteren Gespräch und danach noch mehreren. Hätte ich das Gespräch etwa mit offener Ablehnung begonnen, und mich über den Hassprediger echauffiert, dann wäre ich sicherlich in Gefahr gelaufen a) nicht gehört zu werden und eine Chance den HERRN JESUS zu  bezeugen vertan zu haben und b) womöglich noch einen Konflikt provoziert zu haben … so war es mir immerhin gelungen zu erklären wer der Sohn Gottes ist, was für jeden Muslim eigentlich eine schwere Blasphemie darstellt, aber in dieser guten und entspannten Atmosphäre der Gespräche mit Ernst aufgenommen wurde.

Was möchte ich sagen?

Christen sollen keine gesellschaftsverändernde Kraft darstellen – wir machen uns nur die Hände schmutzig dabei. Wir sollen uns auch nicht zu verbaler oder anderer Gewalt aufhetzen und hinreißen lassen. Unser Zeugnis ist die Liebe zum Nächsten, Sanftmut, Freundlichkeit und das aufrichtige Aussprechen der biblischen Wahrheiten.

Da wir auch eine Gehorsamspflicht gegenüber der Obrigkeit die von Gott eingesetzt ist haben, sind auch Demonstrationen und jede Form eines aktiven Widerstandes keine Zeichen von Liebe, Sanftmut und Friedfertigkeit, sondern das ziehen am gleichen Joch mit der Welt, die womöglich unsere guten Absichten in ein schlechtes Licht bringt.

 

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twitter AntiDominionist youtube AntiDominionist 18.08.2014

2 Kommentare

  1. Sehr christlich mein Profil und meine Facebookidentität so in den Schmutz zu ziehen. Ich bin weder militant noch zeige ich Kopf-ab-Bilder. Ich halte mich klar an Gottes Wort und Weisungen aus seinem lebendigen Wort. Jesus ist Gott und zeigt uns vielfältig wie wir uns zu benehmen und verhalten sollen. Mein Kritikpunkt sind FALSCHE LEHREN, Irrlehren und Auwüchse wie “Wohlstands/Wohlfühlevangelien wie sie die breite Masse vorgepredigt bekommt. Militant ist da garnichts, sondern nüchterne bibelbezogene Aufklärung sowie Erbauung und ZuRÜSTUNG der durch Jesus Christus Geretteten.

    1. Hallo Carl,

      niemand zieht Dein Profil in den Schmutz. Das Bild steht nur repräsentativ für Viele, die neuerdings hinter solchen Rüstungen und Helmen ihren wie auch immer gearteten gesitlichen Kampf demonstrieren. Ich lösche das Bild und möchte Dir da nicht zum Anstoss werden.

      Grüße S.Schad

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