Der Einfluss der Internationalen Koalition der Apostel verbreitet sich in Europa (Dr. Martin Erdmann)

von Dr. Martin Erdmann (http://veraxinstitut.ch)

Der 30 Jahre lang am Fuller Theological Seminary lehrende Missiologe C. Peter Wagner ist durch seine Propagierung des Dominionismus mittels solcher Buchtitel wie Dominion. How Kingdom Action Can Change the World und On Earth As It Is in Heaven: Answer God’s Call to Transform the World zum führenden Befürworter der “Kingdom-Now”-Theologie geworden. Nach seiner Emeritierung war er maßgeblich am Aufbau des Weltgebetszentrums in Colorado Springs, CO beteiligt. Als Gründungsmitglied der Internationalen Koalition der Apostel trat er bei vielen öffentlichen Veranstaltungen als oberster Apostel („presiding Apostle“) auf und ließ nicht ab, seinen Anspruch auf politische Macht zu unterstreichen. Auch wenn es mittlerweile etwas stiller um ihn geworden ist – immerhin ist er schon 84 Jahre alt –, ist er weiterhin Vizepräsident und Botschafter-Apostel (Ambassadorial Apostle) bei der Organisation Global Spheres, Inc. und Kanzler Emeritus des Wagner Leadership Institutes, das er 1998 gegründet hatte. Die Selbstbeschreibung seines Werdegangs auf der Webseite dieses Instituts enthält folgenden Hinweis auf seine „apostolischen“ Aktivitäten. In der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts begann er sich intensiv dafür einzusetzen, dass Herrschaftsmandat („Dominion Mandate“) bezüglich der sozialen Transformation zu propagieren, indem er die Vorlage der „sieben Berge“-Stategie (alternativ das 7-M Mandat genannt) zur praktischen Umsetzung als konzeptionelle Grundlage heranzog.

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Bill Johnson

Einer der ehemaligen Studenten Wagners am Fuller Theological Seminary war der Deutsche Markus Rapp. Wie nicht anders zu erwarten, engagiert sich Rapp seit vielen Jahren am Aufbau des europäischen Zweiges der Internationalen Koalition der Apostel. Hauptberuflich leitet er die Internationale Schule des Dienstes, ist Direktor und Gründer von Christ for Europe, beteiligt sich an den auf Heilung ausgerichteten Diensten der charismatischen Organisation Cleansing Stream Ministries und setzt sich in der Jugendarbeit ein. Um das Letztere effektiv tun zu können, schloss er sich der Organisation Youth Bytes an. Zusätzlich lehrt er neben George Verwer, Loren Cunningham, Reinhard Bonnke und Willem Ouweneel an der Global Mission School in Europe. In den 1980er und 90er Jahren waren Markus Rapp und seine Ehefrau Suni als Mitarbeiter bei DAWN Ministries und der AD 2000 Bewegung aktiv. C. Peter Wagner übte einen starken Einfluss auf die Gemeindewachstumsstrategie, der von James H. Montgomery gegründeten Organisation aus. Montgomery ist mittlerweile verstorben und der DAWN (Discipling A Whole Nation)-Ansatz in der Mission findet kaum noch Befürworter. Die AD 2000 Bewegung übernahm ebenfalls Schlüsselgedanken des Gemeindewachstums aus den Büchern Wagners, ist aber seit der Jahrtausendwende in Vergessenheit geraten.

Bill Johnson, Pastor der Bethel Church in Redding, CA, ist einer der bekanntesten Befürworter der Neuen Apostolischen Reformation, wie sie C. Peter Wagner vor ca. zwei Jahrzehnten zum ersten Mal proklamierte. Johnson ist auch einer der Dozenten an der Global Mission School in Europe. Der Vineyard Gemeindeverband in der Schweiz lud Johnson als Hauptredner zur diesjährigen Pfingstkonferenz nach Bern ein. Der Gemeindeverband St. Chrischona (Schweiz), das IGW (Institut für Gemeindebau und Weltmission) und die Stiftung Schleife Winterthur waren einige der 36 Partnerorganisationen, die die Durchführung dieser Konferenz unterstützten. Ca. 4000 Teilnehmer kamen bei dieser Veranstaltung zusammen. Den Pressemitteilungen zufolge forderte Johnson in seiner Verkündigung die Zuhörer zur praktischen Umsetzung der Neuen Apostolischen Reformation auf. Die anderen Rechner, wie Martin Bühlmann, dem Leiter der Vineyard Bewegung Deutschland, Österreich, Schweiz, standen dem Hauptredner in dieser Hinsicht in keiner Weise nach. Martin Bühlmann und seine Frau Georgia sehen ihren Auftrag „in der Unterstützung von Menschen, die diesen kompromisslosen Lebensstil führen wollen und im Aufbau von Vineyards, die ihre Städte, Dörfer und Regionen mit dem gelebten Evangelium durchdringen.“

Auch wenn der Begriff „Dominionismus“ in den deutschsprachigen Ländern noch kein gängiger ist, der von den meisten Christen inhaltlich richtig definiert werden könnte, werden doch die Konzepte und Strategien, die sich hinter der „Kingdom Now“-Theologie verbergen, Schritt für Schritt konkret umgesetzt. Man kann C. Peter Wagners Einfluss in Europa deutlich wahrnehmen, wenn man wie bei der Vineyard Pfingstskonferenz 2014 in Bern genau auf die Appelle achtet, die die Hauptredner von der Bühne herab verkündigen. Eine Frage bleibt offen im Raum stehen. Wie viele Christen in Deutschland, der Schweiz und Österreich begreifen wirklich, was Befürworter der Neuen Apostolischen Reformation mit ihrer dominionistischen Grundbotschaft wirklich beabsichtigen? Ich würde einmal vermuten, es sind nur ganz wenige.