Video: Zwei Abende mit Dr. Martin Erdmann (Johann Schoor)

Zwei Abende mit Dr. Martin Erdmann (Johann Schoor)

(Quelle: Johann Schoor www.puregospel.eu)

drmartinerdmannDie Einladung Dr. Martin Erdmanns nach Linz in meine Gemeinde hat eine Geschichte.

(Vortrag und Manuskript im Anhang)

Vor ca. einem Jahr las ich sein Buch: »Der Griff zur Macht«, in dem ich viele von meinen Beobachtungen bestätigt und begründet sah. Ich hatte mich bis dahin mit dem Thema Gesellschaftstransformation und diversen neuen Methoden in der Missionsstrategie evangelikaler Gemeinden nicht sehr intensiv auseinandergesetzt. Ihre Ansätze und vor allem Hoffnungen waren mir aber bekannt. Vor allem letztere musste ich nach meinem Eschatologieverständnis für maßlos übertrieben halten und ablehnen.

Was ich über die Zukunft denke und den Chancen die wir als Christen haben, habe ich ja in meinem Buch »Die Dämonen der Moderne« ausreichend beschrieben. Dass Anhänger der Transformationstheologie oder auch solche die unbewusst von ihr beeinflusst sind, mein Buch von vornherein ablehnten, indem sie nur den Klappentext lasen, war mir aufgefallen. Also Grund genug, mich mit diesem Thema näher auseinander zu setzen.

So war nun Martin Erdmanns Buch das erste kritische das ich zum Thema gelesen hatte. Die missionstheologischen Entwürfe der Neoevangelikalen Theologen kannte ich bis dahin nur von der Lektüre positiver gesinnter Literatur: Reimers »Die Welt umarmen«, Kimballs »Emerging Church«, und Philip Jenkins »Die Zukunft des Christentums«, deren Prognosen ich, wie gesagt, nicht zustimmen konnte. Dieser »Evangelikale Positivismus«, war nicht mit meiner Eschatologie zu vereinbaren.

So war die Kritik Erdmanns in seinem Buch bei mir auf fruchtbaren Boden gefallen, obwohl ich nicht alles was er darin sagte befürwortete, weil ich manches als zu wenig belegt ansah. Mich interessierte dann vor allem die Reaktion auf sein Buch in der evangelikalen Szene und ich recherchierte dazu im Internet. Fündig wurde ich schnell bei Thomas Schirrmacher, dem wohl zur Zeit bekanntesten deutschen evangelikalen Theologen, den Martin Erdmann auch in seinem Buch erwähnt. Als ich seine Rezension las (http://www.thomasschirrmacher.info/) da hatte ich nur einen Eindruck: Thomas Schirrmacher bemühe sich, Martin Erdmann zu einem Seher von Gespenstern ab zu qualifizieren. Er begnügte sich nicht damit die sicherlich auf einigen Seiten vorhandenen Schwachpunkte seiner Argumentation aufzuzeigen, sondern lehnte das ganze Buch und seine These als Hirngespinst ab. Ich konnte mir das nur damit erklären, dass Erdmann genau ins Schwarze getroffen hatte und Schirrmacher das wusste. Denn entweder hatte er überhaupt nicht verstanden, worum es in diesem Buch geht, was ich bei einem Theologieprofessor und zweifachen Dr. nicht annehmen darf, oder er manipuliert die Leser seiner Rezension bewusst um sie vom Lesen dieses Buches abzuhalten, was für einen, der vor allem als Ethiker gesehen werden will, ziemlich fragwürdig ist.

Ich muss zugeben, das ärgerte mich doch ein wenig und so war nur eine kurze Überlegung nötig, als ich über Facebook-Kontakte hörte, dass Erdmann eine Vortragsreise nach Österreich plant, um ihn nach Linz einzuladen. Am 24. Sept. war es dann soweit, Dr. Erdmann hielt in meiner Gemeinde seinen Vortrag. Leider nicht vor einem Publikum von gemeindlichen Entscheidungsträgern, wie ich mir das gewünscht hätte. (Einer, der das Buch Erdmanns nicht gelesen hatte, sandte mir prompt die Rezension Schirrmachers zu, die hatte er gelesen) Da Martin darauf schon vorbereitet war, veränderte er das Thema des Vortrages und gestaltete diesen vor dem anwesenden, ziemlich einschlägigen Publikum eher als Zeugnis, wie er überhaupt dazu gekommen war, ein Kritiker der neoevangelikalen Szene und ihrer neuen Missionsstrategien zu werden. Ich persönlich empfand sein Zeugnis aufrichtig und glaubwürdig und stellenweise sogar bewegend. Es scheint wirklich so zu sein, dass er sich nicht mutwillig zum Richter über andere aufgeschwungen hat, sondern durch Studium und persönliche Erfahrung auf »natürliche« Weise (wobei natürlich natürlich geistlich zu verstehen ist) geworden ist. Sozusagen in einer persönlichen Führung. Seine Doktorarbeit die es leider nur in englisch gibt, war prädestiniert durch sein Studium der jüngeren Kirchengeschichte ebenfalls am Thema ausgerichtet.

Auch von seiner Persönlichkeit her ist Erdmann kein typischer Querulant und Kämpfertyp, seine Rhetorik ist eher bescheiden und unspektakulär. Ein populistisches Auftreten gegen etablierte evangelikale Entscheidungsträger und Theologen ist ihm nicht zuzutrauen.

Gerne stelle ich hier seinen zeugnishaften Vortrag im Anhang zur Verfügung, damit man sich über die Person Martin Erdmanns ein objektives Bild machen kann.

Dr. Martin Erdmann hat mir aber auch ein Manuskript da gelassen, von dem Vortrag den er ursprünglich zu halten gedachte. Was in diesem Vortrag geschrieben steht, den ich ebenfalls zum Download bereit stelle, war im Wesentlichen das, was am zweiten Abend in kleinerer Runde in einem offenen Austausch zur Sprache kam. Wer nicht dabei war, hat zumindest verpasst, Dr. Martin Erdmann Fragen zu stellen. Aber vielleicht gibt es ja noch eine Gelegenheit und wie ich von ihm erfahren habe, arbeitet er bereits an seinem nächsten Buch.

joscho

Anhang:
Manuskript des Vortrages der nicht gehalten wurde

Warum Evangelisation vor sozialem Engagement Vorrang haben muss.

Vortrag von Dr. Martin Erdmann

Dr. Martin Erdmann hat in seinem Vortrag in Linz ein bewegendes Zeugnis aus seinem Erleben gegeben, dem zu entnehmen ist, was ihn zu seiner Kritik an der Transformationstheologie bewog. Auch sein Studium der neueren Kirchengeschichte führte ihn zu diesem Thema mit dem er sich auch in seiner Doktorarbeit beschäftigte. Seine Kompetenz ist also nachweislich und er sollte gehört werden, deshalb habe ich seinen Vortrag hier eingestellt. Er hat etwas zu tun mit meinem Anliegen »Pure Gospel«, denn die Verkündigung des reinen Evangeliums in evangelikalen Gemeinden ist nicht mehr selbstverständlich. Johann Schoor www.puregospel.eu