“Staatenlose” Weltordnungspolitik (Georg Walter)

(Quelle: Georg Walter distomos.blogspot.de)

„Eine neue Ethik wird geschaffen, in welcher Begriffe wie Autorität, Wahrheit, Nächstenliebe, Sünde, Religionsfreiheit, Gut und Böse, Familie, Mutterschaft, Vaterschaft, Ehemann, Ehefrau allmählich eine negative Bedeutung erhalten.” Georg Walter

Die Bibel spricht unmissverständlich von Seuchen, Kriegen und Hungersnöten (Mt 24,7; Lk 21,11; Offb 6,1-8) und von Geldgier und Hochmut (2Tim 3,2) in den letzten Tagen. Die Profiteure der Globali-sierung, vor allem die mächtigen Großbanken, bereichern sich in nie dagewesenem Maße und häufen Reichtümer und mit Reichtümern große Macht an.

Der Schweizer Soziologe Jean Ziegler schreibt über die Folgen der Globalisierung:

„In weniger als einem Jahrzehnt hat sich das Weltsozialprodukt verdoppelt und das Welthandelsvolumen verdreifacht. Und was den Energieverbrauch betrifft – er verdoppelt sich im Durchschnitt alle vier Jahre.

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Zum ersten Mal in ihrer Geschichte genießt die Menschheit einen Überfluss an Gütern. Der Planet bricht schier unter seinen Schätzen zusammen. Die verfügbaren Güter übertreffen um ein Vieltausendfaches die nicht einschränkbaren Bedürfnisse der Menschen.

Aber auch die Leichenberge wachsen.

Die vier apokalyptischen Reiter der Unterentwicklung heißen Hunger, Durst, Seuche und Krieg. Sie zerstören jedes Jahr mehr Männer, Frauen und Kinder, als es das Gemetzel des Zweiten Weltkriegs in sechs Jahren getan hat. Für die Menschen der Dritten Welt ist der »Dritte Weltkrieg« in vollem Gange.

Tag für Tag sterben auf unserem Planeten ungefähr 100 000 Menschen an Hunger oder an den unmittelbaren Folgen des Hungers. 826 Millionen Menschen sind gegenwärtig chronisch und schwer unterernährt. 34 Millionen von ihnen leben in den wirtschaftlich entwickelten Ländern des Nordens; der weit größere Teil, 515 Millionen, lebt in Asien, wo er 24 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Betrachtet man jedoch den prozentualen Anteil der Opfer, so ist es das Afrika südlich der Sahara, das den größten Tribut zu leisten hat: Hier sind 186 Millionen Menschen dauernd schwer unterernährt, das heißt 34 Prozent der Gesamtbevölkerung…“1

Unter dem Stichwort Global Governance, zu Deutsch etwa: Weltordnungspolitik oder globale Ordnungspolitik, soll die Globalisierung gestaltet werden. Dies geschieht allerdings nicht auf demokratischer Basis, sondern es ist ein Welt-Konzept, das von einer kleinen Elite, darunter die mächtigen Vertreter der Weltbank, des IWF (Internationaler Währungsfond) und der WTO (Welthandelsorganisation), gesteuert wird. Gut ist, was Profit abwirft. Nach Außen wahrt man das Gesicht, indem man von „Fortschritt“ und „Hilfen“ für Staaten spricht, die in Schwierigkeiten geraten sind. Auch dies ist ein Symptom endzeitlicher Selbstsucht (2Tim 3,2), die es geschickt versteht, sich selbst gut darzustellen und die eigene Gier zu verdecken.

Die Souveränität der Nationalstaaten wird immer mehr beschnitten, obgleich die Protagonisten der Global Governance beteuern, dass sie keine globale Weltregierung oder gar ein Weltparlament schaffen wollen, sondern das Selbstbestimmungsrecht der einzelnen Staaten respektieren, die auf freiwilliger Basis an den Lösungen der Weltprobleme mitarbeiten sollen. Erstaunlich, da mittlerweile der Begriff stateless global governance die Runde macht, zu Deutsch etwa: „staatenlose“ Weltordnungspolitik. Was auch immer die verborgenen Ziele der Mächtigen dieser Welt sind, derzeit kommen die technischen (Kommunikation, Medien, Internet), wirtschaftlichen (IWF, WTO), juristischen und politischen Bemühungen in Richtung einer neuen Weltordnung mit Riesenschritten voran.

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Wolfgang H. Reinicke und Jan Martin Witte befürworten zwar keine Weltregierung, deuten aber an, dass es bei fortschreitender Globalisierung mit der nationalstaatlichen Souveränität bald ein Ende haben könnte: „Wagt man abschließend einen Blick in die Zukunft des Nationalstaats, muss man einräumen, dass es mit seinem einst im territorial abgegrenzten Staatsgebiet garantierten Monopol auf die innere Souveränität vorbei sein wird, falls die Globalisierung weitere Kreise zieht. Doch ist dies wirklich ein Anlass zu großer Sorge? Falls es möglich sein sollte, die innere Souveränität durch eine globale gemeinwohlorientierte Ordnungspolitik auszufüllen, könnte man die Globalisierung als Chance zur Erneuerung veralteter Strukturen und Institutionen nutzen… Ob und wie lange das sich dabei entwickelnde Gebilde noch Nationalstaat genannt wird, ist von nachgeordnetem Interesse. Der Nationalstaat ist eine verhältnismäßig junge Organisationsform und hat keinen Anspruch auf Verewigung.“2

Parallel zu diesen säkularen globalen Entwicklungen geht die interreligiöse Globalisierung. In Berlin soll rechtzeitig zum Luther-Jubiläum im Jahre 2017 ein multireligiöses Bet- und Lehrhaus für über 40 Millionen Euro entstehen, in welchem sich Christen, Juden und Moslems versammeln können. Gleichzeitig wird der Druck auf all jene erhöht, die entweder nicht der Political Correctness entsprechen oder sich beharrlich einer ökumenischen Gesinnung widersetzen. Es wird, wie Marguerite A. Peeters es auf den Punkt bringt, eine „neue Ethik“ geschaffen, in welcher „Begriffe wie Autorität, Wahrheit, Nächstenliebe, Sünde, Religionsfreiheit, Gut und Böse, Tradition, die Familie, Keuschheit, Komplementarität, Ewigkeit, Naturgesetz, Schöpfung, Mutterschaft, Vaterschaft, Ehemann, Ehefrau allmählich eine negative Bedeutung erhalten. Diese Worte sind heute aus den politischen und kulturellen Debatten des Westens einfach verschwunden.“3 Das jüdisch-christliche Erbe wird endgültig restlos verschachert.

Anmerkungen

1 Jean Ziegler, Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Widersacher, Bertelsmann Verlag, München, 2003, S.12-13.

2 Wolfgang H. Reinicke & Jan Martin Witte, Globalisierung, Souveränität und internationale Ordnungspolitik, S.28. URL: http://www.gppi.net/fileadmin/gppi/Globalisierugn_Souveraenitaet.pdf. Abgerufen am 24.6.2014.

3 Marguerite A. Peeters, Von Political Correctness zur neuen Ethik. Auf der Webseite Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft im September 2012 veröffentlicht.

URL: http://www.dijg.de/kritik-zeitgeist/ethik-politisch-korrekt/. Abgerufen am 24.6.2014.

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