Die Adventisten und der Dominionismus Teil 2. (Rolf Wiesenhütter)

(Quelle: Rolf Wiesenhütter www.irrglaube-und-wahrheit.ch)

Auszug aus dem Buch: “Der Adventismus in der Falle des Antichristen”

Die Adventisten und der Dominionismus

In den Versuchen, mit den Leitungsebenen der Adventbewegung ins Gespräch zu kommen, wurde regelmäßig nicht auf die Sache eingegangen. Lediglich die Aussage, man würde adventistische Lehraussagen nicht verwerfen, wurde mehrfach hervorgehoben.

Anhand der Ausführungen zum Islam wird deutlich, dass man diese Behauptung bezweifeln muss. Der Dominionismus, der davon ausgeht, dass es biblischer Auftrag sei, das Reich Gottes im Jetzt zu errichten und dies sowohl mit Nichtgläubigen, als auch mit Vertretern anderer Religionen umzusetzen, findet seinen Niederschlag im Islamengagement. Wer aufmerksam die Zeitschrift “Adventisten heute” liest, kommt nicht umhin festzustellen, dass immer häufiger Artikel erscheinen, welche die gesellschaftliche Relevanz bzw. Gesellschaftstransformation zum Anliegen haben bzw. machen. Ebenso finden wir dies in den Texten der Lektionshefte, sowohl in der deutschen Lektion wie in der Weltfeldausgabe. So kann man in der deutschen Ausgabe 4/2012 unter der Überschrift “Alles wird gut” feststellen, wie der Schwerpunkt von der Heilsrelevanz hin zum “Einsatz für eine bessere Gesellschaft” verschoben wird. Nimmt man die zusätzlichen “Infos und Vorschläge für Gesprächsleiter” für die letzte Woche des Quartals 2012 zur Hand, findet sich diese Tendenz des offiziellen Lektionsheftes bestätigt, da inhaltlich der Schwerpunkt eindeutig auf ein Friedensreich vor der Wiederkunft gelegt wird.

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Getreu dem Motto: Das Reich Gottes wird nicht erst bei der Wiederkunft aufgerichtet, sondern “wir bauen Reich Gottes” schon im Hier & Jetzt. Damit wird die Wiederkunft Jesu als die Krönung eines allmählichen “Hineinwachsens in das Reich Gottes” definiert. Die Aufforderung dieser Lektion ist eindeutig: Der Leser wird aufgefordert, anstatt sich für die Hinwendung zu Jesus Christus stark zu machen, sich für eine bessere Gesellschaft einzusetzen. Das Reich Gottes wird vor die Erlösung gestellt. Wie schon erwähnt, richtet sich die Gemeindewachstumsbewegung vorwiegend an Jugendliche und junge Erwachsene. Wie weitreichend der Adventismus bereits vom Dominionismus unterwandert ist und welche Zielgruppe angesprochen wird, ist ersichtlich aus der Gebetslesung für Jugendliche 2013. Unter dem Titel “Was wirklich zählt – Mitgefühl und Gerechtigkeit für alle” wird einerseits der Sabbat torpediert, der ansonsten fast der Mittelpunkt adventistischer Identität ist. Andererseits wird das soziale Engagement beschworen. So heißt es im Lesungstext unter anderem:

“Ihr Mitgefühl und Engagement könnten die Jugendlichen ausdrücken und sich für Gerechtigkeit einsetzen, indem sie an diesem Aktionstag (ein Sabbat) Kinder und Erwachsene in Krankenhäusern, Senioren in Alten- und Pflegeeinrichtungen und Flüchtlinge in Asylbewerberheimen besuchten, so die adventistische Weltjugendleitung. Die Jugendlichen könnten auch Obdachlose mit Sandwiches versorgen, an Tafeln bei der Essensausgabe mithelfen oder bei Blutspenden-aktionen mitmachen. Der öffentliche Lebensraum könnte aufgewertet werden, indem man Müll sammle oder Blumen pflanze. Die Jugendlichen sollten aber auch durch das Sammeln von Informationen über gerechte und ungerechte Produktionsweisen ihr Konsumverhalten überdenken und anschließend kritische Briefe an Firmenleitungen schreiben.”(141)

Es wird explizit darauf hingewiesen, dass man dies anstelle des Gottesdienstbesuches tun solle.(142) Man fragt sich vielleicht erstaunt, warum ausgerechnet zum Blutspenden aufgefordert wird? Weil es im Dominionismus um das “inkarnatorische Prinzip” geht. Dieses besagt, dass die Christen “Fleisch werden sollen in die Gesellschaft hinein” wie auch Christus “Fleisch wurde”. Bei diesem Denkansatz wird der Bote buchstäblich zur Botschaft. Daher auch der mehr als geschmacklose Vorschlag, Blut zu spenden, da Jesus ja auch sein Blut für uns Menschen gegeben habe! Bei diesem Ansatz geht es nicht um Bekehrung, sondern um TRANSFORMATION. Der Dominionismus als Bestandteil der Emerging Church – Bewegung ist bestrebt, eine sozialpolitische Revolution überall wo möglich, in Gang zu setzen. Sie verwendet dazu eine Begrifflichkeit, die sich “Change-Agents” nennt, und die bereits im adventistischen Jargon ihren Durchschlag findet. So kann man bereits in amerikanischen Publikationen lesen:

“The official date for the Youth Week of Prayer is March 16-23. March 16th is the Global Youth Day. Events on this day will culminate in the launch of the Week of Prayer in the evening. This year’s Junior/Teen Week of Prayer reading guide is set in an imaginary Junior/Teen group called “The Change Agents.” They are hoping to be Jesus’ agents for change in the world. Each reading over the eight days of Week of Prayer is another “weekly” meeting in the Change Agents Group. You will get to enjoy their discussion and will perhaps be inspired to start a Change Agents Group of your own.
(Übers. Autor: “Der offizielle Termin für die Jugend Gebetswoche ist der 16. bis 23. März. 16. März ist der Global Youth Day. Das Event an diesem Tag wird in der Einführung der Gebetswoche am Abend gipfeln. Für die diesjährige Junior/Teen Gebetswoche lesen Sie den Leitfaden zur Gründung einer imaginären Junior/Teen Gruppe mit dem Namen “Der Change Agent.” Wir hoffen, dass Jesus Agenten für den Wandel in der Welt zurüstet. Zu jeder Lesung über die acht Tage der Gebetswoche gehört ein wöchentliches Treffen in der “Change Agents” Gruppe. Wir hoffen, sie genießen ihre Diskussion und werden vielleicht inspiriert, eine eigene “Change Agents” Gruppe zu starten.”(143)

Adventisten haben es immer als zu ihrem Auftrag gehörig empfunden, sich um die Nöte ihrer Mitmenschen zu kümmern. Von ADRA bis zum Singen im Krankenhaus am Sabbat-nachmittag. Die in den neuen Initiativen vorgeschlagenen Sozialprojekte sind jedoch von einer ganz anderen Qualität; sie sind sozialpolitischer Natur. Demonstrieren gegen den Hunger in der Welt, “Sammeln von Informationen über gerechte und ungerechte Produktionsweisen, um das eigene Konsumverhalten zu überdenken und anschließend kritische Briefe an Firmenleitungen zu schreiben” usw. usf. Schaut man auf die deutschsprachige Seite zum “One in Compassion-Day” (Google-Stichwort: “Adventjugend – Projekte – “One in Compassion”), stößt man ebenfalls auf Schlagworte aus der Emerging Curch – Szene: “be church”, “authentisches Christsein”, GGE, “betend spazieren” (die EC ist post-charismatisch, d.h. charismatische Elemente gehen in der neuen Bewegung auf),

Leider ist “One in Compassion” kein Einzelfall. In den letzten Jahren sprießen Initiativen dieser Art wie Pilze aus dem Boden. Martin Erdmann, Dominionismus-Kritiker und Autor von “Der Griff zur Macht”, schrieb kürzlich in einer Mail: “Es fehlt an allen Ecken und Enden an geistlichem Durchblick, am Wissen über geistesgeschichtliche und kirchengeschichtliche Zusammenhänge, an einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Argumenten gegen die Kirchen- und Gesellschaftstransformation. Wir leben in einer Zeit der Revolution in allen Bereichen des Lebens; und das führt letztlich zur Destruktion. Die Menschen werden einfach über die Massenmedien und in den Schulen und Universitäten, und nicht zuletzt in den Kirchen, in ihrem Denken manipuliert.” Warum sind die Adventisten in diesem Zusammenhang interessant? Weil die Adventbewegung ein weltweites Erziehungs- und Bildungssystem aufzuweisen hat, dass als ein ideales Netzwerk an “Operationsbasen” genutzt werden kann. Die Wirkkraft des Evangeliums liegt nach dem Dominionismus in der sozialen Aktion … nicht etwa in dem, was Jesus für uns vollbracht hat! “Sei die Predigt – lebe das Evangelium.” ist der eigentliche Wirkfaktor. So wird das Evangelium mehr oder weniger zur Selbsterlösung.(144)


(Quelle: ootb www.out-of-the-blue.world)


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