Hat die Gemeinde Jesu einen politischen Auftrag? (Verax-Institut)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann www.veraxinstitut.ch)

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© Beate Gsell, 23. März 2016

„Wer fromm ist, muss auch politisch sein.“ So erklärte Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands, sein Verständnis von Nächstenliebe (prokompakt 11/2016). Während die Vertreter der liberalen Volkskirche seit Jahrzehnten zu politischem Engagement aufrufen – und sich zu parteipolitischen Fürsprechern machen –, stimmen nun auch die Evangelikalen in den politischen Chor ein. Der Dachverband der Pietisten in Württemberg, die „ChristusBewegung Lebendige Gemeinde“, möchte sich laut einer epd-Pressemitteilung mit der Gründung des „Arbeitskreises Politik“ Gehör verschaffen. Es mag sein, dass einzelne Christen ihren Auftrag in der Politik sehen, aber der Gemeinde Jesu einen politischen Arm zu geben, ist mit der Heiligen Schrift nach unserer Auffassung nicht vertretbar.

Die Verkündigung des Evangeliums hat Priorität

Jesus hat stets eine politische Rolle abgelehnt. Er sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt“ (Joh. 18,36). Erst bei seinem zweiten Kommen wird Christus als politischer Herrscher auftreten. Bis dahin hat die Gemeinde Jesu keinen politischen, sondern einen Missionsauftrag. Nächstenliebe zeigt sich natürlich im Einsatz für den Mitmenschen; das biblische Gebot der Nächstenliebe steht aber immer in Zusammenhang mit Gott, der sich über den Sünder erbarmt (Matth. 22, 36-40). Darum ist die größte und wichtigste Hilfe für unsere Mitmenschen das Aufzeigen der ewigen Verlorenheit und die Verkündigung der rettenden Botschaft von Jesus Christus. Der soziale Einsatz darf nicht vom Evangelium abgekoppelt werden.

Vorsicht vor Manipulation

Was geschieht aber in unserer Zeit? Die eindeutigen Aussagen Jesu werden ignoriert von einer Bewegung, die sich weltweit zum Ziel gesetzt hat, das „Königreich Gottes“ durch gesellschaftliches Engagement und politischen Aktivismus in ihrem jeweiligen Land einzuführen. Sie werden Dominionisten genannt. In den 1980er Jahren proklamierten Vertreter der „Coalition on Revival“ (Koalition der Erweckung) eine sogenannte christliche Weltanschauung, die sich in 17 Bereichen des Lebens konkret auswirken soll1. Sie stellten den Missionsauftrag in den Vordergrund, der allerdings nicht mehr dem biblischen Wortlaut entsprach, sondern von den Dominionisten umgedeutet wurde und sich auf die Verbesserung der Lebensumstände in dieser Welt bezog. Viele Missionsgesellschaften gingen strategische Partnerschaften mit nationalen und internationalen Regierungsinstanzen, Firmen, Nichtregierungsorganisationen, humanitären Hilfsorganisationen und anderen Institutionen ein, um ihre „Königreichs“-Vorstellungen in den entsprechenden Sphären rund um den Globus zu verwirklichen2. Wenn das politische Engagement solche Formen annimmt, hat das Evangelium keinen Platz mehr. Entweder werden biblische Worte neu gedeutet oder ganz weggelassen. Wache Christen sollten dieser Manipulation entgegenstehen und sich nicht für Ziele einspannen lassen, die dem Evangelium nicht nur fremd sind, sondern sogar Gottes Ruf zur Rettung verhindern.

1 Dr. Martin Erdmann, Der Griff zur Macht: Dominionismus – der evangelikale Weg zu globalem Einfluss, Betanien Verlag, 2011, S. 134.

2 a.a.O., S. 135.


siehe auch: Leseprobe: DER GRIFF ZUR MACHT Dominionismus – der evangelikale Weg zu globalem Einfluss (Dr. Martin Erdmann)


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