Rezension: "Die Gottesversprecher" – Ute Aland [Leseprobe] (Siegfried Schad)

Eigentlich bin ich kein sehr großer Freund von Erzählungen, jedoch Ute Alands Buch ist packend vom Anfang bis zum Schluß! In flapsigem Stil des Twens Sara, einer jungen Frau die dem erzkonservativen frommen Elternhaus innerlich schon länger entflohen war, erzählt Aland augenzwinkernd humorvoll und authentisch, von der Leere, der Sinn-suche, den Zweifeln an Gott und der Welt und den freudlosen und brüchigen  Lebens-umständen der Generation der Postmoderne. Die Hauptperson Sara gerät durch die Einladung eines Vorgesetzten der Media-Agentur für die sie tätig ist, nach anfänglicher größter Skepsis, schleichend unter den Einfluß einer pfingst-charismatischen Gruppe.

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Ute Aland

Kennern der pfingst-charismatischen Szene wird in kleinsten Details der Schilderungen Ute Alands sofort auffallen, wie treffend das oft manipulative Vorgehen und wie authentisch die religiöse Terminologie der Leiter solcher Gruppen hier aufs Korn genommen wird. Ohne daß Aland plakativ diese unbiblischen Verdehungen etikettiert, versteht der Leser dieses spezielle Milieu sehr schnell. Während des Lesens sah ich vor meinem geistigen Auge wieder und wieder Szenen aus meinen persönlichen Erinnerungen und Begegnungen in pfingst-charismatischen Kreisen: Die ungewöhnliche Freundlichkeit der Aufnahme zu Beginn, die fromm-fröhlichen Fassaden, die unterschwelligen Ängste der Gruppenmitglieder,  das Machtgebaren mancher Leiter und andere Facetten dieser falschen Frömmigkeit.

Sehr lebensnah und packend schildert die Autorin wie Sara zunehmend von einem Strudel fromm getarnter Rücksichtslosigkeit und barscher Forderungen der Leiter mitgerissen wird, der sie in einem Minderwertigkeitsdenken über ihren Stand vor Gott gefangen hält. Schon längst hat sich Sara von ihrer früheren Umgebung isoliert und von früheren Freunden und Familie entfremdet und somit in die völlige  Abhängig-keit der Gruppe begeben. Indoktriniert von der kruden Philosophie der Gruppe, die persönliche Umstände, wie Wohlstand, Gesundheit und alle Fragen des Lebens in einen Fluch- und Segenkontext zu setzen weiß, wird die Hauptperson auch völlig blind für das “fromme” Mobbing und das zerstörerische und übergriffige Handeln der Leiter an den übrigen Gruppenmitgliedern.

Die herausragenden Stärken des vorliegenden Buches sind der Erzählstil, die handelnden Figuren und das Untheologische: Aland versteht es in einer sehr sensiblen Weise Leben in ihre Figuren einzuhauchen ohne sich dabei in Klischees zu verlieren. Alltägliches wird zuweilen augenzwinkernd, Banales banal und Gefühle ohne Marinade serviert. Wie es bei einem guten Roman auch sein soll, so geht auch diese Geschichte der jungen Frau Sara gut aus: Nachdem ihr Leben aus den Fugen geraten ist und der Boden unter den Füßen zusammengebrochen war, holt sie der Prinz auf dem weißen Pferd, in Gestalt des gläubigen Ben, aus den Fängen der Sekte und heiratet Sara.

Brilliant gelungen ist aus meiner Sicht, wie Aland die allzu bekannten typischen frommen Phrasen der charismatischen Leiter selbstentlarvend einwebt, so daß ohne theologische Abhandlung, die falsche Frucht w.z.B. der Lehren der Wort-des-Glaubens-Bewegung, der Transformationstheologie, der Dämonologie der charismatischen Befreiungslehre, oder die permanente Überhöhung Satans, der um jede Ecke zu lauern scheint, offenbar wird. Die Machtbesessenheit, der Stolz, die Selbstherrlichkeit, die Manipulation und der Mißbrauch der Mitglieder, die Geldgier und auch der unreine Lebensstil vieler namhafter und weniger namhafter Leiter charismatischer Bewegungen und Gemeinden werden in diesem Buch ohne Übertreibungen und in ihren Mechanis-men präzise beschrieben und zur Schau gestellt.

Subjektiv für mich persönlich war das Lesen des Buches “Die Gottesversprecher” eine Retrospektive des eigenen Erlebens in der charismatischen Szene, ein Eintauchen in meine Vergangenheit als Suchender auf dem frommen Marktplatz und der Schilderungen von Freunden, die mir z.B. ihre Erfahrungen mit dem späteren “Koranverbrenner” Dr. Terry Jones in der CGK (Christlichen Gemeinde Köln) oder mit Wolfhardt Margies in Berlin und mit Olga Dammer vom “Jeremia-Werk” mitteilten (ein separater Bericht mit Interview einer betroffenen Schwester ist hierzu geplant).

Fazit: Ein überaus gelungenes Buch, das die Aufnahme in unseren BUCH-SHOP verdient – ich freue mich schon auf das neue Buch von Ute Aland “Die Pianistin”!

Leseprobe: „Die Gottesversprecher“ – Ute Aland


Die Gottesversprecher

Roman frei nach wahren Begebenheiten

von Ute Aland

erschienen im BRUNNEN-VERLAG www.brunnen-verlag.de

240 Seiten, gebunden

14 x 21 cm

Erscheinungsdatum: 22.12.2014

Bestell-Nr.: 190911

ISBN: 978-3-7655-0911-7

EAN: 9783765509117

1. Auflage

14,99 €

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Siegfried Schad © alle Rechte an diesem Artikel vorbehalten.

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