Vortrag: Christ und Politik – ein umstrittenes Thema (Thomas Zimmermanns) / Einwände (ootb)

(Quelle: ootb www.out-of-the-blue.world)

Vorbemerkung (ootb)

vor wenigen Monaten wurde ich auf zweierlei Weise auf den nachfolgenden Vortrag den Bruder Thomas Zimmermanns auf der Endzeitkonferenz im September 2014 in Bad Teinach gehalten hatte aufmerksam gemacht. Zuerst hörte ich mir den Vortrag in einem Videoformat an und danach las ich das Manuskript, das hier vorliegt.

Ich muß zugeben, regelmäßige Leser dieses Blogs werden das bestätigen können, daß für mich sehr viel Herzblut mit dem Thema Christ und Politik verbunden ist und mir sehr viele Differenzierungen, auch nicht so selten bei den von mir persönlich höchst geschätzen Brüdern, einfach fehlen. Aus diesem Grund habe ich das Thema an Hand dieses Manuskriptes, das mir in der gesamten Argumentationskette auch aus Gesprächen mit anderen Brüdern sofort vertraut vorkam, als Grundlage für meine Gegenargumente genutzt, die ich in Kommentaren eingefügt habe.

Auch wenn ich womöglich etwas hart und bohrend in der Sache klinge, so bin ich weit entfernt davon, einem Bruder den ich nicht persönlich kenne, der aber jedoch das Vertrauen von Brüdern genießt, die ich in höchstem Maße schätze, nicht meinen Respekt vor seiner Person zu erweisen. Es liegt mir viel daran, den Unterschied herauszustreichen, daß man in der Sache ( so wie Paulus und Barnabas Apg 15,39 ) in Streit geraten kann, dies jedoch in brüderlicher Liebe und allem Respekt und Anstand geschieht. Ich hoffe auch den Bruder womöglich überzeugen zu können, daß die Argumente die er vorträgt nicht haltbar sind.

Christ und Politik – ein umstrittenes Thema

Vortrag gehalten auf der Endzeit-Konferenz in Bad Teinach am 18.09.2014

Liebe Geschwister,

Jeder Christ gehört nicht nur zum Reich Gottes, sondern er ist auch Angehöriger seines Staates, so lange er in dieser Welt lebt. Dies hat zweifellos vielfältige Auswirkungen auf sein Leben und Handeln, nicht zuletzt auch im Hinblick darauf, ob er ungehindert als Christ leben kann oder aber verfolgt wird, weil er Jesus Christus nachfolgt. In meinem Vortrag soll es mir v.a. um die umstrittene Fragestellung gehen, ob und inwieweit Christen Einfluss auf den Staat und seine Politik nehmen dürfen oder sogar sollen oder ob sie sich von politischer Betätigung fern halten sollen. Denn in dieser praktisch sehr bedeutsamen Frage bestehen unter gläubigen Christen eine Reihe unterschiedlicher, ja sogar gegensätzlicher Auffassungen.

1. Die Ablehnung politischer Betätigung von Christen

Viele Christen sind der Ansicht, dass Jünger Jesu sich nach dem Willen Gottes nicht politisch betätigen sollten. Christen sollten sich lediglich dem Staat und seinen Gesetzen und Anordnungen unterordnen, solange diese nicht Gottes Geboten widersprechen.

a) Diese Ansicht wird mit verschiedenen Argumenten begründet: Manche begründen sie damit, dass im Bereich des Staatlichen und Politischen das Gesetz mit seinen Grundsätzen der Machtausübung, der Rechtsvergeltung und der Strafvollstreckung herrscht, während die Glieder der Gemeinde Jesu in allen Bereichen ihres Lebens nur nach den Grundsätzen des Evangeliums und der Bergpredigt handeln dürften. Politisches Handeln von Christen und erst recht die Übernahme politischer oder staatlicher Ämter würde folglich dazu führen, dass sie den Geboten Jesu Christi ungehorsam würden.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Dies ist ein sehr gewichtiges Argument, das auch nicht über jedwede Konstruktion von der Hand gewiesen werden kann, denn es heißt: 2Kor 6,14 Zieht nicht in einem fremden Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Und was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis?


Andere sind sogar der Ansicht, dass Gott den Staat von Vornherein nur für die Ungläubigen eingesetzt habe, dass die Gläubigen ihn gar nicht benötigten und daher auch kein Recht hätten, auf dessen politische Gestaltung Einfluss zu nehmen.

b) Andere begründen ihre Auffassung damit, dass politisches Handeln generell nicht zu den Aufgaben gehöre, die Gott seinen Kindern zugewiesen habe. Aufgabe der Gemeinde Jesu sei ausschließlich Mission, Evangelisation, Verkündigung, Diakonie, Seelsorge u.ä. Jesus habe zwar Kranke geheilt und Hungernde gespeist, aber nicht in die damaligen politischen Machtverhältnisse eingegriffen. Auch habe er nicht versucht, die Rechtsgrundlagen oder die ethischen Grundsätze des Römischen Reiches und seiner Machthaber zu ändern oder soziale Missstände durch sozialpolitische Forderungen und Maßnahmen zu beseitigen. Dementsprechend sollten auch seine Jünger dies nicht tun. Auch die Apostel hätten weder selbst politisch gehandelt noch die Gemeinden dazu aufgerufen, etwa gegen das von den römischen Kaisern verübte Unrecht zu protestieren oder auf die Politik des Römischen Reiches im Sinne christlicher Ethik Einfluss zu nehmen.

c) Manche sagen auch, dass Gott Herr der Politik und der Geschichte sei und bestimme, was geschehen wird. Er allein setze Herrscher ein und wieder ab. Aus diesem Grund sei es für die Christen unnötig, ja verwerflich, zu versuchen, durch eigenes Handeln in die politischen Geschehensabläufe einzugreifen.

d) Ferner wird gesagt, dass Politik nur dem zeitlichen Wohl der Menschen diene; dies aber sei gegenüber wahrhaft christlichem Dienst, der ihrem ewigen Heil diene, von untergeordneter Bedeutung. Die Gläubigen sollten ihre begrenzte Zeit und Kraft ausschließlich solchen Tätigkeiten widmen, die Frucht für die Ewigkeit bringen.

e) Das Reich Gottes, an dessen Bau die Gläubigen mitwirken sollen, sei nicht von dieser Welt (Joh 18,36). Daraus wird gefolgert, dass es daher nicht den Staat umfasse. Aus diesem Grund wird dann vor allem auch der Einsatz für eine christliche Ausrichtung des Staates und seiner Rechtsordnung abgelehnt, denn dies wird als unbiblischer Versuch der irdisch-politischen Realisierbarkeit des Reiches Gottes verstanden, die von Vornherein ausgeschlossen sei und dem Willen Gottes widerspreche.

f) Oft wird auch gesagt, dass die Gläubigen geistlich betrachtet nur Bürger des Himmelreichs seien und nicht auch zugleich Bürger ihres Staates. In dieser Welt und damit auch in dem Staat, in dem sie leben, seien sie keine Bürger, sondern nur Fremdlinge und Pilger. Folglich sei es nicht ihre Aufgabe, sich in staatliche und politische Angelegenheiten einzumischen. Die Gemeinde Jesu sei von Gott zum Dienen und zum Leiden berufen und nicht zur Herrschaftsausübung in dieser Welt. Das aber würde sie anstreben, wenn sich Christen politisch engagieren.

g) Ein weiteres zentrales Argument der Gegner politischer Betätigung von Christen besagt, dass die Welt vom Bösen beherrscht werde und dass dies nicht zuletzt auch für den Staat, seine Machthaber und Institutionen gelte. Gott fordere die Christen aber auf, die Welt und das Böse zu meiden (2. Kor 6,14). Das bedeute auch, dass sie nicht versuchen sollten, sie zu verbessern oder zu verchristlichen. Dies sei aufgrund des Wesens der Welt auch gar nicht möglich. Die Welt sei unabänderlich für Untergang und Gericht bestimmt; auf sie mit politischen Mitteln einzuwirken, sei ungefähr so sinnlos, als hätte man versucht, auf der sinkenden Titanic die Stühle geradezurücken, anstatt dafür zu sorgen, dass so viele Menschen wie möglich gerettet werden.


Kommentar ootb: Dies ist in der Tat ein zentrales Argument und zudem auch ein unwiderlegbares Argument (wie wir sehen werden)


Aufgrund dieses Charakters der Welt und des Staates sei die Erreichung der von Christen bei ihrem Handeln angestrebten Ziele unmöglich; umgekehrt bestehe aber für sie die Gefahr der ethischen Korrumpierung und ihre Verstrickung in vielerlei Sünden, wie etwa Liebe zur Welt, zur Macht und zum Geld sowie in Lüge und Ungerechtigkeit. Politisch tätige Christen riskierten außerdem, dass sie von Menschen, die nur ihre Macht oder unchristliche Ziele durchsetzen wollen, getäuscht und “vor den Karren gespannt” werden. Außerdem bestehe die Gefahr, dass sie ihr eigentliches Ziel, das Himmelreich, dabei aus den Augen verlieren.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Diese Argumentation entspricht im Wesentlichen den Ausführungen des Theologen und Publizisten Dr. John MacArthur: https://www.gty.org/resources/articles/A124/Christians-and-Politics-Part-1 [siehe am Ende der Seite part 2, part 3 und part 4]


2. Die Bejahung politischer Betätigung von Christen

Andere theologische Richtungen bejahen oder fordern demgegenüber ein politisches Handeln von Christen, wobei es allerdings große Unterschiede hinsichtlich der Grundsätze und Ziele des politischen Handelns gibt, worauf ich später noch näher eingehen werde.

Manche nehmen dabei an, dass jeder Christ zu politischem Handeln verpflichtet sei, während andere davon ausgehen, dass jeder Christ keine Verpflichtung, sondern nur ein Recht dazu habe und dass es eine diesbezügliche Verpflichtung allenfalls für einzelne Christen gebe, die dazu von Gott in besonderer Weise beauftragt seien.

Begründet wird diese Auffassung etwa damit, dass der Christ nicht nur Bürger des Himmelreichs sei, sondern auch Bürger seines Staates. Als solchem sei ihm von Gott gem. Jer 29,7 aufgetragen, “der Stadt Bestes” zu suchen, d.h. zum Wohl seiner Stadt und seines Landes zu handeln. Hierzu habe er in Demokratien sogar ein ihm von Verfassung und Rechtsordnung ausdrücklich zugebilligtes Recht.

Viele sind darüber hinaus der Ansicht, dass jeder Christ aufgrund seiner Existenz in Staat und Gesellschaft von Vornherein eine politische Verantwortung trage oder dass die politische Verantwortung und die damit verbundene Verpflichtung zum politischen Handeln Teil der Christusnachfolge sei.

Als erstes möchte ich dabei auf die zuvor genannten Argumente derer eingehen, die ein politisches Handeln ablehnen:

a) Es stimmt zwar, dassdas Normensystem des politischen und staatlichen Handelns nicht das Evangelium, sondern das Gesetz ist. Es handelt sich bei “Evangelium” und “Gesetz” um biblische Normensysteme; es geht hier also beim “Gesetz” nicht um staatliche Gesetze. “Gesetz” und “Evangelium” unterscheiden sich grundlegend, nämlich darin, dass das Evangelium Gnade, Vergebung, Feindesliebe und Verzicht auf Rechtsvergeltung anbietet oder fordert, während das Gesetz gebietet, Gerechtigkeit walten zu lassen, Rechtsbrecher zu bestrafen und gerechte Vergeltung zu üben. So heißt es etwa, um nur einige Bibelstellen im NT zu nennen, in Mt 7,23; 25,41-26; 2. Thess 1,9; Jud 14.15, dass Gott die Sünder im Weltgericht strafen wird, während es z.B. in Mt 1,21; 12,31; Röm 5,8-11; Eph 1,7 heißt, dass sie Vergebung finden sollen. Ferner wird den Gläubigen v.a. in der Bergpredigt, aber auch an anderen Stellen geboten, Unrecht widerstandslos hinzunehmen, ihre Feinde zu lieben, ihnen zu vergeben und keine Vergeltung zu üben (vgl. z.B. Mt 5,43-48: Lk 6,27-37; Röm 12,14.17-21; 1. Kor 6,7). Andererseits heißt es u.a. in Röm 13,1-17 und 1. Petr 2,13 f., dass der Staat und seine Amtsträger von Gott dazu berufen sind, Rechtsbrecher zu bestrafen und gerechte Vergeltung zu üben. Das bedeutet also, dass im staatlichen und politischen Bereich nicht das Evangelium, sondern das Gesetz gilt und zwar nicht nur für die Nichtgläubigen, sondern auch für die Gläubigen. Denn Aufgabe des Staates nach dem Willen Gottes ist es, durch eine gerechte Gesetzgebung sowie durch Strafandrohung und -vollstreckung die Rechtsgüter seiner Bürger zu schützen, das Böse einzudämmen und ein friedliches und geordnetes Zusammenleben der Bürger im Staat herzustellen. Auch Christen, die daran mitwirken, müssen und können nicht nach anderen Grundsätzen handeln.


Anm. ootb: siehe auch Artikel “Widerstandslos”


Dies wird dadurch bestätigt dadurch, dass wir auch im NT von der Bekehrung einer Anzahl von Soldaten, Offizieren und Beamten lesen (vgl. z.B. Joh 3,14; Apg 13,12). Jesus oder die Apostel fordern keinen von ihnen auf, seinen Beruf aufzugeben, wohl aber ihn gerecht und nach den Maßstäben der Gebote Gottes auszuüben (vgl. Joh 3,14).

Und es ergibt sich aus der Bibel eindeutig, dass Gott die staatliche Ordnung zum Wohl und zum Nutzen aller seiner Bürger, Christen wie Nichtchristen, eingesetzt hat. Denn die Aufgaben des Staates, nämlich die Abwehr und Eindämmung des Bösen und die Ermöglichung eines geordneten Zusammenlebens im Staat, beziehen sich auf alle Bürger und sollen nicht nur den Nichtchristen, sondern auch den Christen zugute kommen.

b) Auch aus der Tatsache, dass Jesus zwar Kranke geheilt und Hungernde gespeist, aber nicht in die damaligen politischen Herrschaftsverhältnisse eingegriffen hat, lässt sich nicht herleiten, dass Jesus dies heute seinen Jüngern verbietet.


[ Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Dieses Argument des Nichtverbotes halte ich für überaus pragmatisch und sehr konstruiert, da es Tür und Tor öffnen würde über Dinge zu streiten die Jesus nicht ausdrücklich verboten hat. 


Denn dann würde die Einzigartigkeit des Auftrags Jesu verkannt, der darin bestand, das Evangelium von der Gnade zu verkündigen und als Sühnopfer am Kreuz zu sterben, um die Menschen von ihrer Sünde und der Verdammnis zu befreien und ihnen den Zugang zum Himmelreich zu ermöglichen. Sein Auftrag bestand hingegen nicht darin, den staatlichen Machthabern die für ihr Handeln maßgeblichen Gebote Gottes zu verkündigen. Ebenso wenig ging es ihm um eine Änderung der Machtverhältnisse in Rom oder in Israel. Jesus war Erlöser und kein Politiker. Aber das bedeutet nicht, dass seine Jünger sich nur in den Bereichen betätigen dürften, in denen auch Jesus gewirkt hat.

Auch aus der Tatsache, dass die Apostel keine politischen Aufgaben wahrgenommen haben und die Gemeinde Jesu auch nicht dazu aufforderten, kann nicht gefolgert werden, dass politisches Engagement für Christen unzulässig wäre.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: und wieder … der selbe Umkehrschluß wie zuvor: Da die Gemeinde keine politischen Aufgabe wahrnahm und auch nicht zu dieser aufrief, kann lt. Bruder Zimmermanns im Umkehrschluß nicht gefolgert werden, daß die Gemeinde und die Apostel eine Betätigung verboten hätten.


Denn die Aufgabe der Apostel und der übrigen Christen der Urgemeinde bestand darin, die Gemeinde Jesu auszubreiten und die Botschaft Jesu Christi in ihrer Umgebung bekannt zu machen, Ein Versuch, auf die damalige römische Oberherrschaft mit politischen Mitteln einzuwirken, hätte bedeutet, dass dieser Hauptauftrag vernachlässigt worden wäre. Auch wäre hierdurch das Missverständnis hervorgerufen worden, Jesus und seine Jünger strebten ein weltliches Gottesreich an und beabsichtigten, auf der politischen Ebene in Konkurrenz zu den weltlichen Machthabern zu treten und diese gewaltsam oder durch Ausübung politischen Druckes zu entmachten. Ein solches Missverständnis, dem auch Jesus mehrmals ausgesetzt war (vgl. z.B. Joh 6,15), hätte aber den Sinn und Zweck der Botschaft Jesu völlig verdeckt und verdunkelt.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: genau so verhält es sich auch, damals wie heute – siehe meinen Artikel: Die Christenfalle: 2 fatale Wege in den politischen Aktivismus und ihre Folgen (ootb)


In den gegenwärtigen Staaten Europas ist für die Christen die Heilsbotschaft jedoch schon längst bekannt.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: ist sie das? Angesichts Hunderter Millionen Namenschristen und Atheisten in Europa eine kühne Behauptung! … oder tritt hier Bruder Zimmermanns in die Falle und erliegt dem Versuch die Botschaft des Evangeliums in einen Widerspruch zu unseren modernen veränderten Verhältnissen zu setzen und letztlich anzupassen?


Dann aber ist auch der Zeitpunkt gegeben, auf den Staat im Sinne der Verkündigung und Durchsetzung der auch für ihn geltenden Gebote und Ordnungen Gottes einzuwirken mit dem Ziel, diese Staaten und Gesellschaften mit christlicher Ehtik zu durchdringen und damit auch auf diese Weise “Salz der Erde” (Mt 5,13) zu sein.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Woher nimmt Bruder Zimmermanns dieses Ziel der Durchdringung der Gesellschaft und des Staates mit christlicher Ethik? Doch nicht aus Mt 5,13 oder dem gesamten Kontext etwa? Leider befindet sich hier Bruder Zimmermanns auf der gleichen Argumentationsschiene, wie die Transformationstheologen und ohne jedweden biblischen Nachweis, der aus diesem Vers in keinem Falle zu extrahieren ist. 


Dies rechtfertigt nicht nur biblisch begründete Kritik und Widerspruch gegen staatliches Unrecht, sondern in den heutigen demokratisch verfassten Staaten Europas auch eine aktive Mitwirkung und Mitgestaltung der Rechtsordnung und der politischen Verhältnisse,


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: … und so geht es weiter, und es türmt sich eine unbelegte Behauptung auf die nächste Behauptung die eine Mitwirkung und Mitgestaltung legitimieren soll … Bruder Zimmermanns benennt uns wie wir auch im folgenden sehen werden viele pragmatische Argumente, jedoch bleibt er eine Untermauerung mit dem Wort Gottes schuldig.


was zur Zeit der Urgemeinde in der absoluten Monarchie des Römischen Reiches sowie in anderen absolutistischen und totalitären Staaten der Vergangenheit und Gegenwart naturgemäß ausgeschlossen war bzw. ist.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Sehr geehrter Bruder Zimmermanns, soll uns das jetzt etwa sagen, da Jesus, die Apostel und die erste Gemeinde die Volksherrschaft bzw. Demokratie noch nicht kannten, bezogen sie auch keine explizite Stellung zu politischem Handeln?  Zudem, wenn man Ihre Argumentation auf das III. Reich oder eine kommende Diktatur anwendet, würde das bedeuten, daß Christen ihre Stimme nur dann erheben, wenn die Voraussetzungen politisch opportun und komfortabel sind. Also bei Nero und Hitler schweigen, aber bei Merkel und de Maizière stützen wir uns auf unsere Redefreiheit … sehr geehrter Bruder Zimmermanns, Sie meinten das sicherlich nicht, aber Ihre Aussage implizit diesen Gedanken. 


In den neuzeitlichen Demokratien jedoch ist allen Bürgern in der Verfassung das Recht zum politischen Handeln und zur Mitwirkung an der Gestaltung des Staates ausdrücklich verbürgt. Es ist kein Grund ersichtlich, warum gerade die Christen auf dieses Recht verzichten sollten und das politische Handeln den Vertretern der verschiedensten z.T. mehr oder weniger christenfeindlichen Ideologien überlassen sollten. Das gilt auch dann, wenn christliche Positionen, wie heutzutage in Deutschland und anderen Staaten, nur noch von einer Minderheit geteilt werden.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Offenbar hat Bruder Zimmermanns in seinem Vortrag an dieser Stelle schon sein Pulver verschossen, denn für ihn ist “kein Grund ersichtlich” und auch mit allen Gegenargumenten die er uns sehr fleißig aufgezählt hat  mit wenigen Federstrichen fertig … obwohl er sich nicht die Mühe macht diese biblisch begründeten Gegenargumente mit dem Wort Gottes in der Hand zu widerlegen!


c) Es trifft selbstverständlich zu, dass Gott Herr der Politik und der Geschichte ist. Aber das bedeutet nicht, dass die Menschen passiv bleiben und nur auf Gottes Handeln warten müssten. Die Menschen können und müssen im Rahmen ihrer Verantwortung und ihrer Rechte ebenfalls handeln, nicht anders als in anderen Bereichen des Lebens. Entscheidend ist dabei nur, dass sie es in Verantwortung vor Gott und im Rahmen der Gebote Gottes tun.

d) Richtig ist zunächst, dass der Einsatz für das Heil der Menschen wichtiger ist als der Einsatz für deren Wohl und dass es beim politischen Handeln im Allgemeinen nur um das Wohl der Menschen geht. Denn das Wohl des Menschen hat nur zeitliche, sein Heil jedoch ewige Auswirkungen. Aber daraus folgt nicht, dass der Einsatz von Christen im Interesse des Wohles anderer Menschen und insbesondere der Versuch, auf das öffentliche Leben, auf die Gesetzgebung und das staatliche Handeln Einfluss auszuüben, nicht dem Willen Gottes entspricht. Dem lässt sich zum einen entgegenhalten, dass der Einsatz für das Heil der Menschen den Einsatz für deren Wohl nicht ausschließt. Auch das diakonische Handeln der Gemeinde Jesu dient in erster Linie dem Wohl des Menschen, auch wenn es stets mit der Verkündigung des Evangeliums verbunden sein sollte. Ferner wäre darauf hinzuweisen, dass Gaben und Aufgaben innerhalb der Gemeinde Jesu unterschiedlich verteilt sind (vgl. z.B. 1. Kor 12,28 f.; Eph 4,11), sodass manche Christen Aufgaben haben, die ausschließlich auf das Heil der Menschen abzielen, während andere Christen Aufgaben haben, die in erster Linie deren Wohl dienen.

e) Die Aussage Jesu, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist, ist in der Tat sehr bedeutsam. Mit “Reich Gottes” ist v.a. das Himmelreich gemeint, in dem Gott wohnt. Durch Jesus Christus ist den Menschen der Zugang zu Gott und seinem Reich eröffnet worden, sodass diejenigen, die sich von ihm mit Gott haben versöhnen lassen, zum Reich Gottes gehören. “Reich Gottes” bedeutet in diesem Sinn also die Gemeinschaft der Gläubigen mit Jesus Christus und untereinander.

Da es von Gott geschenkt ist und auf Gott und sein ewiges Reich bezogen ist, ist es naturgemäß nicht “von dieser Welt”, d.h. es ist von den irdisch-politischen Reichen dieser Welt wesensmäßig völlig verschieden. Es ist nicht auf ein bestimmtes räumliches Gebiet in dieser Welt beschränkt und es ist mit weltlichen Mitteln weder aufzubauen noch zu verteidigen.

Hingegen bezieht sich die Aussage Jesu, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist, nicht auf den Staat. Denn der Staat ist “von dieser Welt”, da er jeweils einen räumlich-abgegrenzten Herrschaftsbereich besitzt und v.a. auch zur Anwendung von Machtmitteln berufen ist. Allein darauf bezieht sich aber das Handeln in der Politik. Es kann also keine Rede davon sein, dass die Befürworter politischen Engagements von Christen das Reich Gottes irdisch-politisch realisieren wollen.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Wieso kann davon keine Rede sein? Sehr geehrter Bruder Zimmermanns Sie blenden die DEA- und WEA-Bemühungen der Transformationstheologen um eine Gesellschaftstransformation komplett aus … das ist die weit überwiegende Mehrheit aller Kirchen!!! Bitte studieren Sie doch was Bruder Rudolf Ebertshäuser und Bruder Dr. Martin Erdmann biblisch fundiert zu diesem Thema zu sagen haben! Literaturempfehlungen “Zerstörerisches Wachstum” R.Ebertshäuser. und “Der Griff zur Macht” M.Erdmann


Allerdings hängt dies auch von den angestrebten Zielen des politischen Handelns ab, die ich unter 3. näher darstellen werde, d.h es gibt fehlgeleitete Konzeptionen politischen Handelns auch unter Christen, die tatsächlich das Reich Gottes in dieser Welt auf politischer Ebene aufbauen wollen. Solche Konzeptionen, die häufig auch gerade in unserer Zeit auftreten, etwa unter der Bezeichnung “Reichstheologie” o.ä., sind jedoch entschieden abzulehnen.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Diese (fehlgeleiteten Konzeptionen) sind jedoch nicht etwa Randerscheinungen sondern beherrschen den Evangelikalismus dieser Tage. 


f) Es trifft nicht zu, dass die Christen Bürger nur des Himmelreichs sind. Dies sind sie zweifellos auch und in erster Linie (vgl. Phil 3,20). Aber sie sind gleichermaßen auch Bürger des Staates, in dem sie leben. Paulus besaß das Bürgerrecht des Römischen Reiches, was im 1. Jhd. n. Chr. von dessen ca. 60-80 Millionen Einwohnern nur ca. 5 Millionen besaßen und er hat nach seiner Bekehrung nicht etwa darauf verzichtet, sondern von den Rechten, die ihm dieses Bürgerrecht gab, mehrmals Gebrauch gemacht (vgl. z.B. Apg 16,37; 22,25 ff.).

Man kann politische Betätigung von Christen also nicht mit dem Argument ablehnen, Christen seien Bürger nur des Himmelreichs und hätten keine Beziehung zu dem Staat, in dem sie leben und kein Recht, auf dessen innere Gestaltung Einfluss zu nehmen.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Daß sich Paulus um sich vor Verfolgung und Bestrafung zu schützen auf sein römisches Bürgerrecht berief kann jedoch nicht als Argument dafür herhalten daß er in einem engeren oder weiteren Sinne politisch gehandelt hätte und erneut wird die bisher unbelegte Behauptung wieder und wieder wiederholt und aus Umkehrschlüssen abgeleitet, daß es ein Recht des Christen auf politische Mitgestaltung geben würde.


Wenn Christen in Gehorsam gegen Gott politisch handeln und auch öffentliche Ämter bekleiden, so wollen sie dabei auch nicht herrschen, sondern Gott und ihren Mitbürgern dienen, so wie auch ein Christ, der seine Verantwortung ernst nimmt, als Familienvater, als Gemeindeleiter oder in beruflich leitender Position, nicht herrschen, sondern dienen will (vgl. 1. Petr 5,3). Der Vorwurf, politisch handelnde Christen wollten herrschen oder strebten eine Herrschaft der Gemeinde Jesu in der Welt an, geht somit jedenfalls dann ins Leere, wenn sie ihre Verantwortung ernst nehmen.

Zutreffend ist allerdings, dass die Gemeinde Jesu als solche keinen politischen Auftrag besitzt. Selbst wenn sie sich zu Recht veranlasst sieht, eindeutiges und schwer wiegendes staatliches Unrecht zu kritisieren und die Herrschenden an ihre Verantwortung vor Gott zu erinnern, was auch Paulus gegenüber dem Landpfleger Felix tat (Apg 24,25), so handelt sie dabei nicht unmittelbar politisch, sondern beurteilt und kritisiert nur das politische Handeln der Verantwortlichen aus biblischer Sicht.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Sehr geehrter Bruder Zimmermanns, meinen herzlichsten Dank für diese Klarstellung, der ich gänzlich zustimmen kann. Bemerken Sie jedoch vielleicht den Widerspruch in den sie sich hier verwickeln in dem sie das Kollektiv der Gemeinde ausnehmen, jedoch das Individuum, also den einzelnen Christen politisch handelnd gewähren lassen möchten? Widerspricht dieses individuelle Handeln eines Christen herausgelöst aus der Gemeinschaft der Gemeinde nicht dem Gebot zum Frieden und der Einmütigkeit in der Versammlung der Heiligen? 


g) Wie ist nun das weitere Argument zu beurteilen, dass die Welt im Herrschaftsbereich des Bösen liege und alle Versuche, mit politischen Mitteln eine Besserung der Verhältnisse herbeizuführen, von Vornherein zum Scheitern verurteilt und daher abzulehnen seien? Es trifft zu, dass Satan bis zur Wiederkunft der Herr dieser Welt ist (vgl. z.B. Joh 12,31; 16,11; 2. Kor 4,4) und dass die ganze Welt im Argen liegt (1. Joh 5,19). Aber Ausmaß, Intensität und Wirkung dieser Herrschaft des Bösen sind je nach der politischen, geistigen und geistlichen Verfassung eines Staates sehr unterschiedlich: So gibt es Zeiten und Länder, in denen sich das Böse offen und ungehindert in Form von Brutalität, Willkür und Unrecht in Staat und Gesellschaft ausleben kann, während es zu anderen Zeiten durch eine rechtsstaatliche Ordnung und durch eine christliche Prägung von Staat und Gesellschaft stark eingedämmt ist. Im Übrigen hat Gott den Staat ja gerade zu dem Zweck eingesetzt, um die Macht des Bösen in der Welt zu bändigen und einzudämmen, um trotz der grundsätzlichen Herrschaft des Bösen soweit wie möglich ein friedliches, gerechtes und geordnetes Zusammenleben der Bürger zu ermöglichen. Christen, die politisch handeln, können die Herrschaft des Bösen nicht beseitigen, wohl aber darauf hinarbeiten, dass deren konkrete Ausprägung und Auswirkungen durch eine rechtsstaatliche Ordnung erheblich eingedämmt werden.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Leider wird durch Ihre Wiederholung Ihres Argumentes der Mitarbeit an der Gestaltung unserer rechtsstaatlichen Ordnung, immer noch nicht deutlich woher die Legitimation aus Gottes Wort abgeleitet werden kann, die Sie alleine aus dem weltlichen Recht zur politischen Mitgestaltung ableiten. Wie verhält es sich aber, wenn der Bürger dieses Recht verwehrt bekäme, würde dies im Umkehrschluß bedeuten, daß Dietrich Bonhoeffer der Verbindungen zu der Widerstandsbewegung unterhielt, zurecht als Staatsfeind inhaftiert und ermordet wurde? Gewiß würden Sie hier kaum zustimmen können daß dies zurecht geschah, jedoch zeigt uns diese Frage an, daß das was wir staatliche Rechtsordnung nennen, eine überaus fragile Sache ist, aus der wir keine Anleitung zu Handlungen ableiten dürfen, die über den Handlungsspielraum den uns das Evangelium aufzeigt hinaus geht. 


An dieser Stelle spielen die Ziele, die die Christen mit ihrer politischen Betätigung verfolgen sollen, natürlich wiederum eine große Rolle; Christen dürfen selbstverständlich keine Utopien wie z.B. die heute vielfach verfochtene Transformierung der Welt oder die Ziele nichtchristlicher Ideologien vertreten; ebenso wenig dürfen sie sich zum Handlanger der Regierenden und zur Legitimierung von staatlichem Unrecht hergeben; auf die Ziele des politischen Handelns von Christen werde ich noch näher eingehen.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Für Sie, Dr. Lothar Gassmann, Pastor Jakob Tscharntke und wenige Andere mag das vielleicht eine Selbstverständlichkeit sein … aber wie möchten Sie denn in Ihrer Gemeinde die Grenzen ziehen, wenn es Individuen einfällt sich den Reichsbürgern anzuschließen, oder PEGIDA hinterher zu laufen … wie wollen Sie sich dem Einfluß auch der Transformationstheologen erwehren, wenn die politische Handlungen dem Einzelnen erlaubt sind  und er den Argumenten der “Rattenfänger” z.B. der Emerging Church anheim fällt? Tür und Tor sind geöffnet und in der Gemeinde wird Unfrieden herrschen über untergeordnete Fragen!


 Auch das Argument, dass Christen sich deshalb von politischem Handeln fernzuhalten hätten, weil der Staat Teil der “Welt” und damit des “Bösen” sei, trifft nicht zu:

Die meisten Staaten wurden und werden im Lauf der Geschichte zwar meistens von Nichtchristen beherrscht, d.h. von Namenschristen, Atheisten und Angehörigen nichtchristlicher Religionen. Die meisten dieser Herrscher erkennen auch nicht die für ihr Handeln geltenden biblischen Normen an. Viele verfolgen sogar die Gemeinde Jesu und haben auch ansonsten große Schuld auf sich geladen. Dennoch wird der Staat und seine Regierung von der Bibel aber nicht einfach als Teil der Welt, d.h. als Teil der gefallenen Schöpfung angesehen, sondern als eine von Gott selbst eingesetzte gute Ordnung. Somit bedeutet politisches Handeln von Christen den Dienst an einer von Gott eingesetzten Ordnung. An Unrecht dürfen sich Christen dabei allerdings nicht beteiligen, denn Gläubige dürfen nicht Gemeinschaft mit den Werken der Finsternis haben (Eph 5,11) und nicht an fremden Sünden teilhaben (1. Tim 5,22, S.1).

Dies ist jedoch mit politischem Handeln nicht zwangsläufig verbunden und davon zu trennen, auch wenn nicht bestritten werden soll, dass solche Gefahren bestehen.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: …und da uns zudem verboten ist an einem Joch mit der Welt zu ziehen 2. Kor 6,14 und die Gerechtigkeit mit der Ungerechtigkeit nichts zu tun hat, ist somit auch jedwede Beteiligung hinfällig. Diese zwangsläufige Korrumption beschreibt Dr. John MacArthur sehr eindrücklich, der in jungen Jahren Mitglied der US-Republikaner war. 


Wie verhält es sich nun mit der häufig geäußerten Befürchtung, politisches Handeln könne zu einer ethischen Korrumpierung der Christen und zu deren Verstrickung in zahlreiche Sünden führen und sei aus diesem Grunde abzulehnen?

Dass diese Gefahren bestehen, v.a. dann, wenn Christen hohe staatliche Ämter bekleiden oder anstreben, sollte man nicht bestreiten oder unterschätzen. So starb Oliver Cromwell, der in England Mitte des 17. Jhds. als Lordprotektor regierte und eine christliche Staatsordnung einführen wollte, in der Erkenntnis, in der Ausübung seines Amtes oftmals schwer gesündigt zu haben; er vermochte sich zuletzt nur noch mit der Überzeugung zu trösten, dass, wer einmal bekehrt war, nicht mehr verloren gehen könne. In der Tat hatte Cromwell als Staatsmann mehrfach schweres Unrecht begangen. Richtig ist ferner, dass jede Position in leitender politischer Stellung oder in Regierungsverantwortung ein besonders hohes Maß an Versuchung zur Sünde und zur ethischen Korrumpierung mit sich bringt. Die Gefahren bestehen in solchen Stellungen v.a. in Geldliebe, ungeordnetem Streben nach Macht, Ehre und Ansehen, Verleugnung biblischer Grundsätze, Verstrickung in Lüge und Ungerechtigkeit sowie Feindschaft und Rachsucht gegenüber politischen Gegnern und Konkurrenten. Ein Christ in einer Stellung als Minister oder Parteivorsitzender ist wohl tatsächlich einem bedeutend größeren Maß an Versuchung zu zahlreichen schweren Sünden ausgesetzt als in den meisten anderen beruflichen Stellungen.

Dennoch ergibt sich auch unter diesem Gesichtspunkt nicht die Notwendigkeit eines Verzichts auf politisches Handeln oder auf Übernahme staatlicher oder politischer Ämter. Denn wenn politisches Handeln und selbst der Beruf als Politiker oder leitender Regierungsbeamter für sich genommen nicht verwerflich ist, dann ist eine solche Tätigkeit auch für einen Christen grundsätzlich legitim. Gott wird demjenigen auch ein größeres Maß an Leitung und Bewahrung zukommen lassen. Denn unabhängig davon, wie “groß” oder “klein” eine Versuchung für den einzelnen Christen sein mag, sie wird niemals dessen Vermögen, sie zu bewältigen, übersteigen (1. Kor 10,13). Christen haben also keinen Grund, die Übernahme politischer Betätigung oder die Ausübung eines öffentlichen Amtes von Vornherein aus Angst vor den damit verbundenen Versuchungen und Gefahren abzulehnen. Und wenn sie dabei tatsächlich in irgend einer Weise gesündigt haben, so gilt ihnen ebenso wie bei einer Sünde im privaten Bereich die Verheißung aus 1. Joh 1,9. Selbstverständlich sollten sie sich auch prüfen, ob die Übernahme eines solchen Amtes tatsächlich Gottes Willen für sie persönlich entspricht..

Für Christen, die sich nur in geringerem Umfang politisch betätigen, etwa durch Stimmabgabe bei Wahlen,


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Die Teilnahme an einer geheimen Wahl ist in diesem Sinne keine politische und öffentliche politische Betätigung im Gegensatz zu der Öffentlichkeit der Teilnahme an einer Demonstration, oder der Ausübung des passiven Wahlrechts als Kandidat verbunden mit einer Parteizugehörigkeit …


Teilnahme an Demonstrationen, bloßer Mitgliedschaft in einer Partei ohne Übernahme wichtiger Ämter u.ä. bestehen diese Gefahren ohnehin nur in geringem Maße.

h) Zu der Frage, ob Christen zum politischen Handeln verpflichtet oder nur berechtigt sind, möchte ich Folgendes sagen:

Auch wenn Christen jedenfalls in einer Demokratie durchaus zum politischen Handeln berechtigt sind, so besteht dennoch keine Verpflichtung dazu, es sei denn, der einzelne Christ wäre von Gott zu politischem Handeln berufen, was für einige Christen durchaus so sein kann. Einer solchen Berufung hätte er ebenso Folge zu leisten wie etwa einem Ruf in die Mission.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Da ich im Neuen Testament, im Unterschied zum Gottesstaat Israel, nirgendwo eine solche Berufung von Gott für ein politisches Amt entdecken kann, verweise ich diese auch in das Reich der Fabeln, die leider sehr häufig im Neoevangelikalsimus bemüht werden.


Eine Verpflichtung des einzelnen Christen zum politischen Handeln ergibt sich aus der Bi-bel jedoch nicht. Denn die meisten politischen Sachgebiete und Entscheidungen setzen umfassende Sach- und Fachkenntnisse voraus (etwa auf wirtschafts- oder finanzpolitischem Gebiet). Ohne entsprechende Sachkenntnis ist eine entsprechende politische Verantwortung und darauf bezogenes Handeln aber nicht denkbar. Das bedeutet als erstes, dass ein Christ keine Verantwortung für Sachgebiete und Entscheidungen tragen kann, für die ihm diese Sachkenntnisse fehlen.

Zwar gibt es auch Sachbereiche, wo es weniger auf Fachkenntnisse ankommt, sondern mehr auf Kenntnis und Anwendung biblischer Normen. Dieses Wissen besitzt nun aber jeder Christ aufgrund seiner Bibelkenntnis. So ist z.B. kein juristisches, medizinisches oder theologisches Fachwissen erforderlich, um als Christ zu der Feststellung zu gelangen, dass Abtreibung nicht nur ethisch verwerflich, sondern auch vom Staat unter Strafe zu stellen ist. Ebenso muss ein Christ kein Lehrer, Psychologe oder Anthropologe sein, um zu erkennen, dass die Ideologie des Gender Mainstreaming dem christlichen Menschenbild und christlicher Ethik zutiefst widerspricht. In solchen Fragen lässt sich die politische Verantwortung des Christen somit nicht mit fehlenden Sach- und Fachkenntnissen verneinen.

Allerdings folgt daraus noch nicht die Verpflichtung für jeden Christen, eine entsprechende Verantwortung übernehmen zu müssen und sich in irgendeiner Weise politisch zu betätigen. Dies wäre nur dann der Fall, wenn sich eine solche Verpflichtung aus der Bibel herleiten ließe.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Genau dies ist die Schwachstelle in Ihrem Plädoyer, die Legitimation für eine politische Aktivität läßt sich biblisch nicht herleiten.


Als entsprechende Aussage wird häufig Jer 29,7 angegeben (lesen). Mit diesem Satz forderte der Prophet Jeremia sein Volk auf, auch in der Stadt Babylon, in die es verschleppt worden war, zum Wohl dieser Stadt zu wirken. Der Hintergrund dieser Aufforderung bestand darin, dass Jeremia wusste, dass das Volk Israel noch lange Zeit in der Verbannung in Babylon würde leben müssen. Diese Aufforderung ergeht in gleicher Weise an die Christen in unserer Zeit, die sich ja gleichfalls in dem “Babylon” der “Welt” befinden und darin für die gesamte Dauer ihres irdischen Lebens leben. Jedoch sagt Jeremia nicht, dass dieses Wirken zum Besten der Stadt in politischer Betätigung bestehen müsste. Denn die Möglichkeit zur unmittelbaren politischen Einflussnahme auf die absolute babylonische Monarchie war für die dorthin verschleppten Juden ohnehin ausgeschlossen. Sicherlich hängt das “Wohl”, d.h. die positive Ausgestaltung der äußeren Verhältnisse einer Stadt bzw. eines Staates und die Lebensqualität ihrer Bürger zu einem großen Teil von den politischen sowie den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen ab. Andererseits spielen aber dabei auch andere Aspekte eine wichtige Rolle, wie z.B. die innere geistige und ethische Verfassung der Gesellschaft und der einzelnen gesellschaftlichen Gruppen (v.a. Kirche und Familie). Auch die größere oder geringere Zahl der wahrhaft Gläubigen hat erhebliche Auswirkung auf die Prägung eines Staates und seiner Gesellschaft. Daraus folgt, dass das Wirken der Christen zum Wohl eines Staates nicht notwendigerweise auf politischem Gebiet liegen muss, sondern ebenso auf diakonischem und evangelistischem Gebiet liegen kann. Auch Jeremia fügt in dem genannten Vers 29,7 hinzu: “…und betet für sie (d.h. die Stadt Babylon) zum Herrn”. Denn nicht nur durch aktives Handeln, sondern auch durch Gebet kann auf politisches Geschehen Einfluss genommen werden, was im NT auch durch 1. Tim 2,2 bestätigt wird. Denn Gott ist der Herr von Geschichte und Politik und es geschieht nichts gegen seinen Willen oder seine Zulassung und wir dürfen und sollen seinen starken Arm auch in diesen Dingen durch unser Gebet in Bewegung setzen.


Kommentar ootb: Man beachte bitte die Heilszeit! Der Gottesstaat Israel ist eine Einmaligkeit und wurde nach dem Willen Gottes zur Zeit der Richter auch ohne Könige installiert. Wir können jedoch dieses einzigartige Staatsgebilde und die hieraus erfolgenden Berufungen von Richtern, später Königen, oder weisen Ratgebern wie Daniel, in keiner Weise auf andere Staatsgebilde übertragen.


Dies bedeutet im Ergebnis, dass Christen wohl ein Recht, aber keine Pflicht zum politischen Handeln haben, sodass jeder Christ im Gebet und im Gespräch mit anderen Geschwistern für sich prüfen sollte, ob und in welcher Weise er dies tun soll oder nicht. Sowohl die Entscheidung, sich politisch zu betätigen als auch davon Abstand zu nehmen, muss als verantwortliche Entscheidung vor Gott getroffen werden.

3. Die Zielrichtung der politischen Betätigung

Von großer Bedeutung ist selbstverständlich nicht nur, ob sich Christen überhaupt politisch betätigen dürfen oder sollen, sondern auch, welche Ziele sie nach dem Willen Gottes bei ihrem Handeln anstreben sollen.

Hier muss man zunächst unterscheiden, um welche Gebiete der Politik es sich dabei handelt: Geht es um Bereiche, in denen Sach- und Fachkenntnisse im Vordergrund stehen, so muss das Ziel darauf gerichtet sein, diese Sach- und Fachkenntnisse zum Wohl der Allgemeinheit zur Geltung zu bringen. So verhält es sich etwa, wenn Christen sich als Fachleute etwa in der Wirtschafts- und Finanzpolitik, der Umweltpolitik, der Städtebau- oder Straßenbaupolitik betätigen. Um biblisch-ethische Grundsätze geht es in diesen Bereichen zumeist nicht in erster Linie, obwohl ein Christ, der sich auf diesen Gebieten betätigt, selbstverständlich auch unparteilich und unbestechlich sein muss, der Wahrheit verpflichtet ist und nicht nur im Interesse bestimmter Personen oder einzelner Interessengruppen handeln darf, sondern das Wohl der Allgemeinheit und aller Beteiligten im Blick haben muss.

Anders verhält es sich jedoch in weiten Bereichen der Innen- und Justizpolitik sowie der Kirchen- und Familienpolitik, aber auch in der Außen-, der Schul- und Kulturpolitik. Dort geht es darum, die für diese Bereiche maßgeblichen Gebote und Ordnungen Gottes zur Geltung zu bringen.

Es stellt sich hierbei als erstes die Frage, welche dies sind. Denn dies ist umstritten; von vielen Christen wird behauptet, dass der Staat nach den Grundsätzen des Evangeliums und der Bergpredigt zu handeln habe. Anderen geht es bei dem christlichen Engagement in der Politik in erster Linie um Sozialpolitik zum Schutz der sozial Schwachen. Wieder andere wollen das gesamte biblische Rechtssystem des AT zur Geltung bringen, das auch das sog. Judizialgesetz umfasst, d.h. die alttestamentlichen Straf- und sonstigen Rechtsbestimmungen.

Hierzu wäre Folgendes zu sagen: Die Bibel enthält mit ihrem Moralgesetz, v.a. den Zehn Geboten, diejenigen Bestimmungen, die erforderlich sind, damit der Staat seine Aufgabe, das Böse einzudämmen und zu bestrafen, wahrnehmen kann. Denn die Zehn Gebote beinhalten den Schutz des Lebens, des Eigentums, der Ehe und der persönlichen Ehre und anderer Rechtsgüter, die damit zusammenhängen. Diesen Schutz hat der Staat auch mit strafrechtlichen Mitteln sicherzustellen. Ebenso hat der Staat die Menschenwürde seiner Bürger, die jedem Menschen als Geschöpf Gottes von der Empfängnis bis zum Tod ohne Rücksicht auf Alter, Gesundheit, Bewusstsein o.ä. zukommt, anzuerkennen und zu schützen. Und die Bibel sagt, dass eine Ehe eine öffentlich geschlossene unauflösliche Gemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau ist. Nur eine solche Gemeinschaft darf der Staat rechtlich als Ehe anerkennen und fördern, also weder die uneheliche Lebensgemeinschaft noch die Homo-Ehe noch die Mehrehe. Andere biblische Bestimmungen verpflichten den Staat und seine Organe zu wahrem, gerechtem, unparteilichem und unbestechlichem Handeln (vgl. z.B. Jes 5,20; Sach 8,16 betr. Wahrheit; 5. Mose 16,18; Spr 14,34 betr. Gerechtigkeit; 2. Mose 23,3; 3. Mose 19,15 f betr. Unparteilichkeit; 2. Mose 23,8; Spr. 15,27 betr. Unbestechlichkeit). Diese Bestimmungen sind auch im Neuen Bund gültig; sie sind nicht etwa durch die Bergpredigt oder das Liebesgebot abgeschafft oder aufgelöst. Sie gelten auch für den Staat, der sich selbst als “säkular”, d.h. von Gott und der Bibel losgelöst betrachtet. Denn eine Regierung oder Parlamentsmehrheit kann ebenso wenig wie der einzelne Mensch Gottes Gebote außer Kraft setzen. Ein konsequentes Handeln des Staates nach der Bergpredigt würde im Übrigen dazu führen, dass der Staat kein Recht hätte, sich und seine Bürger gegenüber Angriffen und Bedrohungen von innen oder außen zu verteidigen und Straftaten angemessen zu vergelten. Das Evangelium und die Bergpredigt gelten nach dem Willen Gottes ohnehin nicht für den Staat, sondern nur für die Gemeinde Jesu. Denn die Nichtgläubigen sind gar nicht in der Lage, nach den Grundsätzen des Evangeliums wie etwa Feindesliebe, Rechtsverzicht und Vergebung zu leben. Und es darf niemals außer Acht gelassen werden, dass die Welt bis zur Wiederkunft Jesu eine unerlöste Schöpfung ist, sodass politische Ziele, die eine Umgestaltung oder Transformation der Welt anstreben, Utopien sind, an denen sich Christen nicht beteiligen dürfen. Dies gilt erst recht für Ideologien, die eine Welt ohne Krieg, Ungerechtigkeit, Hunger und Umweltverschmutzung und eine in Liebe, Frieden und Brüderlichkeit lebende Menschheitsgemeinschaft versprechen. Auf der anderen Seite ist der heutige Staat nach dem Willen Gottes nur dazu eingesetzt, die äußerliche Ordnung zu schützen, nicht aber dazu, mit Zwangsmitteln in Glaubensfragen einzugreifen. Daher hat der Staat anders als der Staat Israel im AT kein Recht, etwa nichtchristliche Religionen zu verbieten oder das Verbreiten von Irrlehren zu bestrafen, sondern er hat Glaubens- und Gewissensfreiheit zu gewähren. Auch das Strafgesetz des AT beruht zu einem großen Teil auf dem besonderen Charakter des Staates Israel als Staat des Volkes Gottes und gilt deshalb im Neuen Bund in seinen Einzelbestimmungen nicht mehr, wohl aber in seinen Grundzügen, etwa in dem Sinn, dass Straftaten gegen das Leben schwerer wiegen und daher härter bestraft werden müssen als Straftaten gegen das Eigentum oder Vermögen.

Ein weiteres wichtiges Ziel des politischen Engagements von Christen ist es, totalitären Ideologien und ihrer Durchsetzung entgegenzutreten, die wahnwitzige und utopische Ziele verfolgen, allen Bürgern die Zustimmung zu einer Staatsideologie aufzwingen, wobei dies nicht zuletzt schon in der schulischen Erziehung geschieht, der abweichende Meinungen mit Strafen oder sonstigen rechtlichen Konsequenzen belegen und Glaubens- und Gewissensfreiheit v.a. für die Christen beseitigen wollen. Auch in Deutschland sehen wir uns derzeit mehr und mehr mit derartigen Tendenzen konfrontiert wie z.B. bei der Ideologie des Gender Mainstreaming, mit der v.a. die Kinder in den Schulen indoktriniert und die Lehrer zu Erfüllungsgehilfen gemacht werden sollen.

In unserer Zeit wird ein politisches Engagement von Christen, das auf die Geltung von Gottes Geboten und Ordnungen abzielt, bekanntlich als “fundamentalistisch”, “autoritär” oder gar als “rechtsradikal” diffamiert. Davon darf man sich aber nicht einschüchtern lassen und sich erst recht nicht von dieser Zielsetzung abbringen lassen und sich an den herrschenden Zeitgeist anpassen.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Wie könnte ich als Christ in einer Partei mitarbeiten, die z.B. keine Einwände gegen die Massentötung Ungeborener erhebt, bzw. in einer solchen Frage zweideutig bleibt … hier, sehr geehrter Bruder Zimmermanns, beginnt doch alles, mit der Frage ob ich an den Werken der Finsternis teilhaben darf … hier gibt es auch nichts zu relativieren, was im Bezug auf eine recht neue Partei häufig versucht wird. 


4. Die Mittel der politischen Betätigung

Es versteht sich von selbst, dass Christen ihre Überzeugungen nur mit friedlichen Mitteln kundgeben und durchzusetzen suchen. Christen sind keine Fanatiker, die mit Hass, Gewalt, Drohungen oder Verleumdung vorgehen. Umgekehrt will Gott, dass die Christen ihren Feinden vergeben, auch wenn es sich dabei um politische Gegner handelt, die sie verleumden und bedrohen oder um christenfeindliche Staatsmächte, die sie verfolgen. Gott gebietet (Röm 13,1 ff., 1. Petr 2,13 f.), dass sich auch die Gläubigen ihrer jeweiligen Obrigkeit unterordnen und sie nicht etwa gewaltsam bekämpfen sollen. Das sagt Paulus sogar zu einer Zeit, in der in Rom Kaiser Nero regierte. Und wir sollen als Christen für unsere Regierungen beten (1. Tim 2,2). Aber Christen haben auch das Recht, von den in einer Demokratie allen Bürgern garantierten Rechten Gebrauch zu machen.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Das stimmt so nicht, da es Rechte gibt von denen wir unbedingten Abstand nehmen müssen. Betreffend der Frage der Grundrechte, müssen wir Christen das Widerstandsrecht Art 20 Abs, 4 GG ablehnen, da es eine gewaltsame Beseitigung der Regierung und ihrer staatlichen Organe beinhaltet.


Und sie dürfen dem Staat nur solange gehorchen, wie seine Anordnungen nicht gegen Gottes Gebote verstoßen, denn ansonsten gilt Apg 5,29, wo es heißt: “Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen”.

Zu den möglichen Formen des Einsatzes von Christen in der Politik zählen in erster Linie die Stimmabgabe bei Wahlen, die Mitarbeit in einer politischen Partei oder sonstigen politischen Vereinigung, die Teilnahme an Demonstrationen und die Information von Mitbürgern und v.a. Mitchristen über die Grundsätze und Ordnungen, die Gott für den Staat aufgestellt hat.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: “…die GOTT für den Staat aufgestellt hat” … Nun, dies genau können wir mit unseren Mündern kundtun, ohne uns in die Geschäfte dieser Welt und ihren Parteien verwickeln zu lassen. Die zu erwartende Verfolgung müssen wir auch, ohne auf säkulare Solidarität und Hilfe zu hoffen, in Kauf nehmen.


Hinzu kommt ggf. die Verteidigung der Rechte von Christen und christlichen Vereinigungen mit juristischen Mitteln.

Auch die Stimmabgabe bei Wahlen stellt eine verantwortliche Entscheidung dar. Dies schließt es etwa aus, eine Wahlentscheidung nur “aus Protest” zu treffen, ohne zu prüfen, welche Ziele die gewählte Partei vertritt und ob in Anbetracht dessen ihre Wahl verantwortet werden kann. Denn hierbei muss es für Christen entscheidend auf bestimmte Wahlkriterien ankommen:

Dies ist zum einen die Anerkennung der für das staatliche Handeln maßgeblichen Gebote Gottes. Hierbei kommt es natürlich nicht nur auf theoretische Bekenntnisse etwa im Parteiprogramm oder auf Wahlkundgebungen vor christlichem Publikum an, sondern darauf, ob die betreffende Partei tatsächlich ernsthaft gewillt ist, nach diesen Grundsätzen und Geboten zu handeln und Gottes Gebote und Ordnungen in Staat und Rechtsordnung zur Geltung zu bringen. Dementsprechend kann ein Christ keine Partei wählen, die auf einer anderen weltanschaulichen Grundlage als der des christlichen Welt- und Menschenbildes und christlicher Ethik beruht, von Parteien auf der Basis einer totalitären Ideologie ganz zu schweigen.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: und somit kann der liebe Christ auch gleich zu Hause bleiben und sollte sich hüten in eine solche Partei gar einzutreten, denn andernfalls müßte er Kompromisse schließen mit Parteien die das Leben der Ungeborenen nicht schützen, die Homo-Ehe befürworten, Moscheen fördern, Freimaurer in ihren Reihen haben, etc. etc. etc. … sehr geehrter Herr Zimmermanns, Sie sprechen von einer Partei die nicht existiert. 


Das zweite wichtige Kriterium ist das Maß an Sachkompetenz einer Partei in den einzelnen Aufgabenbereichen des Staates, etwa in den Bereichen Wirtschafts-, Finanz-, Sozial-, Umweltschutz- und Energiepolitik. Denn ein hohes Maß an Kompetenz auf diesen Gebieten ist erforderlich, damit der Staat seine Aufgaben sachgerecht erfüllen kann. Die christliche Ausrichtung einer Partei genügt also nicht, um sie zu wählen, sondern sie muss auch ein möglichst hohes Maß an Sachkompetenz aufweisen.

Schließlich gilt für viele auch der zu erwartende Erfolg einer Partei als wichtiges Kriterium für die Wahlentscheidung. Dies gilt in Deutschland insbesondere im Hinblick auf die 5%-Klausel als Bedingung für den Einzug in das betreffende Parlament. Da eine Partei, die keine Aussicht auf Erzielung von mindestens 5% hat, keine Aussicht auf Einzug in das Parlament hat, wird vielfach gesagt, dass es nicht angebracht sei, sie zu wählen, da die Stimme dann “verschenkt” sei.

Dem kann ich jedoch jedenfalls in dieser Allgemeinheit nicht zustimmen. Denn zum einen haben zahlreiche Parteien ihren Erfolg im Lauf ihrer Geschichte oft erst nach kleinen Anfängen und schweren Misserfolgen und Rückschlägen errungen. Außerdem kann für eine kleine Partei auch schon ein Ergebnis unterhalb von 5% einen großen Erfolg bedeuten. Auch können wenige Prozent Stimmen für eine christliche Partei in der Öffentlichkeit und bei den anderen Parteien eine große Signalwirkung haben.

Das hier Gesagte gilt noch mehr für Christen, die nicht nur an Wahlen teilnehmen wollen, sondern sich einer Partei als Mitglied anschließen und evtl. dort ein (leitendes) Amt übernehmen wollen.

5. Die Gemeinde Jesu und das politische Engagement ihrer Mitglieder

An dieser Stelle möchte ich ein weiteres Problem im Zusammenhang mit der politischen Betätigung von Christen ansprechen. Es ist bekannt, dass es unter politisch handelnden Christen unterschiedliche Grundauffassungen gibt. Manche Christen handeln auch in Grundsatzfragen ohne Weiteres nach den Prinzipien nichtchristlicher Ideologien, weil sie der Meinung sind, dass es keine spezifische “christliche Politik” gäbe. Andere wiederum bejahen eine spezifisch christliche Politik, sind sich jedoch dennoch hinsichtlich der in der Politik anzustrebenden Normen und Werte nicht einig. Es standen und stehen sich hierbei v.a. in Deutschland und den USA die sog. “konservativen Pietisten” und die “Linkspietisten” gegenüber. Es geht mir dabei v.a. um die Tatsache, dass es aufgrund unterschiedlicher Haltung zu politischen Fragen immer wieder zu mitunter tiefgreifenden Auseinandersetzungen zwischen Christen kommt.

Ich vertrete nun nicht den oft vertretenen Standpunkt, dass es wegen politischer Fragen überhaupt keine ernsthaften Auseinandersetzungen unter Christen geben dürfe. Denn es gibt Auffassungen in Fragen politischer Ethik, die in schwer wiegender Weise der biblischen Wahrheit widersprechen. Das ist etwa der Fall, wenn Christen behaupten, der Staat habe ein Recht, Abtreibung zu erlauben oder die sexuelle Gemeinschaft von Homosexuellen als Homo-Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft rechtlich anzuerkennen oder Schülern oder Beamten eine Ideologie wie Gender Mainstreaming aufzuzwingen. Ähnliches würde gelten, wenn etwa gesagt würde, der Staat habe das Recht, andere Staaten militärisch anzugreifen und zu unterwerfen oder Christen hätten das Recht, ihre Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Denn in all diesen Fällen würden Grundsätze christlicher Ethik in schwer wiegender Weise verkannt; solche Auffassungen darf die Gemeinde Jesu nicht tolerieren. Auch in der Urgemeinde wäre Gemeindezucht geübt worden, wenn ein bekehrter Zelot weiterhin Mordanschläge auf römische Soldaten verübt hätte oder ein bekehrter römischer Offizier oder jüdischer Zöllner sein Amt ungerecht ausgeübt hätte, etwa indem er Bestechungsgeld genommen oder andere erpresst oder misshandelt hätte.

Aber in den meisten Fällen wird man die unterschiedliche Auffassung andersdenkender Geschwister in politischen Fragen gelten lassen müssen. Dies betrifft v.a. die grundsätzliche Frage, ob Christen sich politisch betätigen sollen oder nicht. Hier möge jeder nach seiner Erkenntnis und seiner persönlichen Führung durch Jesus Christus glauben und handeln. Aber auch in strittigen Sachfragen oder Vorgehensweisen sollte man die unterschiedliche Auffassung anderer Geschwister respektieren. Es wäre schlimm, wenn sich bibeltreue Geschwister wegen unterschiedlicher Standpunkte in solchen politischen Fragen streiten und entzweien würden!


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb:  Ich halte geradezu diesen Diskurs über die Frage der biblischen Legitimation  für eine politische Betätigung eines Christen für überaus wichtig und hier sollte man sich in brüderlicher Liebe und in allem Respekt auch auseinandersetzen. Das Ansteckungspotenzial ist in dieser Frage sehr groß geworden, in sozialen Netzwerken muß man sogar von einer Radikalisierung von Christen sprechen, die aus pragmatischen Erwägungen alles mögliche gutheißen können. Die Frage nach der biblischen Legitimation ist leider immer mehr in den Hintergrund getreten und auch Sie tragen leider nur mit pragmatischen Argumenten vor.


6. Perspektiven in der Gegenwart

In dem letzten Abschnitt meines Vortrags geht es darum, welche Perspektiven ein auf die Geltung von Gottes Geboten und Ordnungen in unserem Land abzielendes politisches Handeln von Christen heute hat.

Was dies betrifft, so muss leider festgestellt werden, dass sich die Abkehr von Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft von Gottes Geboten und Ordnungen, der Ende der 60er Jahren begonnen hat, nach der Wiedervereinigung deutlich beschleunigt hat und nun seit etwa 2009 eine Phase noch stärkerer Beschleunigung eingesetzt hat. Dies gilt v.a. im Hinblick auf die immer radikalere Durchsetzung der Ziele der Homosexuellen- und der Feminismus-Bewegung und des Gender Mainstreaming. Die ev. Kirchen haben ebenfalls schon seit Langem die biblischen Grundlagen der Sexualethik sowie auch – auf dem Gebiet der Abtreibung – des Lebensschutzes als Grundlagen der Rechtsordnung abgelehnt und halten bekanntlich inzwischen nahezu einhellig praktizierte Homosexualität nicht mehr für Sünde, sondern für ethisch und rechtlich anerkennenswert und kirchlicherseits segenswürdig und akzeptieren die Ideologie des Gender Mainstreaming. Von den im Bundestag vertretenen Parteien kämpft keine einzige mehr gegen diese Entwicklungen, von einzelnen Abgeordneten abgesehen. Ob die AfD entsprechenden Einfluss gewinnt und v.a. auch, ob sich die christlichen Kräfte in ihr durchsetzen werden, ist aus meiner Sicht ungewiss. Und auch der Widerstand der kath. Kirche hat jedenfalls in Deutschland immer mehr nachgelassen. Gleiches gilt seit mindestens ca. fünf Jahren auch für den Großteil der Evangelikalen, insbesondere für deren Dachorganisationen DEA und Gnadauer Verband. Auch in den Schulen wird der unchristliche Zeitgeist massiv propagiert. Schließlich wird die Entchristlichung in vielen Punkten auch von den maßgeblichen Gremien der EU ihren Mitgliedsstaaten in Form von Gesetzen und Richtlinien aufgezwungen. Die Aussichten, hier eine Trendwende herbeizuführen, erscheinen jedenfalls für Deutschland sehr gering. Vermutlich ist das endzeitliche Gefälle hier schon so weit fortgeschritten, dass die antichristliche Entwicklung nicht mehr zu verhindern ist.


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: … und in der Folge auch jegliche gut gemeinte politische Aktivität ad absurdum führt. Ich denke, daß wir vieles was wir heute erkennen müssen, durchaus als Gerichtszeichen interpretieren dürfen. Daher sollen wir auch nicht etwa schweigen, denn wer in diesem Erdenkreis kennt die Wahrheit über das endzeitliche Weltgeschehen besser als wir Christen? Aus diesem Grund sollten wir auch nicht unser Zeugnis verwässern und mit säkularen Organen, oder auch unbiblischem Christentum verbinden, sondern aus eigener Verantwortung vor Gott unseren Mund öffnen wie es uns gegeben ist. 


In vielen anderen EU-Staaten ist der christliche Widerstand auf politischer und kirchlicher Ebene weitaus stärker, wie z.B. in England, Frankreich, Spanien, Polen und Ungarn. Und es ist in Deutschland keineswegs auszuschließen, dass Christen, die sich für die Geltung der Gebote Gottes einsetzen, als Extremisten und Verfassungsfeinde gelten werden, dass ihre politische Tätigkeit eingeschränkt wird und eine Reihe ihrer Standpunkte und Meinungsäußerungen sogar kriminalisiert werden. Aber dennoch darf dies kein Grund sein, der weiteren Zukunft ängstlich, gelähmt und untätig entgegen zu sehen. Gott wird das Bekenntnis seiner Jünger zu seinen Geboten und Ordnungen und den Protest gegen deren Zerstörung und gegen die moralische Umwertung aller Werte segnen. Und er hat zugesagt, dass er bei uns sein wird bis ans Ende der Welt.

Zusammenfassung und Ausblick

Wir haben somit als Ergebnis festgestellt, dass es nicht dem Willen Gottes widerspricht, dass sich Christen politisch engagieren. Das Ziel sollte in den grundsätzlichen Fragen auf die Geltung und Durchsetzung der Gebote und Ordnungen Gottes und auf die Abwehr unchristlicher und totalitärer Ideologien gerichtet sein. Jeder Christ sollte sich prüfen, ob und inwieweit er sich politisch betätigen sollte. Auch in der gegenwärtigen Zeit dürfen Christen keine Angst haben, Gottes Gebote in der Politik zu vertreten und zu bezeugen und dafür ggf. auch Nachteile in Kauf zu nehmen. Jesus Christus wird wiederkommen und einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, in denen Gerechtigkeit wohnt (2. Petr 3,13).

Amen.

Thomas Zimmermanns


[Hervorhebung ootb] Kommentar ootb: Leider kann ich Ihrer Conclusio überhaupt nicht zustimmen, den Nachweis den Sie in Ihrem Vortrag anstreben, erbringen Sie nicht, Behauptung folgt auf Behauptung jedoch einer biblischen Prüfung hält diese Argumentation hier nicht Stand.

Im Dissens sachlich entzweit, jedoch in der brüderlichen Liebe in Christus verbunden

Ihr ootb


Autor ootb © alle Rechte vorbehalten.

2 Kommentare

Kommentar verfassen