DIE HERRLICHKEIT DES WESENS GOTTES (DR. MARTIN ERDMANN)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann http://veraxinstitut.ch)

Hebt hoch, ihr Tore, eure Häupter

und öffnet euch weit, ihr uralten Pforten,

dass der König der Herrlichkeit einziehe!

Ps. 24:7,8

Die Herrlichkeit Gottes bezieht sich auf die Gesamtheit seines Wesens

Wie kann man sich gegen den tödlichen Virus des Relativismus schützen? Das erneute und intensive Ringen um ein biblisches Gottesbild, das das kollektive Bewusstsein durchdringt und prägt, ist Grundvoraussetzung für die Wiederherstellung einer christlichen Denkweise in den Gemeinden. Nichts könnte für Christen von größerer Wichtigkeit sein, als sich im Denken und Handeln, an den von Gott eingesetzten ethischen Normen zu orientieren, die sich aus der ethischen Konstitution seines Wesens ableiten lassen.

Die Autoren des Alten Testaments waren sich stets bewusst, dass ihre Gedanken über Gott einen unübertroffenen Bedeutungswert besaßen und zudem noch von einer Ausdruckskraft geprägt wurden, die an Schönheit kaum überboten werden konnte. Als herausragendes Beispiel könnte man ihre Aussagen über die Herrlichkeit Gottes anführen.

Das hebräische Wort für „Herrlichkeit”, das diese religiösen Schriftsteller am meisten benutzten, lässt sich etymologisch von dem Begriff „schwer sein” ableiten. „Wenn wir im Gespräch mit anderen auf einen wichtigen Tatbestand hinweisen, benützen wir selbst in unserer modernen Sprache gerne Adjektive wie „gravierend”, „gewichtig”, „schwerwiegend”, um unserer Darstellung die gewünschte Akzentuierung zu geben. Genauso war es im sprachlichen und kulturellen Umfeld des Alten Testaments. Man schätzte das „Gewicht” einer Person an dem ein, was sie gesellschaftlich darstellte und an materiellen Gütern besaß. Die Herrlichkeit eines Königs leitete sich direkt von dem Ausmaß seines Reichtum und seiner Macht ab. Sein Ansehen und seine Ehre wuchsen proportional zu der Größe seines Herrschaftsbereiches, der Zahl seiner Untertanen und der ihm tributpflichtigen Nationen.

Selbst beim flüchtigen Lesen des Alten Testaments entdeckt man schnell, dass Gott als ein überaus herrliches Wesen vorgestellt wird. Es wird deutlich, dass Gott nicht nur Herrlichkeit besitzt, sondern auch selbst in seinem innersten Wesen herrlich ist. David nennt ihn „den Gott der Herrlichkeit” (Ps. 29,3). An einer anderen Stelle spricht er von der Grösse der Herrlichkeit Gottes (Ps. 138:5). Der Ausdruck „die Herrlichkeit Gottes” erscheint an so vielen Stellen, dass sie sich auf mehr als nur einen Wesenszug Gottes beziehen muss. In der Tat wird uns Gott in seiner Herrlichkeit als der unumschränkte Regent des Universums in der Gesamtheit seiner ewigen Vollkommenheit vor Augen geführt. Die Beschaffenheit seines Charakters und die Fülle seines kreativen Schaffens kommt darin zum Ausdruck, dass die eigentliche Essenz seines Seins umfassend in seiner Herrlichkeit beschrieben wird. Alle göttlichen Attribute erleuchten in vereinter Harmonie in majestätischem Glanz und formen ein geschlossenes Bild seines glorreichen Wesens und Werkes.

Als David fragt, wo der König der Herrlichkeit geblieben sei, wird ihm zur Antwort gegeben, dass der Herr heldenhaft stark und mächtig ist (Ps 24:8). Seine Herrlichkeit bezieht sich in diesem Falle hauptsächlich auf seine Macht. Dem Aufruf des Psalmisten, die Herrlichkeit Gottes den Nationen zu verkündigt (Ps. 96:3) und ihm die Ehre seines Namen darzubringen (v. 8), folgt die Aufzählung einer ganzen Litanei göttlicher Wesenszüge. Darin eingeschlossen sind nicht nur seine Majestät und Kraft, sondern auch seine Schönheit und Souveränität, sowie seine Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit und Treue (vv. 6,10,13). Gottes Herrlichkeit umschliesst alles, was sein innerstes Wesen und sein äusserliches Handeln ausmacht.

Darüber hinaus kann Gott nie etwas von seiner Herrlichkeit verlieren, ohne gleichzeitig aufzuhören, Gott zu sein. Hierin unterscheidet er sich von den Menschen, die alles einbüssen können, wofür sie bekannt sind – ihre gesellschaftliche Stellung, ihren Ruf, ihr Vermögen, oder sonst etwas – und doch verlieren sie nichts von ihrem Menschsein. Gott aber würde nicht mehr Gott sein, wäre es möglich, dass er seine Herrlichkeit verliert. Deshalb ist er nie bereit, sie mit anderen Götzen zu teilen. Der Aberglaube und Götzendienst trifft das Herz Gottes an seiner empfindlichsten Stelle. Durch Jesajas Feder lässt er bekunden:

„Ich bin der Herr, das ist mein Name, und meine Ehre gebe ich keinem anderen und meinen Ruhm nicht den Götzen” (Jes. 42:8).

Gott ist regelrecht gezwungen, seinen Zorn gegen die Menschen zu richten, die seine Herrlichkeit mit dem Abbild kreatürlicher Lebewesen vertauschen (Röm. 1:18-23). Er wird es niemandem erlauben, den gewaltigen Wert seiner Herrlichkeit zu vermindern und die Erhabenheit seiner Majestät zu schmählern.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte neigte Gott sich gelegentlich herab, um seine Herrlichkeit in begrenzter Weise sichtbar werden zu lassen. Zuerst begegnet uns die Herrlichkeit Gottes in einer anfänglich betrüblichen Episode zur Zeit der Wüstenwanderung des Volkes Israel. Das Volk stellte sich missmutig gegen Mose und Aaron, weil es nichts mehr zu essen hatte. Kaum waren sie aus der furchtbaren Sklaverei in Ägypten befreit worden, sehnten sie sich schon wieder zurück nach den äusserlich gesicherten Verhältnissen im „Glutofen” der Knechtschaft. Die Vorteile der neu gewonnenen Freiheit schienen ihnen illusorisch zu sein, solange ihr Magen knurrte. In dieser prekären Situation gab ihnen Mose zu verstehen, dass Gott, der sie trotz massiver Widerstände in die Freiheit geführt hatte, dafür sorgen würde, sie nicht verhungern zu lassen. Obwohl die Unmutsäußerungen des Volkes gegen Mose und Aaron gerichtet waren, missfielen sie Gott sehr, weil sie schlussendlich seine fürsorgliche Liebe in Zweifel stellten. Somit waren sie eigentlich direkt gegen ihn selbst gerichtet. Deshalb nahm er diese Situation zum Anlass, sich ihnen gegenüber in seiner Herrlichkeit zu erweisen. Durch ein Wunder würde er den Israeliten von nun an für ihren täglichen Bedarf Brot vom Himmel regnen lassen. Er würde ihnen bei Gelegenheit sogar Fleisch zu essen geben. Darin würde seine Herrlichkeit sichtbar werden (2. Mo. 16:7). Die übernatürliche Versorgung des Volkes mit „Himmelsbrot” (Manna) war somit Teil des „Gewichts” der Herrlichkeit, mit der sich Gott dem Volk zu erkennen gab. Darüber hinaus ging er auf die Bitte des Moses ein, ihm seine Herrlichkeit zu zeigen. In der Höhlung eines Felsen würde Gott solange seine schützende Hand über ihm halten, bis er vorübergegangen war und Mose ihm hinterherschauen konnte. Gott wusste, dass es kein Mensch lebende überstehen würde, das ganze Ausmaß seiner Herrlichkeit auf einmal zu erblicken. Als Gott vor den Augen Moses vorüberzog, stieß jener die folgenden Anbetungsworte aus. „Der Herr, der Herr ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Gnade und Treue, der Gnade auf Tausende hin bewahrt, der Unrecht, Übertretung und Sünde vergibt, doch auch den Schuldigen keineswegs ungestraft lässt, sondern die Schuld der Väter an Kindern und Kindeskindern heimsucht, am dritten und am vierten Gliede” (2. Mo. 34:6,7). Mose wusste aber auch, dass Gott seine vollkommene Gerechtigkeit nicht zurückstellen würde. Er war und blieb ein richtender Gott, der die menschliche Sünde nicht ungestraft lassen konnte. Trotzdem würde er die sündigen Menschen nicht gänzlich vernichten, sondern ihnen in seiner Liebe und Gnade begegnen.

Ein berühmter amerikanischer Prediger und Schriftsteller sprach einmal das folgende Gebet:

„Dir, Gott in der Höhe, gebührt alle Herrlichkeit. Wir preisen dich, wir segnen dich, wir beten dich an, um deiner großen Herrlichkeit willen. Herr, ich spreche etwas aus, das ich nicht verstehen; Dinge, die mir zu wundersam sind, als dass ich sie wissen könnte. Nur vom Hörensagen hatte ich von dir vernommen, jetzt aber hat mein Auge dich geschaut. Darum bekenne ich mich schuldig und bereue in Staub und Asche. O Herr, ich lege meine Hand auf den Mund. Einmal habe ich geredet, und noch ein zweites Mal habe ich es getan, doch niemals tue ich es wieder. Aber als ich meine Gedanken verschwieg, brannte das Feuer in mir. Herr, ich muss von dir sprechen, damit ich mich nicht gegen die Generation deiner Kinder vergehe. Siehe, du hast das, was der Welt als töricht erscheint, erwählt, um die Weisen zu beschämen; und was der Welt als schwach gilt, das hast du erwählt, um das Starke zu beschämen. O Herr, verlasse mich nicht! Erlaube mir, dieser Generation deine Stärke unter Beweis zu stellen und deine Macht all denjenigen, die noch kommen werden. Erwecke deiner Gemeinde erneut Propheten und Seher, die deine Herrlichkeit verkünden und durch deinen allmächtigen Geist deinem Volk das Wissen deiner Heiligkeit vermitteln! Amen”


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Eingestellt von Siegfried Schad © Dr. Martin Erdmann alle Rechte an diesem Artikel vorbehalten.

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