ORDNUNG UND FREIHEIT AUS DER BALANCE GERATEN (DR. MARTIN ERDMANN) / Kommentar (Siegfried Schad)

ORDNUNG UND FREIHEIT AUS DER BALANCE GERATEN (DR. MARTIN ERDMANN)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann http://veraxinstitut.ch)

Unser Zeitalter ist von den beiden Polen Ordnung und Freiheit stark geprägt. Dies ist ein Problem, mit dem jede Kultur seit dem Beginn der Menschheitsgeschichte konfrontiert wurde, aber noch nie zuvor in dem Maße, wie es heutzutage hervortritt. Wenn es keine Ausgewogenheit zwischen Ordnung und Freiheit gibt, bewegt sich die Gesellschaft zu dem einen oder anderen Extrem hin. Freiheit ohne ein angemessenes Maß von Ordnung wird zum Chaos und totalen Zusammenbruch der Gesellschaft führen. Ordnung ohne eine entsprechende Portion an Freiheit wird unausweichlich zu einem autoritären Regierungssystem und zur Zerstörung der individuellen und gesellschaftlichen Freiheit führen. Aber keine Gesellschaft kann in einem Zustand des Chaos existieren, denn jedes Mal, wenn das Chaos auch nur für kurze Zeit geherrscht hatte, resultierte daraus die Geburt einer tyrannischen Kontrollmacht.

Stabilität ist nicht selbstverständlich

Wir konnten in Deutschland und der Schweiz enorme menschliche Freiheiten genießen. Aber gleichzeitig gründete sich diese Freiheit auf solche Formen der Regierung, Gesetzgebung, Kultur und gesellschaftlichen Moral, die dem individuellen und gesellschaftlichen Leben Stabilität verliehen und die dafür sorgten, dass unsere Freiheiten nicht in ein Chaos führten. Zwischen Ordnung und Freiheit herrschte ein Gleichgewicht, das man für selbstverständlich ansah. Aber dies ist überhaupt nicht selbstverständlich! Es entsteht in einer gefallenen Welt keineswegs von selbst. Dieses einzigartige Gleichgewicht ist ein Erbe der reformatorischen Denkweise. Dies wird klar, wenn wir uns den langen Zeitraum der Geschichte ansehen und erkennen, wie sich die Machtverhältnisse in der Gesellschaft in einer bestimmten Periode verteilten. Aber genauso klar wird es, wenn wir in der Tageszeitung lesen, dass die halbe Welt totalitär unterdrückt wird.

Die Reformation veränderte die Gesellschaft

Die Reformation brachte nicht nur eine klare Verkündigung des Evangeliums hervor, sondern sie formte auch die Gesellschaft als Ganzes – einschließlich der staatlichen Gewalt, der Weltanschauung des Menschen und dem gesamten Spektrum der Kultur. In Nordeuropa und in Ländern wie den Vereinigten Staaten von Amerika, die im Grunde genommen nichts anderes als eine Erweiterung von Nordeuropa sind, brachte die Reformation ein enormes Anwachsen der Bibelkenntnis mit sich, das sich durch alle Gesellschaftsschichten zog. Hiermit möchte ich nicht sagen, dass die Reformation jemals ein »goldenes Zeitalter« gewesen wäre oder dass jedermann in den reformierten Ländern ein wirklicher Christ war. Aber es steht fest, dass durch die Reformation viele Menschen zu Christus geführt wurden und dass die absoluten Maßstäbe der Bibel eine weite Verbreitung in der gesamten Kultur erfuhren. Die Freiheiten, die daraus erwuchsen, waren gewaltig; und dennoch führten sie nicht zum Chaos, da die Ordnung fest im biblischen Konsens beziehungsweise Ethos verankert war.

Absolutes Freiheitsstreben führt zum moralischen Zusammenbruch

Aber in den vergangenen achtzig Jahren ist etwas Entscheidendes geschehen. Die Freiheit, die sich einst auf den biblischen Konsens und eine christliche Gesinnung gründete, entwickelte sich zu einer autonomen Freiheit, die sich aller Zwänge entledigt hat. Hier erkennen wir die Wirksamkeit des Zeitgeists: der autonome Mensch erhebt sich selbst zum Gott und widersetzt sich aller Erkenntnis sowie der moralischen und geistlichen Wahrheit, die von Gott gegeben wurde. Dies ist der Grund, warum in jedem Lebensbereich ein moralischer Zusammenbruch zu verzeichnen ist. Die gigantischen Freiheiten, die wir einst genießen konnten, sind von ihren christlichen Beschränkungen abgetrennt worden und entwickeln sich zu einer zerstörerischen Gewalt, die ins Chaos mündet. Wenn so etwas geschieht, gibt es wirklich nur wenige Alternativen. Jegliche Moral wird relativ, die Gesetzgebung willkürlich, und die Gesellschaft bewegt sich ihrem Verfall entgegen. Im persönlichen und privaten Leben wird das Mitleid vom Eigennutz verdrängt. Ein manipulierendes, autoritäres Regierungssystem wird das Vakuum ausfüllen, das dann entsteht, wenn die Erinnerung an den christlichen Konsens, der uns innerhalb der biblischen Ordnung Freiheiten gewährte, immer mehr verblasst. Die Begriffe »rechts« oder »links« spielen kaum eine Rolle. Sie sind nur zwei Straßen, die in dieselbe Sackgasse führen; die Ergebnisse sind gleich. Eine Elite wird mittels eines autoritären Regierungssystems der Gesellschaft schrittweise eine Ordnung aufzwingen, sodass sie nicht im Chaos endet – und die meisten Menschen werden dies sogar akzeptieren.

Das wahre Problem des 20. und 21. Jahrhunderts liegt in der einseitigen und sich gegenseitig abwechselnden Betonung entweder von Ordnung oder Freiheit. In unserer modernen Zeit tendiert man dazu, absolute Freiheit haben zu wollen – vollkommen unabhängig von allen wesentlichen Begrenzungen zu sein. Man versucht, alles von sich abzuschütteln, was die eigene, persönliche Autonomie einschränkt. Dies stellt eine direkte und bewusste Rebellion gegen Gott und seine Gesetze dar und führt unweigerlich in den Totalitarismus.

 


Kommentar (Siegfried Schad)

Die Gedankengänge Dr. Martin Erdmanns in diesem Artikel erinnern mich sehr stark an Francis A. Schaeffers Kulturdiagnose in dem Buch “Wie können wir denn leben?” (siehe Rezension und Buch im Betanien-Verlag HIER). Eine permissive Gesellschaft, ein Zusammenleben in dem alles erlaubt scheint, führt zu einem moralischen Verfall, einem kulturellen und geistigen Zusammenbruch und in der Folge zu politischer Anarchie. Die Folgen der neomarxistischen Frankfurter Schule (siehe Wikipedia HIER) und der aus ihr resultierenden 68-er-Bewegung sind dieser Tage in unserem Gesellschaftsleben zu besichtigen. Jedoch warnt Dr. Martin Erdmann eindringlich indem er schreibt:

Die Begriffe »rechts« oder »links« spielen kaum eine Rolle. Sie sind nur zwei Straßen, die in dieselbe Sackgasse führen; die Ergebnisse sind gleich. Eine Elite wird mittels eines autoritären Regierungssystems der Gesellschaft schrittweise eine Ordnung aufzwingen, sodass sie nicht im Chaos endet – und die meisten Menschen werden dies sogar akzeptieren.

Christen sollten verstehen, daß sie weder auf der linken Straße, noch auf der rechten Straße, sondern nur auf dem schmalen Weg (Mt 7,14) an ihr Ziel kommen werden. Ganz im Unterschied zu der (Verzeiht!) dümmlichen Aussage des neuen Allianzleiters Ekkerhart Vetter (siehe Artikel idea SPEKTRUM) der sein linkes Gutmenschentum mit der Aussage, daß ein Evangelikaler unmöglich rechts sein könne, wie eine Monstranz vor seiner beginnenden Amtszeit herträgt, anstatt den geistlichen Saustall den sein Vorgänger Michael Diener hinterlassen hat, glaubhaft auszumisten, aber das ist ein anderes Thema …

Kommentar verfassen