DAS SCHMUTZIGE GEHEIMNIS GEMEINNÜTZIGER STIFTUNGEN (DR. MARTIN ERDMANN)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann http://veraxinstitut.ch)

Appell zur Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und privatem Sektor

Rick Warren, Pastor der bekannten Saddleback-Gemeinde (USA), sagte in einem Interview mit Tim Russert[1] folgendes: “Die Probleme in unserer Welt sind so groß, dass jeder versagte, der sich um eine Lösung bemühte. Die Vereinten Nationen haben versagt wie auch die Vereinigten Staaten. Der Grund ist, dass wir nicht zusammenarbeiten. Im vergangenen Jahr[2] äußerten sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos Personen über öffentliche und private Partnerschaften. Ihre Absicht war, Regierungen und Firmen dazu zu bewegen, die großen globalen Probleme gemeinsam anzugehen. Es sind Probleme, die nicht Millionen, sondern Milliarden von Menschen betreffen. Als sie das ansprachen, fügte ich hinzu: ‘Nun, ihr habt recht; aber ihr habt etwas übersehen: in eurem Plan fehlt das dritte Bein des Stuhles.’ Ein einbeiniger Stuhl fällt um, ein zweitbeiniger Stuhl fällt um, deshalb werden die Konzerne und Regierung allein diese Probleme nicht lösen können. Sie schafften es bislang nicht, weil sie nicht dazu fähig sind. Das dritte Stuhlbein sind die Kirchen. Der öffentliche Sektor hat eine Aufgabe zu erfüllen. Jedes der drei Beine leistet einen bestimmten Beitrag, den die anderen nicht erbringen können.” Die “dreibeinige Stuhl”-Ideologie des bekannten Managementberaters Peter Drucker geht davon aus, dass eine “gesunde” Gesellschaft dann am besten funktioniert, wenn sie sich auf “drei Beine” stützt: der Staat, der Privatsektor, zu dem die Kirchen zählen, und die Geschäftswelt. Aber dieses gesellschaftliche Konzept ist sowohl idealistisch als auch utopisch.

Stiftungen als „Feigenblatt“ missbraucht

Kritiker meinen jedoch, dass schnell Probleme entstehen könnten, wenn eines der “Beine” seine nahezu unbegrenzten Geldmittel und gefestigte Machtposition ausnutzt, um über die anderen zu herrschen. Am 7. Januar 2007 veröffentlichte die Los Angeles Times einen Bericht mit dem Titel “Dark cloud over good works of Gates Foundation” [zu Deutsch „Dunkle Wolken über den Wohltaten der Gates-Stiftung“]. Die Zeitung überprüfte die Philanthropie der ” Bill & Melinda Gates-Stiftung ” im Hinblick auf ethische Fragen. Die Redakteure stießen auf Interessenskonflikte, die entstehen, wenn der private Sektor mit dem kommerziellen eng zusammenarbeitet. Die Journalisten zeigten dies am Beispiel Nigerias auf: Die Gates-Stiftung steuerte 218 Mio. Dollar zur Polio- und Masernimpfung sowie für die Forschung bei, die weltweit eingesetzt werden und von denen auch die Menschen im Niger-Delta profitieren. Neben der Finanzierung der Schutzimpfungen investierte die Stiftung nahezu das Doppelte, nämlich 423 Mio. Dollar, in Öl-Konzerne (Eni, Royal Dutch Shell, Exxon Mobil Corp., Chevron Corp. und Total in Frankreich), die große Luftverschmutzer sind. Im Niger-Delta geht die Verschmutzung weit über den Grenzwert hinaus, den die EU festgelegt hat. Leiter vor Ort machten auf den Zusammenhang aufmerksam, dass die negativen Folgen der Erdölerschließung das Aufkommen jener Krankheiten begünstigen, die die Stiftung bekämpft.

Die Gates-Stiftung ist die größte Stiftung der Welt. Warren E. Buffett, der zweitreichste Mann der Welt nach Bill Gates, versprach zirka 31 Mrd. Dollar seines persönlichen Vermögens in Ratenzahlungen der Stiftung hinzuzufügen. Dabei sind die zusätzlichen Milliarden Dollar, die Gates selbst versprochen hat, noch gar nicht mit eingerechnet. Das Stiftungsvermögen im Ganzen ist größer als das Bruttosozialprodukt von 70 Prozent aller Nationen.

Unterstützte Firmen missachten soziale Verantwortung

The Los Angeles Times fand heraus, dass die Gates-Stiftung in viele Firmen investiert, die Standards für soziale Verantwortung nicht einhalten. Ihre Vergehen sind Umweltverschmutzung, Diskriminierung in der Einstellungspolitik, Missachtung der Arbeiterrechte oder unethische Praktiken. Die Gates-Stiftung investiert in fragwürdige Konzerne:

 

•           Konzerne, die zu den schlimmsten amerikanischen und kanadischen Umweltverschmutzern gezählt werden (zum Beispiel Conoco Phillips, Dow Chemical Co. und Tyco International Ltd.),
•           Konzerne, die Hauptverursacher von weiteren Umweltverschmutzungen in aller Welt sind. Dazu gehören unter anderem Ölraffinerien und Papierfabriken. In einer Studie wird nachgewiesen, dass Kinder an diesen Verschmutzungen erkranken. Gleichzeitig setzt sich die Stiftung dafür ein, ihre Eltern von Aids zu retten.
•           Die Gates-Stiftung investiert auch in pharmazeutische Firmen, die hohe Preise für ihre Medikamente fordern, die sich aber Aids-Patienten in der Dritten Welt nicht leisten können. Doch gerade diese Menschen möchte die Stiftung behandeln.

Stifter handeln widersprüchlich

Paul Hawken sagte in einem Interview mit der Los Angelos Times: „Dieser Widerspruch ist das schmutzige Geheimnis vieler großer gemeinnütziger Stiftungen.“[3] Er ist ein Experte für sozial verantwortliche Investitionen und Direktor des ‘Natural Capital Institutes’, einer Forschungsgruppe für Geldanlage. Er sagte weiter: „Stiftungen spenden Geld an Organisationen, die versuchen die Zukunft zu heilen, aber mit ihren Investitionen stehlen sie wieder einen Teil dieser Zukunft.”[4]

Im Zeitungsbericht der Los Angelos Times wird Gates Umgang mit den zwei “Stuhlbeinen” ausführlich diskutiert. Die Journalisten legen fragwürdige Praktiken offen. Sie listen unter anderem die Konsequenzen für Aids-Patienten auf, die aus dieser Art von Menschenfreundlichkeit resultieren. Aids-Patienten in Afrika dienen als Testpersonen für noch nicht zugelassene Medikamente. Sie sind größtenteils den Ärzten und Sozialarbeitern schutzlos ausgeliefert. Bedauerlich ist, dass die Zeitung nicht die tieferen sozialen und religiösen Gewissensfragen auslotet, die durch den Einsatz experimenteller Medikamente aufgeworfen werden. Auch unterließen es die Journalisten, Hinweisen nachzugehen für die Vermutung, dass empfängnisverhütende Chemikalien dem Anti-Aids-Gel beigemischt werden. Auch die Frage, ob eine Datensammlung von genetisch identifizierbaren Merkmalen der Patienten ethisch vertretbar ist, schien den Journalisten von geringer Bedeutung. Dabei könnte die Liste der ethischen Bedenken noch erweitert werden!

Der Bericht gibt jedoch einen detaillierten Einblick in Gates Aktienanteile in der pharmazeutischen Industrie. Auch gingen die Autoren auf das Motiv der Profitgier der pharmazeutischen Industrie ein, das hinter der Herstellung von neuen Medikamenten für Aids-Patienten in Afrika steht.

Christen sollten scheinheiliges Spiel nicht mitmachen

Pastor Rick Warren kam mit der Gates-Stiftung bei internationalen Aids-Konferenzen in Kontakt, wie zum Beispiel die Saddleback Aids-Konferenz, das “Aspen Ideas Festival” und “The White House Summit on Malaria”. Bei dieser letztgenannten Veranstaltung kamen Vertreter der Regierung, der Geschäftswelt – im besonderen Ölkonzerne –, der Nicht-Regierungs-Organisationen und Stiftungen zusammen. Warren nahm im Oktober 2005 an dem “Global Health Summit” des Time Magazines teil, das die Bill & Melinda Gates-Stiftung mitfinanzierte. Die Beziehungen zwischen Massenmedien und anderen Institutionen der “drei Stuhlbeine” ist bedenklich. Laut Zeitungsbericht stellen Weltkonzerne und weltweit tätige politische und soziale Institutionen zusätzliche Gelder zur Verfügung. Darunter sind Coca-Cola, die Stiftung der Vereinten Nationen, der Ölkonzern ExxonMobil und das amerikanische Rote Kreuz.

Was geschieht, wenn die Kirche als “drittes Bein” diesem “Stuhl” hinzugefügt wird? Wenn sie zum Beispiel als weltweites Verteilungsnetz von sozialen Leistungen der anderen “Stuhlbeine” tätig wird? Was geschieht, wenn die Kirche sich dazu verpflichtet, von vornherein ethische Fragen auszuklammern, weil die Dringlichkeit der Stunde verlange, “alles Notwendige zu tun”? Welche Versuchungen werden auf die Kirche zukommen, wenn immense Geldsummen zwischen den einzelnen Institutionen der sogenannten Partner fließen? Werden ethische Maßstäbe im biblischen Sinne angelegt, wenn die angewandten Methoden beurteilt werden?


[1] Meet The Press 24. Dezember 2006; http://www.nbcnews.com/id/16202841/ns/meet_the_press/t/mtp-transcript-dec/

[2] 2005

[3] http://www.latimes.com/news/la-na-gatesx07jan07-story.html

[4] Ebd.

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