DAS „EVANGELIUM“ DER WOHLTÄTIGKEIT IST NICHT DIE BIBLISCHE BOTSCHAFT (DR. MARTIN ERDMANN)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann http://veraxinstitut.ch)

Rick Warren: Viele Wege führen zum Heil

Rick Warren, Pastor der Saddelback-Gemeinde in Lake Forest, Kalifornien, stellte in einem Interview die Prognose auf: „Die Zukunft der Welt liegt im religiösen Pluralismus.“[1] Wenn Rick Warren als Vertreter einer evangelikalen Kirche damit zum Ausdruck bringt, dass viele Wege zum Heil führen, kann die evangelikale Welt ohne Zweifel einen prominenten Platz in der weltweiten Diplomatie einnehmen. Doch welchen Preis bezahlt sie dafür? Je mehr sich die Kirche als politische Aktivistin in einer sich neu gestalteten Weltordnung positioniert, umso schneller gibt sie das Privileg preis, das sie von Gott erhalten hat, nämlich Hüterin und Verkünderin des biblischen Evangeliums zu sein. Im Kampf um politische Macht werden plötzlich andere Dinge wichtig, wie zum Beispiel ehrgeizige Kampagnen zur Mobilisierung von Menschen, die Vernetzung von Kleingruppen und gigantische Sozialprojekte.[2] Die neue Aufgabe, zu der Rick Warren die Christen aufruft, ist die Wohltätigkeit.[3]

Instrumentalisierung der Kirchen für politischen Zweck

In einem YouTube-Video[4] erklärt Warren, weshalb sich die evangelikale Kirche im Hinblick auf ihre weltweite Aufgabe radikal umorientieren sollte. Nebenbei erwähnt er seine Mitgliedschaft im amerikanischen Rat für auswärtige Beziehungen[5]. In diesem Rat verfasst er hauptsächlich Texte im Rahmen der so genannten „Religion- und Außenpolitik-Initiative“[6]. Rick Warren sowie der ehemalige Vorsitzende der Kommission „Ethik und religiöse Freiheit“ der Südlichen Baptisten in den USA, Richard Land, und der Erzbischof von Washington, Theorode McCarrick, wurden zu mehreren Treffen in New York und Washington eingeladen, um über den Einfluss der Religion auf die Außenpolitik zu referieren. Der Rat für auswärtige Beziehungen setzt sich seit seiner Gründung vor knapp 90 Jahren dafür ein, die Kirchen als Propagandainstrument zur Errichtung einer Weltregierung zu gewinnen.

Soziales Evangelium soll politisch geeingte Welt schaffen

Um dieses hoch gesteckte Ziel zu erreichen, ist es von größter Wichtigkeit, dass sich die Christen für ein Sozialevangelium[7] einsetzen. Der soziale Aspekt des Evangeliums ist der gemeinsame Nenner aller Christen. Wenn die Christen im Sozialevangelium vereint sein werden, wird es den Vereinten Nationen gelingen, auch eine politisch geeinte Welt zu schaffen. Die geschichtlichen Fakten werden in Martin Erdmanns Buch Ecumenical Quest for a World Federation[8] detailliert beschrieben. Der evangelikalen Kirche wird eine neue Rolle zugewiesen: sie soll den Einfluss westlicher Eliten in Politik, Militär und Wirtschaft erweitern. Dadurch kann sie nicht mehr ihre eigentliche Aufgabe wahrnehmen, die biblische Wahrheit zu verkündigen. Ähnliches hat sich im vergangenen Jahrhundert abgespielt, als die protestantischen Kirchen den biblischen Kurs verließen und sich der liberalen Theologie verschrieben. Seitdem ist kirchliches Handeln stark von politischen Zielen überlagert.

Die „zweite Reformation“ ist eine Kulturrevolution

Rick Warren deutete unmissverständlich auf die neue kirchliche Position der Neutralität in einem Artikel hin, der in der Washington Post erschienen war. Die Journalistin Michelle Boorstein gab dem Artikel die Überschrift: „Megakirchenpastor Warren ruft zu einer zweiten Reformation auf“[9]: „Der Megakirchenpastor und Philanthrop Rick Warren, der von vielen Politikern in aller Welt umworben wird, ist der Meinung, dass das Christentum eine ‚zweite Reformation’ nötig habe, um sich der Wohltätigkeit zuwenden zu können. Ihm kommt es nicht auf das Bekenntnis des Glaubens an, weil dieses die Christenheit spaltet.“ In diesem Interview sagte Warren, dass er „seine Aufmerksamkeit von den heiß umstrittenen Themen abwenden und sich auf die kulturelle Veränderung mittels der Politik, Kunst, Musik und des Sports konzentrieren wird“. Das so genannte „Evangelium“ ist eine Kulturrevolution, die von einer Ideologie bestimmt wird[10]. Warren beabsichtigt, die Kirchen in allen Ländern davon zu überzeugen, dass deren oberste Aufgabe darin besteht, diese politische Agenda zu verwirklichen. Was er nicht sagt, ist, dass dies zu einer ideologischen, ja letztlich militärischen und politischen Weltherrschaft führen wird.

Partnerschaft von Politik, Wirtschaft und Kirche

Dass die Verkündigung des biblischen Evangeliums der Erlösung sündiger Menschen durch den Kreuzestod Christi dabei völlig aus den Augen verloren geht, ist nicht nur ein bedauernswerter Nebeneffekt dieser neuen Entwicklung, sondern sogar bewusst geplant. Im Namen seines globalen P.E.A.C.E.-Plans hat Warren die Bedeutung des „P“ von „Plant Churches“ [Kirchen gründen] zu „Promote Reconciliation“ [Versöhnung fördern] umbenannt.[11] Im Interview beschreibt Warren auch die miteinander verzahnten Partnerschaftsbeziehungen von Politik, Wirtschaft und Kirche. Warrens Mentor, der Managementberater Peter Drucker, hatte dies in einem „dreibeinigen Stuhlmodell“ dargelegt. Seine These lautete, dass eine Gesellschaft nur dann gut funktionieren würde, wenn sie auf den drei Standbeinen Politik, Wirtschaft und Kirche stehe. Die Verwirklichung dieses Modells hat sich Warren zur Pflicht gemacht. Er lässt keinen Zweifel aufkommen, dass seine Heilsvision nur noch auf das Diesseits bezogen ist.

Sünde, Buße und Erlösung haben keine Bedeutung mehr

Die Journalistin Maria Kefala schrieb einen Artikel unter der Überschrift: „Pastor behauptet, der Glaube sei das fehlende Verbindungsstück“[12]: Sie zitiert Rick Warren mit folgenden Worten: „Der Regierung und Industrie wird es nicht gelingen, die sozialen Probleme zu lösen, es sei denn, sie beziehen die Glaubensgemeinschaften mit ihren großen Scharen an Freiwilligen und ihren weltweiten Netzwerken ein. […] Die Menschen sind besorgt darüber, dass es den Kirchen nur um Bekehrung geht, aber jeder hat einen Beweggrund. Jeder hat eine Weltanschauung. Das Christentum ist eine Weltanschauung, […] mir ist es egal, warum sie Gutes tun, solange sie Gutes zu.“ Anstelle der biblischen Heilsbotschaft, die auf das ewige Heil der Menschen bedacht ist, weil diese ohne die Erlösung in Jesus Christus für immer verloren gehen werden, soll nun das Wohltätigkeits-„Evangelium“ in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Offensichtlich hat es dem „Evangelium“ der guten Gefühle, das in den vergangenen Jahrzehnten die Zustimmung der Evangelikalen gefunden hatte, zu einer neuen Bedeutung verholfen. Jetzt redet Warren den Christen ein, dass sie sich nur wohlfühlen, wenn sie Gutes tun. Die eindringlichen Aufrufe zum sozialen Engagement besitzen eine erstaunliche Ähnlichkeit zu den Appellen des „Sozialevangeliums“ im frühen 20. Jahrhundert. Im neuen Wohltätigkeitsevangelium wird jedoch nicht erwähnt, dass ein sündiger Mensch einen himmlischen Erlöser braucht, um vor dem heiligen Gott bestehen zu können. Es ist vielmehr auf die vielen Sozialprojekte konzentriert, die Rick Warren mit seinem P.E.A.C.E.-Plan umsetzen möchte.

Wohltätigkeits-Evangelium allein auf Diesseits bezogen

Warren teilt die Probleme der Welt in fünf Hauptkategorien ein: geistige Leere (er versteht darunter ein Mangel an Gottes Liebe im Leben), egoistische Herrschaft und Korruption, extreme Armut, pandemische Krankheiten und Analphabetentum. Seiner Meinung nach tat Jesus fünf Dinge, um diesen fünf Problemen entgegenzuwirken: er förderte die Versöhnung, rüstete Leiter als Diener aus, unterstützte die Armen, sorgte für die Kranken und unterrichtete die nächste Generation. Das abgrundtiefe Elend in den Entwicklungsländern – vielfach von den Finanzinteressen westliche Staaten verursacht – veranlasste Warren, seinen P.E.A.C.E.-Plan zu initiieren, der Christen anleitet, wie sie kontinuierlich Gutes tun können.

Warren sagte: „Mir ist es egal, ob die Menschen aus politischen, ökonomischen, persönlichen oder religiösen Gründen Gutes tun, solange sie Gutes tun; hierin liegt kein ethischer oder moralischer Gesichtspunkt. […] Ich diene einem Retter namens Jesus Christus, der sagte, liebe deinen Nächsten wie dich selbst, und dies ist der Grund, wieso ich das tue, was ich tue.“

Dass Jesus eine ganz andere Definition von „liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ im Sinn hatte, als er dieses Gebot als das oberste hervorhob und dem Gebot, Gott von ganzem Herzen zu lieben, gleichstellte, wird aus dem Textzusammenhang von Matthäus 22, 34 bis 40 deutlich.

Gutes tun – egal von wem und auf welche Weise

Das Wohltätigkeitsevangelium gibt sich nur dann zufrieden, wenn jeder mitmacht und alle Ressourcen eingebunden werden, um dieses eine Ziel zu erreichen; Gutes zu tun – sich also sozial zu engagieren. Jeder ist in der Runde willkommen – Regierungen, Großkonzerne, ja sogar andere Religionen – solange dem übergeordneten Zweck der Wohltätigkeit gedient wird. Der stets mitschwingende Grundton des Dominionismus (Herrschaft der Christen in einem irdischen Reich) wird unüberhörbar, wenn vorgegeben wird, dass die Christen im Bauen des Königreich Gottes auf Erden ein gutes Werk verrichten. Es spiele dabei keine Rolle, welches Mittel angewandt, welche Strategien verfolgt und welche Wege beschritten werden. Dass die Integrität des biblischen Evangeliums dadurch bloßgestellt wird, ist Warren offensichtlich völlig egal.


[1] Rick Warren, „Pastor Argues Faith is Missing Link,“ von Maria Kefala; (Link ist leider nicht mehr aktuell).

[2] http://www.pastors.com/RWMT/article.asp?ArtID=8280 (Link ist leider nicht mehr aktuell).

[3] (Link ist leider nicht mehr aktuell).

[4] http://www.youtube.com/watch?v=je2FDmsrxiA&feature=user

[5] Council on Foreign Relations; CFR

[6] Religion and Foreign Policy Initiative http://www.cfr.org/publication/9771/role_of_religion_in_us_foreign_policy_focus_of_new_council_initiative.HTML

[7] „Social Gospel“

[8] Martin Erdmann, Ecumenical Quest for a World Federation (Greenville, SC: Verax Vox Media, 2016). https://www.amazon.com/Ecumenical-Quest-World-Federation-Contribution/dp/0692617930/

[9] “Megachurch Pastor Warren Calls for a Second Reformation”

[10] Die zweite Reformation entspricht dem neo-kuyperianischen Dominionismus der „Sphären“, das heißt der ideologischen Übernahme aller Kulturbereiche.

[11] http://www.thepeaceplan.com/

[12] “Pastor Argues Faith is Missing Link”; (Link ist leider nicht mehr aktuell).

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