Auslegung zu Joh 10,34: die Götteraussage (Wolfgang Lindemeyer)

(Quelle: Wolfgang Lindemeyer http://haus-gemeinde.de)

Heute möchte ich kurz eine Schriftstelle aufschlüsseln, die gerne von charismatischen Predigern und “Propheten” missbraucht wird.

Diese steht in Joh 10,34, wo der Herr Jesus folgendes sagte:

Jesus antwortete ihnen: Steht nicht in eurem Gesetz geschrieben: »Ich habe gesagt: Ihr seid Götter«?

  • Da nun der Herr Jesus selbst noch auf das Alte Testament Bezug nimmt, müssen wir zuerst anschauen was die erwähnte Stelle von damals im Alten Testament bedeutet hat.
  • Danach schauen wir uns an, wie der Herr Jesus diese Stelle auf die damalige Situation anwendete.
  • Und zuletzt schauen wir uns an wie sie wirklich zu verstehen ist. Und das es nicht Segen, sondern Gericht bedeutet.
  • Die Bibelstelle auf die der Herr Bezug nimmt

Diese finden wir in Ps 82,6-7:

»Ich habe gesagt: Ihr seid Götter und allesamt Söhne des Höchsten; dennoch sollt ihr sterben wie ein Mensch und fallen wie einer der Fürsten!«

Wen spricht hier Gott an? Es waren Mächtige die in Israel vorherrschten (V.1). Richter, die ungerecht richteten (V.2). Deren Aufgabe wird in den Versen 3+4 angesprochen. Der Herr hatte sie als “Götter” in einer hohen Position zu seinen Stellvertretern eingesetzt. Sie waren von Gott eingesetzt worden und übten eine Funktion wie Götter aus, aber sie waren keine. Und sie haben aber Gottes Gesetz nicht richtig ausgeführt. Und da Gott der Erbherr ist (V.8), wird er sie richten.

John MacArthur schreibt in seinem Kommentar in der Studienbibel:

Könige und Richter werden letztlich aufgrund des Beschlusses Gottes eingesetzt (Ps 2,6). Zur Stabilisierung des Universums verleiht Gott tatsächlich menschlichen Führern seine Autorität (vgl. Röm 13,1-7). Doch kann Gott seine Autorität auch widerrufen (V. 7).

Und A.C.Gaeblein bestätigt in seinem Kommentar:

Des Herrn Gegenwart in der Gottesversammlung (in Israel) bringt gerechtes Gericht mit sich. Die Israeliten werden dann als seine Gemeinde das Eigentumsvolk sein (Num 27,17). Die Richter unter ihnen wurden »Götter« genannt. Im Hebräischen steht für »Richter« in Ex 21,6 der Ausdruck »elohim« – Götter, Mächtige. Unser Herr nimmt in Joh 10,34 auf Vers 6 Bezug. Doch sie waren in ihren Urteilen ungerecht, so daß er selbst kommt, um das Gericht zu vollstrecken und dem Elenden sowie Bedürftigen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Und darüber hinaus wird er die Erde und die Nationen richten.

Damit ist die ursprüngliche Bedeutung geklärt. Und jetzt schauen wir uns an, warum der Herr darauf Bezug nimmt.

  • Die Anwendung der Bibelstelle von unserem Herrn Jesus

Die Schriftgelehrten zur Zeit Jesu sollten als oberste Hirten das Volk Gottes gerecht weiden, was sie aber nicht taten (z.B. Lk 20,47; Mt 9,36; Mt 23,23).

Da es nicht unwichtig ist was geschehen ist, bevor der Herr Jesus die Götteraussage gemacht hat, schauen wir uns einmal die wichtigsten Punkte an.

In Kapitel 9 heilt er einen blindgeborenen Mann. Dies ist einer der eindeutigen Messiaszeichen (neben Totenauferweckung und Heilung von Aussatz) und es war klar, dass er der versprochene Messias ist. Dies mussten die Pharisäer anerkennen. Wenn sie ihn aber als Messias hätten anerkennen müssen, hätten sie auch ihre Macht an ihn abgeben müssen. Wozu sie aber nicht bereit waren, was das Gleichnis von den Weingärtnern in Lukas Kapitel 20.

In Kapitel 10 folgt dann die Aussage daß er der gute Hirte ist. Und nachdem sie in Vers 24 eine klare Aussage von ihm haben wollen ob er der Christus ist, verweist der Herr auf seine Taten die für ihn sprechen. Jesus sagt dann in Vers 26 zu den Juden das sie nicht seine Schafe sind.”

Vers 30 sagt aus daß Jesus Christus Gott ist. Die ungläubigen Juden sind aber davon überzeugt, dass er nur ein Mensch ist (V.33).

 

In Vers 35 setzt der Herr Jesus die ungerechten Mächtigen und Richter aus Ps 82,6-7 mit den ungläubigen Juden (auch Pharisäer) gleich. Und wenn Gott die ungerechten Richter Götter nennt (wegen ihrer erhöhten Position) wieviel mehr sollten sie Jesus Gott nennen.

John MacArthur schreibt in seinem Kommentar:

Jesus zitierte diese Schriftstelle in Joh 10,34 und bestätigte damit die Auslegung, dass es sich bei diesen »Göttern« um Menschen handelt. Mit einem Wortspiel erklärt er: Wenn sogar menschliche Führer als »Götter« bezeichnet werden können, kann der Messias gewiss »Gott« genannt werden.

  • Der Bezug zu heute

Auf das Heute kann diese Bibelstelle nicht mehr direkt angewendet werden. Aber was wir daraus lernen können ist Folgendes:

  • Jesus wurde als Messias ganz klar abgelehnt.
  • Falsche Lehrer und sogenannte “Propheten” missbrauchen gerne gewisse Bibelstellen für sich, um ihre Irrlehren zu untermauern. Dabei werden die Bibelstellen aus dem Zusammenhang gerissen und die ursprüngliche Bedeutung wird nicht beachtet.
  • Es steckt schon eine gewisse Ironie dahinter, dass falsche Lehrer, die für sich beanspruchen “kleine Götter” zu sein, ausgerechnet einen Begriff nehmen, der in der gesamten Bibel nur in zwei Versen vorkommt. Und der Vers, auf den der Herr Jesus, Gott in Menschengestalt, selbst Bezug nimmt, ist aus einem Gerichtspsalm.

avatarklein

Eingestellt von Siegfried Schad © Wolfgang Lindemeyer alle Rechte an diesem Artikel vorbehalten.

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6 Kommentare

  1. Lieber Bruder Baldur,
    es ist auch ein großes Vorrecht, dass Gläubige auf bibeltreue Predigten zugreifen können, damit sie nicht geistlich hungern. Dies ersetzt natürlich nicht die Gemeinschaft miteinander, Aber dafür bin ich auch dankbar. LG&GS Wolfgang

  2. Lieber Bruder Wolfgang Lindemeyer,

    möchte noch etwas ergänzen. Trotz aller räumlichen Trennung haben wir doch heute durch die modernen Kommununikationstechniken das große Vorrecht, miteinander in Verbindung treten zu können. PC, Telefon usw. über Tausende von Kilometern können wir uns verbinden. Das gab es zu Elias Zeiten noch nicht.
    Also dürfen wir doch dafür dankbar sein, dass wir diese Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch haben.

    LG Baldur

  3. Lieber Wolfgang Lindemeyer,

    dieser Hinweis auf Elia ist für mich ebenfalls ein ermutigender Trost. Allerdings, so denke ich, war die Situation in Israel wie heute in unserer Welt und von einem schweren geistlichen Niedergang begleitet. Auch Elia beklagte die Einsamkeit als treuer Nachfolger seines Gottes und fühlte sich von jedermann allein gelassen. Verzweifelt und niedergeschlagen klagt er:

    1.Kön. 19,14b Ich allein bin übriggeblieben, und sie trachten danach, mir das Leben zu nehmen!

    Die Antwort Gottes war jedoch recht ermutigend für ihn.

    1.Kön. 19,18 Aber Ich habe sieben tausend in Israel übrig gelassen, alle die ihre Knie nicht vor dem Baal gebeugt haben, und jeden Mund, der ihn nicht geküsst hat.

    7000 Männer, die keine Kompromisse mit dem Götzendienst eingingen, sondern eine klare Haltung dagegen einnahmen, die treu zu Gott standen.

    Gewiss war es jedoch so, dass diese 7000 nicht alle miteinander gut bekannte Nachbarn waren und sich alle in einer Gemeinde, oder wenigstens ab und an auf einer „Konferenz“ versammelt hatten, sondern vielmehr über das ganze Land zerstreut waren. Eher wahrscheinlich ist, dass sich die wenigsten persönlich gekannt hatten. Ihre Einheit bestand allein in ihrem Glauben und Treue zu Gott, und war gekennzeichnet vom gehorsamen Handeln gegenüber Seinem Wort und Seinen Geboten.

    Ich kenne selbst solche Geschwister die hunderte von Kilometern fahren um eine gute Wortverkündigung zu hören.

    Wir können es ja auch dem Schwarzen Brett hier entnehmen, wo Geschwister händeringend eine bibeltreue Gemeinde suchen.

    LG Baldur

  4. @mein Namensvetter:

    Dem niedergeschlagenen Elia sagte der Herr in 1Kö 19,18:

    “Ich aber habe in Israel siebentausend übrigbleiben lassen, nämlich alle, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor Baal und deren Mund ihn nicht geküßt hat!”

    Dabei hatten die Israeliten ja noch nicht einmal komplett den wahren Gott abgeschafft, sondern sie hinkten auf zwei Seiten (1Kö 18,21), d.h. sie versuchten wohl “die Anbetung des Herrn mit der des Baal zu kombinieren. Die von Elia gestellte Frage sollte deutlich machen, dass Israel sich zwischen dem Herrn und Baal zu entscheiden hatte, um Gott anschließend mit ganzem Herzen zu dienen.” – So MacArthur in der Studienbibel.

    Und so beten und hoffen wir, dass viele Geschwister übrigbleiben, die auch den Mund der Hure Babylons nicht küssen. – Frei interpretiert.

  5. Der Aufruf, Verlaßt Eure Allianzgemeinden, mag vielleicht oberflächlich richtig sein. Wenn wir die Lage geistlich betrachten,
    geben wir zu, das der Apostel Paulus in 1Kor 3:4 vielleicht auch dieses mit einbezogen meint. Da wir (der Leib d.Chr.) aber im Geist wandeln und nicht im Schauen und jeder Christ in Christus ist , was für eine Rolle spielt es noch. Wir wandeln im Geist, oder beflecken wir das Fleisch oder den Geist? Vielleicht sehe ich das auch verkehrt,mag sein

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