INTERNATIONALES ENGAGEMENT DER AMERIKANISCHEN KIRCHEN (DR MARTIN ERDMANN) [Update 2017 des Buches “DER GRIFF ZUR MACHT”]

(Quelle: Dr. Martin Erdmann http://veraxinstitut.ch)

Wie ist die Entwicklung des Neo-Evangelikalismus seit Veröffentlichung des Buchs Der Griff zur Macht im November 2011 weitergegangen und welche Veränderungen haben sich eingestellt? In eingehenden Recherchen bin ich diesen Fragen nachgegangen und versuche in der nahen Zukunft, die gewonnenen Erkenntnisse denen zu vermitteln, die ein Interesse am geistlichen Wohlergehen der Gemeinde Jesu haben. Vor der Beschäftigung mit neuen Themen ist es sinnvoll, noch einmal einige der wichtigen Inhalte des Buchs Der Griff zur Macht aufzugreifen. Deshalb werde ich in einer fortlaufenden Serie an Artikeln einzelne Buchauszüge veröffentlichen. Es ist dabei zu beachten, dass die Informationen auf dem Stand der Dinge gegen Ende des Jahres 2011 und davor Bezug nehmen. Manche Fakten haben sich mittlerweile etwas verändert. Beispielsweise heißen die UN-Millennium-Entwicklungsziele jetzt “Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“. Angegebene Links sind gegebenenfalls nicht mehr aktuell.


Der Griff zur Macht: Dominionismus – der evangelikale Weg zu globalem Einfluss

Wichtig war es dabei, die christliche Lehre der Erlösung, Rechtfertigung und Heiligung mit humanistischen Grundsätzen auszutauschen; diese Aufgabe übernahmen die liberalen Theologen, die sich teilweise an die Führungsspitze des FCCs gestellt hatten. Es musste sichergestellt werden, dass die konservativ eingestellten Kirchengänger, die bis dahin eine Mehrheitsposition in den namhaften Gemeindeverbänden hatten, nicht merkten, worauf Dulles und die Leitung des FCCs hinaus wollten. Denn sonst bestand die Gefahr, dass die großzügigen Spenden, mit denen das ehrgeizige Projekt – die Weltherrschaft zu erringen – finanzierte wurde, ausbleiben würden. Aber noch wichtiger als die Spenden war die ideelle Unterstützung der bibelgläubigen Christen. Sie sollten für etwas eingespannt werden, das ihren grundlegenden Überzeugungen eigentlich widersprach.

1942 beschrieb John Foster Dulles den zentralen Zweck der Kirchen. Die Christen sollten weltweit verpflichtet werden, „die Ziele des progressiven Internationalismus zu erreichen, an dessen Ende das Königreich Gottes auf Erden aufgerichtet wird.” „Frieden” stand im Zentrum der allgemeinen Aufforderung an die Christen, sich der „Social Gospel”-Bewegung anzuschließen. John Foster Dulles machte sich das Thema des „Friedens” zu eigen, weil es ihm äußerst nützlich erschien, auf diese Weise die Ziele des CFR zu verwirklichen. Die gesellschaftlichen und weltpolitischen Krisen, die in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und dann während des Zweiten Weltkrieges entstanden, wurden propagandistisch bis aufs Letzte ausgenutzt. Diese Krisen dienten dazu, die „Notwendigkeit” der strukturellen Bildung einer Weltregierung plausibel zu machen. Um eine „friedliche Veränderung” herbeizuführen, schlug Dulles die Befolgung eines „Moralgesetzes” vor, das er selbst festgelegt hatte. Er verfasste einen Aufsatz mit dem Titel „Das Problem des Friedens in einer dynamischen Welt“ ”[1], das in auflagestarken Publikationen der englischsprachigen Welt veröffentlicht wurde. Erdmann schrieb in seiner Bewertung Folgendes:

“Dulles skizzierte die Grundkonzepte der friedlichen Veränderung und sprach sich gegen das aus, was er als eine ungesunde und veraltete Idee hielt: die nationale Souveränität. Der menschliche Egoismus könne nur neutralisiert werden, so behauptete er, wenn er mit einem Gefühl überwunden würde, das dominanter und packender ist, und in dem die Elemente der Universalität, nicht der Partikularität, enthalten sind. […] Indem er die ökumenische Bewegung als das von ihm bevorzugte Vehikel verwendete, um seine Meinung zum Ausdruck zu bringen, wählte Dulles als seine hauptsächliche Zielgruppe die christliche Öffentlichkeit der englischsprachigen Welt. Sein Ziel war es, die Kirchen zu motivieren, sich aktiv am Bau einer globalen Gesellschaft zu beteiligen.”[2]

Rick Warren hat ähnliche Gedanken geäußert: „Kirchen stellen das größte Verteilungszentrum in der Welt dar […]. Das weit gefächerte Netzwerk der Kirchen ist die einzige Lösung im Hinblick auf die ‚universale Verteilung’, ein Problem, das den weltweiten Gesundheitsinitiativen Schwierigkeiten verursacht.”[3]

In der Tat: Die weltweiten Missionsstrategien sind besonders dazu geeignet, die Ziele einer Weltregierung zu fördern. Auf der 1937 veranstalteten Oxford-Konferenz zum Thema Kirche, Gesellschaft und Staat nahmen einige prominente Mitglieder des „Royal Institute of International Affairs”, das das britische Gegenstück zum CFR ist, teil. John Foster Dulles‘ Aufsatz in dem Konferenz-Sammelband „Die weltweite Kirche und die Welt der Nationen“[4] gab die Marschroute für die Durchführung der zukünftigen Aufgaben der Kirche an. Dulles betonte auch die hervorragende Leistung der Missionsbewegung, die wesentlich dazu beigetragen habe, dass eine Ökumene Gestalt annehmen konnte, die auf eine neue Weltordnung zusteuert. In dieser Hinsicht erwies sich die Lehre der Bruderschaft aller Menschen am wirkungsvollsten. Das missionarische Engagement förderte wie nichts anderes das internationale Engagement der amerikanischen Kirchen, weil es bei ihnen ein Interesse an fremden Ländern und Kulturen geweckt hatte.[5]


[1] „ The Problem of Peace in a Dynamic World ”; John Foster Dulles Papers, 1860-1988 (bulk 1945-1960): http://diglib.princeton.edu/ead/getEad?eadid=MC016

[2] Martin Erdmann, Building the Kingdom of God on Earth, 84-88.

[3] http://www.christianpost.com/news/warren-churches-must-be-part-of-solution-to-global-health-crisis-21460/

[4] “The Universal Church and the World of Nations”, abrufbar unter: http://www.archive.org/details/universalchurcha006907mbp

[5] Siehe, Martin Erdmann, Building the Kingdom of God on Earth, 103-104.

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