[DIE CALVINISMUS-DEBATTE TEIL 2] VERAX MAGAZIN – CALVINS ERWÄHLUNGS- LEHRE: EIN STEIN DES ANSTOSSES (DR. MARTIN ERDMANN)

Vorbemerkung (Siegfried Schad)

Die folgende Schrift von Dr. Martin Erdmann läßt schon am Beginn eine mächtige Diskrepanz sichtbar werden: Die ungeübte und leider oft profane Betrachtung eines Laien, gegenüber dem tiefen und heiligen Respekt des Theologen der sich den verborgenen und offenbaren Aspekten des Ratschlusses Gottes in Ehrfurcht vor seinem Heiligen Wort nähert.

CALVINS ERWÄHLUNGS- LEHRE: EIN STEIN DES ANSTOSSES (DR. MARTIN ERDMANN)

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siehe auch:

DIE CALVINISMUS-DEBATTE TEIL 1 (SIEGFRIED SCHAD) / [VIDEO] LESUNG: PLÄDOYER FÜR DEN CALVINISMUS (C. H. SPURGEON)

7 Kommentare

  1. Liebe Glaubensfamilie und Freunde,

    der Grund für meine Heilsgewissheit kann nicht in mir und meinem mehr oder minder gelingenden Leben als Nachfolger Christi liegen. Da wird man nie Sicherheit bekommen. Der Grund muss außerhalb von mir liegen. Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut…(Paul Gerhardt). Das “sola gratia” ist der einzige Boden, auf dem man sicher stehen kann! Das gilt für den Anfang des Glaubens und auch für unsere ganze Zukunft.

    Das kann man erfassen, auch wenn man von den Themen der Auserwählung und Berufung nie etwas gehört hat.

    Wenn durch ein Festhalten von Sünde meine Gedanken allerdings so verwirrt werden, dass das Sühnopfer Christi keine Relevanz mehr für mich hat, es mir also egal ist, ich quasi zu der Einstellung zurückkehre, bevor ich gläubig wurde – dann müsste man bei mir den Abfall vom Glauben konstatieren.

    Jede Tendenz, Sünde gar nicht wirklich als Ungerechtigkeit erkennen zu wollen (billige Gnade) oder ein Achten auf bestimmt auch vorhandene eigene gute Werke (Werksgerechtigkeit) ist daher bereits ein Abweichen vom “sola gratia” und ein Verlassen des sicheren Bodens.

    Gruß T.

  2. Liebe Brüder,

    habe mich mit diesem Thema auch einmal befasst und darüber nachgedacht. Ich sehe das wie folgt:

    Mt 22,14: Denn viele sind Berufene,(κλητός (kletos) wenige aber Auserwählte (ἐκλεκτός eklektos).

    In Matthäus 22 geht es um das Gleichnis vom Hochzeitsmahl (22,1-14) und ist die Fortsetzung von Kap. 21. Jesus setzte sich im Tempel mit den Pharisäern auseinander. Hier heißt es in der Auslegung von McDonald:

    Die Hohenpriester und Pharisäer erkannten, dass diese Gleichnisse auf sie gemünzt waren, und zwar als Antwort darauf, dass sie Christi Vollmacht infrage gestellt hatten. Sie hätten ihn gerne sofort ergriffen, aber sie fürchteten die Masse, die noch immer der Meinung war, Jesus sei ein Prophet.

    22,1-6 Jesus war aber mit den Hohenpriestern noch nicht fertig. In dem Gleichnis vom Hochzeitsmahl zeigte er nochmals, wie das bevorzugte Israel beiseitegesetzt wird und die verachteten Heiden als Gäste am Tisch sitzen. Er verglich das Reich der Himmel »mit einem König, der seinem Sohn« die Hochzeit ausrichtete. Die Einladung erfolgte in zwei Stufen. Zuerst erhielten die Gäste eine Voreinladung, die durch Knechte persönlich überbracht wurde. Sie wurde einfach abgelehnt.

    Vers 14 bezieht sich auf das ganze Gleichnis und nicht nur auf den Vorfall mit dem Mann ohne Hochzeitskleid. »Viele sind Berufene«, d. h. die Botschaft des Evangeliums erreicht viele Menschen. »Wenige aber sind Auserwählte.« Einige lehnen die Einladung ab, und sogar bei denen, die sie annehmen, werden einige als falsche Bekenner bloßgestellt werden. Alle, die auf das Evangelium wirklich hören, sind erwählt. (Auslegung McDonald)

    Dieses Wort erging also zuerst an die religiöse jüdische Hierarchie.

    Petrus ermahnt die Gläubigen:

    2 Petr.1,10 Darum, Brüder, befleißigt euch umso mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen; denn wenn ihr diese Dinge tut, so werdet ihr niemals straucheln.

    Auch Paulus macht es den Philippern deutlich:

    Phil 2,12: Daher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein als in meiner Anwesenheit, sondern jetzt viel mehr in meiner Abwesenheit, bewirkt euer eigenes Heil mit Furcht und Zittern.

    Wir lesen hier nichts von einem Automatismus oder gar von einem Freibrief für die Gläubigen. Paulus erwähnt ebenfalls:

    1. Tim 4,1 Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten, durch die Heuchelei von Lügenrednern, die betreffs des eigenen Gewissens wie mit einem Brenneisen gehärtet sind. …

    Es geht also auch an dieser Stelle nicht um die Frage, ob man wieder von Gott abfallen kann oder nicht, sondern um eine Ermunterung an solche, die als Christ leben wollen.

    Joh. 15,5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, dieser bringt viel Frucht, denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.

    Das Buch des Lebens:

    Als das Volk Israel in sehr schwere Sünde fiel, sprach Mose zu Gott: “Und nun, wenn du doch ihre Sünde vergeben wolltest! Wenn aber nicht, so lösche mich denn aus deinem Buch, das du geschrieben hast, aus”, 2.Mose 32,32, – welches Buch meinte er? Die Antwort des HERRN lautete: “Der HERR aber sprach zu Mose: Wer gegen mich gesündigt hat, den lösche ich aus meinem Buch aus” 2.Mose 32,33.

    So schreibt auch der Psalmist: “Sie sollen ausgelöscht werden aus dem Buch des Lebens und nicht eingeschrieben werden mit den Gerechten!” Ps 69,29. Also hier ganz deutlich: Das Buch des Lebens!

    In der Offenbarung lesen wir: “Wer überwindet, der wird so mit weißen Kleidern bekleidet werden, und ich werde seinen Namen aus dem Buch des Lebens nicht auslöschen und seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln” Offb 3,5. Auch hier ist von dem Buch des Lebens die Rede.

    Am Ende der Offenbarung ist von mehreren Büchern die Rede, aber nur von einem Buch heißt es, dass es das Buch des Lebens ist: “Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken” Offb 20,12. Es gibt also viele Bücher, in denen alles aufgeschrieben ist, und nach deren Inhalt werden die Menschen gerichtet werden.

    Somit denke ich, dass wir aufgerufen sind, nicht in eine falsche Selbstsicherheit zu fallen, sondern unserem Herrn in Treue nachfolgen!

    LG Baldur

  3. Francis Schaeffer behandelt das Thema der Vorherbestimmung in seinen Betrachtungen zu Röm. 1-8 in “Allein durch Christus” ca. S. 249-251.

  4. Lieber Bruder, in unserem Christenleben gibt es überall Spannungsfelder, ebenso wie in dieser Theologie: Es gibt dieses sowohl-als-auch … NICHT im menschlichen Sinn, aber im Göttlichen siehe Joh 3,16, daß EINERSEITS sagt, daß das Evangelium allen Menschen angeboten ist obwohl Gott in seiner Vorkenntnis weiß, daß es ANDERERSEITS nicht Alle annehmen werden … die Antwort auf Deine Fragen wird kein Lehrer erfüllen können, denn zuerst ist es Chrîstus, sein Heiliger Geist, Deine Bibellese und SEINE Antworten, die Dir etwas bezeugen … was Du in der Lehre, nämlich bei eingesetzten Lehrern wiederfinden wirst … jede umgekehrte Orientierung muß scheitern!

  5. Lieber Bruder Siegfried,

    hab Dank für diesen neuen Beitrag zum Thema Calvinismus und speziell zur Erwählungslehre.

    Ich gebe zu, dass ich ein Laie bin und als solcher bin ich angewiesen auf gottesfürchtige Lehrer und Prediger, die mir Gottes Wort näherbringen und auslegen. Als Laie nützt es mir daher leider nichts, wenn der Theologe oder Lehrer noch so sehr in anbetender Ehrfurcht schwelgt, ich dadurch jedoch noch immer nichts näher verstehe und mir Gottes Wort verschlüsselt bleibt. Hinzu kommt noch, dass jeder Christ – und somit auch ich – die Aufgabe, ja die Verpflichtung, hat, alle Rede und Lehre am Wort Gottes zu prüfen. Wenn jedoch eine Predigt oder theologische Abhandlung nahezu keine Bibelstelle als Grundlage angibt, raubt mir dies diese Möglichkeit der Nachprüfung. So sehr ich Dr. Martin Erdmann schätze und so sehr ich Calvin in diesem Bereich näher verstehen möchte und so sehr ich auch Gottes Weisungen demütig folgen möchte, so wenig hilft mir doch leider dieser Beitrag und umso mehr stehe ich ratlos gegenüber der Erwählung da.

    Als Laie bitte ich daher demütig um eine biblische Darlegung der Erwählungslehre, die ich hinterher dann auch selbst an Gottes Wort nachprüfen und über deren Wahrheit ich mithilfe des Geistes Gottes nachsinnen kann (und gerne auch um einen kirchengeschichtlichen Überblick, ob diese Lehre erst mit Calvin “aufkam” oder schon von der ersten Christen vertreten wurde).

    Vielen Dank dennoch und Gottes reichen Segen!

  6. Der Begriff der Auserwählung hat m. E. weniger mit dem Thema zu tun, welchen Anteil der Gott und welchen Anteil der Mensch an seiner Errettung hat, sondern adressiert das Thema der exklusiven, persönlichen Bestimmung und Berufung – die eben gerade kein anderer hat. So wie der Brautigam seine Auserwählte aus einer gewissen Zahl von Möglichkeiten zum Altar führt und eben keine andere. Gott hat gerade mich gesehen und geplant, bevor die Schöpfung geschah, mich berufen, spezifisch begabt und einen persönlichen Weg geführt, damit ich ihm mit meiner speziellen Berufung und Aufgabe dienen kann. Jetzt in diesem Leben und dann im neuen Leib.
    Man beachte, was Jesus bei der Saulus-Paulus-Bekehrung in Apg. 9,15 sagt: Dieser ist mir ein “auserwähltes Werkzeug” usw. Paulus hat seine exklusive bedeutsame Berufung bekommen, die sonst kein anderer hatte.

    Diese Berufung und Auserwählung kann man nur leben in einer Liebesbeziehung zu Jesus.
    Auserwählung meint dewegen nicht kalte Selektion, sondern heiße Liebe (vgl. Hohes Lied 6,9).

    Francis Schaeffer schreibt, dass die Bibel das Thema der Auserwählung nur aus dem Grund enthalte, um uns Heilsgewissheit zu geben. In der systematischen Dogmatik von Römer 1-8 erscheint es eben erst in Röm. 8, 33 wo es um die Überwindung von Problemen geht, wenn man ein Leben als Christ führt. Gerade wenn man in der Nachfolge in Probleme hineinkommt, sodass man sich manchmal fragt, ob das so noch der richtige Weg ist, hilft die Erinnerung an die Tatsache, dass Gott ein Plan hat (Vorsatz) und mich für bestimmte Aufgaben erwählt und berufen hat ungemein weiter.

Liebe Geschwister im Herrn Jesus,