Dominionismus (Dr. Martin Erdmann)

Dr. Martin Erdmann – Dominionismus

 

 

 

Dr. Martin Erdmann: Auffallend ist, dass die Vertreter des Christentums in den zurückliegenden 2000 Jahren bisweilen einen starken Zug zum Dominionismus aufwiesen. In unregelmäßigen Schüben bewegte sich diese Sonderlehre über die Massen der Kirchengänger. Immer, wenn sich die Sonderlehre vom weltweiten Aufbau des Königreiches Gottes im Aufschwung befand, kam es zu schrecklichem Missbrauch der Gewalt im Namen Jesu.

 

 

 

Dr. Martin Erdmann: Laut den Dominionisten muss das Königreich Gottes vergrößert werden durch hypergeistliche „Kriegsführung“, die gegen den Teufel gerichtet ist. Eine grosse Auswahl an verbalen und körperlichen Gebetstechniken, wie beispielsweise Sprechgesänge, Gebetsspaziergänge und -märsche, werden empfohlen. Den Gläubigen wird eingeredet, ihre Gebetskräfte würden geistliche „Schutzdecken“ über bestimmte Landstriche legen, um alle Dämonen, die sich einer „Erweckung“ in den Weg stellen, unter den Bann zu tun.

 

 

 

Dr. Martin Erdmann: Das Erfüllen des Missionsbefehls“ bedeutet nicht mehr vorrangig die Ausbreitung des christlichen Glaubens durch die Verkündigung der biblischen Heilsbotschaft, sondern die sozial-politische Transformation aller Nationen unter dem Motto „das Reich Gottes zu bauen“.

 

 

 

Dr. Martin Erdmann: Seit der zweiten Hälfte der 1990-er Jahre begannen die Vertreter der drei führenden dominionistischen Sonderlehren, sich öffentlich anzunähern, um ihre gemeinsamen Ideen vom „Reich Gottes auf Erden“ zu verwirklichen. Auf vielen Ebenen standen die drei Zweige dieser Lehre, des so genannten Dominionismus, schon lange miteinander in loser Verbindung.

 

 

 

Dr. Martin Erdmann: Die Dominionisten streben eine ständige Vergrösserung des Einzugsgebiets des Königreich Gottes auf Erden an. Dies geschieht, wenn man die Kontrolle über drei Bereiche der Gesellschaft erringt: die Übernahme der Regierung, die Instrumentalisierung der Geschäftswelt und die Partnerschaft mit dem gemeinnützigen Sektor, dazu zählen die Kirchen und andere religiöse und säkulare Organisationen.

 

Dr. Martin Erdmann: Die Massenmedien feiern Rick Warren als „Amerikas Pastor“. Es wird zunehmend sichtbar, dass sich die Popularität von Billy Graham auf ihn überträgt. Er setzt sich mit voller Kraft ein, um Peter Druckers Modell einer „gesunden Gesellschaft“ in Ruanda unter dem Banner der Mission und Entwicklungshilfe einzuführen.

 

 

 

Dr. Martin Erdmann: Internationale Firmen suchen in aller Welt neue Absatzmärkte für ihre Erzeugnisse. Um ihren Profit zu steigern, scheuen sie sich nicht, christliche Missionswerke für ihre kommerziellen Zwecke einzuspannen. Unter dem Vorwand, die Verbreitung des Evangeliums in unterentwickelten Dritte-Welt-Länder, in denen Geschäftsbeziehungen aufgebaut werden sollten, zu unterstützen, engagieren sie Missionare, um die anfänglichen bürokratischen Hürden zu überspringen und verwertbare demographische und geopolitische Daten zu sammeln.

 

 

 

Dr. Martin Erdmann: Regelmässige Verlautbarungen neuer „Prophetien“ und „Beschlüsse“ füllen die Inhalte christlicher Medien. Falsche Propheten sind eifrig dabei, die absolute Pflicht in der Erfüllung des Königreich-Mandats zu bekräftigen, das heisst die globale „Transformation“ aller Lebensbereiche zu vollziehen.

 

 

 

Dr. Martin Erdmann: Die gegenseitige Einflussnahme von evangelikalen Dominionisten und New Age-Theosophisten hat mittlerweile beträchtliche Ausmasse angenommen. Seit den späten 1970-er Jahren trafen sich die Dominionisten mit den Theosophen hinter verschlossenen Türen, um über die Möglichkeit einer zukünftigen Zusammenarbeit zu beraten.

 

 

 

Dr. Martin Erdmann: Mehrere internationale Missionsgesellschaften schlossen sich in Allianzen zusammen, um ihre gemeinsamen Königreichsziele zu verwirklichen. „Micah Challenge“ ist eine der wichtigsten Organisationen, die in diesem Bereich aktiv sind.

 

 

 

Dr. Martin Erdmann: Die Bibel spricht ganz offen über das Hereinbrechen einer massiven Irrlehre über die Kirche Jesu Christi, die sich besonders darin zu erkennen gibt, dass sie das Erwirtschaften von Geld mit den Interessen der Kirche verbindet. Die Sturmwolken einer unheiligen Allianz des Geschäfte treibenden Dominionismus scheinen sich über unseren Köpfen zusammenzubrauen.

 

 

 

Interview.Der Griff zur Macht

Dr. Martin Erdmann: Die Evangelikalen suchen und gewinnen immer mehr Anerkennung und Einfluss in Gesellschaft und Politik. Doch zu welchem Preis? Entspricht dieser Weg dem biblischen Evangelium oder ist er ein Irrweg? Es ist Zeit, dass die Christen die wahren Beweggründe von „besucherfreundlichen Gottesdiensten“, „Emerging Church“, Rick Warrens Bestrebungen und der „Transformation“ von Gemeinden und Gesellschaft erfahren. Dr. Martin Erdmann ist ein profunder Kenner der Zusammenhänge auf christlicher, politischer und wirtschaftlicher Ebene und verdeutlicht hier eine brisante und eklatante Notlage.

Author_S 03. November 2012