PARALLELEN ZWISCHEN DEM URSPRÜNGLICHEN UND NEUEN SOCIAL GOSPEL (DR. MARTIN ERDMANN) / Nachbemerkung (Siegfried Schad) [UPDATE 2017 DES BUCHES “DER GRIFF ZUR MACHT”]

PARALLELEN ZWISCHEN DEM URSPRÜNGLICHEN UND NEUEN SOCIAL GOSPEL (DR. MARTIN ERDMANN)

(Quelle: Dr. Martin Erdmann http://veraxinstitut.ch)

Wie ist die Entwicklung des Neo-Evangelikalismus seit Veröffentlichung des Buchs Der Griff zur Macht im November 2011 weitergegangen und welche Veränderungen haben sich eingestellt? In eingehenden Recherchen bin ich diesen Fragen nachgegangen und versuche in der nahen Zukunft, die gewonnenen Erkenntnisse denen zu vermitteln, die ein Interesse am geistlichen Wohlergehen der Gemeinde Jesu haben. Vor der Beschäftigung mit neuen Themen ist es sinnvoll, noch einmal einige der wichtigen Inhalte des Buchs Der Griff zur Macht aufzugreifen. Deshalb werde ich in einer fortlaufenden Serie an Artikeln einzelne Buchauszüge veröffentlichen. Es ist dabei zu beachten, dass die Informationen auf dem Stand der Dinge gegen Ende des Jahres 2011 und davor Bezug nehmen. Manche Fakten haben sich mittlerweile etwas verändert. Beispielsweise heißen die UN-Millennium-Entwicklungsziele jetzt “Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“. Angegebene Links sind gegebenenfalls nicht mehr aktuell.


Der Griff zur Macht: Dominionismus – der evangelikale Weg zu globalem Einfluss

Es gibt erstaunliche Parallelen zwischen der Propagandakampagne der ursprünglichen ökumenischen „Social Gospel”-Bewegung und der gegenwärtigen evangelikalen „Social Gospel”-Initiative. Es ist bemerkenswert, dass Warrens Lösungsvorschlag für die fünf Krisen, seine so genannten „Giganten“, aus Peter Druckers Modell des „dreibeinigem Stuhls” entnommen ist und auf dem gleichen Konzept der Bruderschaft aller Menschen beruht. Im Namen der „Mission” wird das soziale Engagement an die erste Stelle gestellt. Warren sagte:

“In der Welt gibt es fünf gigantische Probleme […] Die geistliche Leere ist das Problem Nummer 1. Egoistische oder korrumpierte Regierung ist das zweitgrößte Problem. Nummer 3 ist die Armut. Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt von weniger als zwei US-Dollar pro Tag, eine Milliarde Menschen müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. An vierter Stelle steht die Krankheit – alle möglichen Krankheiten. 500 Millionen Menschen werden dieses Jahr an Malaria erkranken. An fünfter Stelle steht das Analphabetentum – die Hälfte der Weltbevölkerung kann weder lesen noch schreiben! Selbst wenn die ganze Welt über das Internet miteinander verbunden wäre, würden die Menschen links liegen bleiben, die weder lesen noch schreiben können. Für sie gibt es einfach keine Hoffnung im 21. Jahrhundert. […] Die Probleme sind so groß, dass jeder versagt hat, der versuchte, sie zu lösen. Die Vereinigten Staaten haben versagt, die Vereinten Nationen haben versagt. Niemand hat die fünf Probleme gelöst, weil die Lösung auf das Modell des „dreibeinigen Stuhls” zurückgreifen muss. Die Stabilität eines Landes kann nur gewährleistet werden, wenn man eine starke, gesunde Regierung, starke, gesunde Firmen und starke, gesunde Kirchen hat. […] Ein dreibeiniger Stuhl ist stabil. Deshalb reise ich von einem Land zum anderen, um der Industrie, der Kirche und den Staatsoberhäuptern ihre spezifische Rolle zuzuweisen – ihr müsst zusammenarbeiten! Wir können die Probleme in ihrem Land oder in der Welt nicht lösen, wenn wir nicht zusammenarbeiten.”[1]

Der mit dem „Council on Foreign Relations“ eng verbundene „Federal Council of Churches” veröffentlichte 1932 ein soziales Glaubensbekenntnis, das so genannte „Social Creed”. Es bildete die Grundlage für das „Social Gospel” in den protestantischen Kirchen der nachfolgenden Generationen. Die radikalen Ideen in diesem Text forderten die Umverteilung der Vermögenswerte in der Gesellschaft und die Errichtung weitgehender Kontrollen mittels sozialer Planung. Beachtenswert ist auch die Methode, wie dieses Glaubensbekenntnis vermarktet wurde:

“In den 1930-er Jahren forderte die Zeitschrift „Federal Council Bulletin” seine Leser auf, das „Social Gospel” bekannt zu machen. Die Publikation ermahnte die Christen, jeden Gedanken zu verwerfen, der andeutete, dass ein grundsätzlicher Konflikt bestünde zwischen der Verkündigung des Evangeliums als solchem und der Notwendigkeit, das soziale Glaubensbekenntnis des FCCs bekannt zu machen. Der ‘Federal Council’ wusste:Nur wenn eine tiefe Hingabe an die ethischen Prinzipien des Evangeliums und eine treue Ergebenheit an Jesus Christus gewährleistet ist, konnten die Christen hinreichend motiviert werden, für die Verwirklichung des Königreiches Gottes auch als Staatbürger der USA zu kämpfen. Ohne wirklich biblische Grundsätze zu befolgen, kleidete der ‘Federal Council’ die sozialen Forderungen in biblische Begriffe. Obwohl man das Problem der Sünde oftmals beim Namen nannte, wurde dies gewöhnlich im Zusammenhang von Sünden gegen die Gesellschaft, nicht Sünden gegen Gott, getan. Die Wiedergeburt wurde geschickt umgedeutet zu einem neuen sozialen Bewusstsein. Das stellvertretende Sühneopfer Christi am Kreuz hielt man für unbedeutend, es wurde deshalb nur selten, wenn überhaupt, erwähnt. Der Grundsatz der Reformation, dass die Menschheit Frieden mit Gott nur durch die Rechtfertigung des Glaubens finden kann, wurde ignoriert, weil man es für völlig unwichtig erachtete.”[2]

Vergleichen wir nun diese Ideologie mit den Aussagen über Rick Warren, des evangelikalen Vertreters eines neuen „Social Gospels”, die in einem offenen Brief an Pastoren in den USA geäußert wurden:

“AIDS forderte seit 1981 das Leben von 25 Millionen Menschen. 40 Millionen Menschen in aller Welt, einschließlich 2 Millionen Kinder, müssen mit dieser furchtbaren Krankheit leben. Und fast 7 Millionen Menschen benötigen jetzt verzweifelt lebensrettende Medikamente, ohne die sie sterben werden. Angesichts dieser Krise übersteigt es unser Verständnis und verletzt unseren von Gott gegebenen Gerechtigkeitssinn, dass diese Gruppen sich entschlossen haben, Senator Obama und Pastor Warren – beides Christen – anzugreifen, weil sie zusammenarbeiten, um AIDS abzuschaffen. […] Es ist höchste Zeit, dass Christen sich unter dem Banner der Wahrheit vereinigen und daraufhin arbeiten, die dringlichsten Probleme unserer Gesellschaft anzugehen. Die Zeit, Taktiken zu verwenden, die anderen Angst einjagen, und der Uneinigkeit ist vorbei. Als Leiter der christlichen Gemeinschaft werden wir angesichts dieser Angriffe nicht still dastehen, sondern wir werden stattdessen als die Stimmen der Gleichheit, Fairness und Gerechtigkeit allen Menschen dienen.”[3]


[1] http://showbizandstyle.inq7.net/lifestyle/lifestyle/view_article.php?article_id=12466 Der Artikel wurde inzwischen gelöscht. Ähnliche Aussagen werden in dem Inquirer Lifestyle Artikel „Playtime: The purpose-driven Rick Warren” zitiert. Auf den Punkt bringt Warren es auch hier: http://www.youtube.com/watch?v=je2FDmsrxiA

[2] Martin Erdmann, Building the Kingdom of God on Earth, 154-155.

[3] „Religious Leaders Stand Up for Rick Warren, Barack Obama: An open letter to pastors across the country”; zu Deutsch: „Religiöse Leiter unterstützen Rick Warren und Barack Obama: Ein offener Brief an Pastoren im ganzen Land”. http://www.christiannewswire.com/news/98781633.html

Nachbemerkung (Siegfried Schad)

Peter Drucker war nicht irgendwer … Wikipedia schreibt: “Peter Ferdinand Drucker (* 19. November 1909 in Wien; † 11. November 2005 in Claremont) war ein US-amerikanischer Ökonom österreichischer Herkunft. Seit den 1940er Jahren veröffentlichte er zahlreiche einflussreiche Werke über Theorie und Praxis des Managements. Er gilt als ein Pionier der modernen Managementlehre und als origineller und unabhängiger Denker. Drucker bemühte sich in seinen Werken um Klarheit und Übersicht. Auf einen wissenschaftlichen Apparat und Mitarbeiterstab verzichtete er weitgehend. Seine 35 Bücher wurden über 5 Millionen Mal verkauft.”

Sein großer Einfluß auf den “Pastor Amerika´s” Rick Warren, in der Frage der Rolle der Kirchen in einer gloabalen Gesellschaft, kann und darf nicht unterschätzt werden. Bitte lesen Sie HIER weitere Artikel über Peter Drucker.


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Eingestellt von Siegfried Schad © Dr. Martin Erdmann alle Rechte an diesem Artikel vorbehalten.

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Liebe Geschwister im Herrn Jesus,